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Kanaren als MTB-Winterziel

Flucht im Winter: Kanaren

Gitta Beimfohr am 25.11.2008

Jetzt nix wie weg! Die Kanaren locken mit Frühlingstemperaturen. Doch welche der fünf großen Inseln eignet sich am besten zum Biken? Wir haben Spezialist Philipp Foltz von Atlantic Cycling gefragt:

BIKE: Ihr von Atlantic-Cycling bietet seit vier Jahren Wintertrips auf Atlantik-Inseln an. Welche Kanaren-Insel ist deine Favoritin – und warum?

Mein Lieblingsinsel zum sportlichen Biken ist ganz klar La Palma. Keine andere Insel ist von der Topographie her so gut geeignet wie La Palma. Es gibt unzählige Varianten, die Berge rauf und auch wieder runter zu kommen und das in allen Schwierigkeitsgraden. Die Vegetation ist sehr abwechslungsreich und für Genussbiker gibt es immer auch einen einfachen Weg und tolle Panoramarouten. Freeridern gefallen dagegen besonders die endlos langen Singletrail-Abfahrten. Natürlich haben aber auch alle anderen Inseln ihre Reize.
Auf Teneriffa zum Beispiel findet man eine ebensogroße Vielfalt an Vegetation und guten Bikerouten, leider muss man aber, da die Insel viel größer ist, auch weitere Autofahrten in Kauf nehmen.

Gran Canaria ist sehr interessant für Marathonfahrer, da es dort die größte Marathonveranstaltung der Kanaren gibt und sich das Bikegebiet mit seinen etwas flacheren Steigungen und der Möglichkeit, auch mal ein paar Meter in der Ebene zu fahren, gut für Trainingscamps eignet.

La Gomera bietet eine gute Kombination aus wilden Schluchten und schönen Trails. Leider muss man zum klassischen Urlaubsort Valle Gran Rey immer viel auf der Straße fahren, wir haben uns daher für unsere Singletrail-Tourenwoche für Playa de Santiago als Startort entschieden. Der ist tourentechnisch viel besser gelegen.
Wer einfach mal bizarre Vulkanlandschaften sehen möchte oder gerne in der Wüste biken geht und dabei keinen Wert auf allzu hohe Berge, dafür aber auf gute Hotels legt, wird Lanzarote und Fuerteventura reizvoll finden. Es gibt sogar dort ein paar interessante Trails und das Wetter ist in der Regel noch besser als auf den Inseln, die über 2000 Meter hoch
sind.

BIKE: Die offiziellen Temperaturangaben für die Kanaren liegen im Winter im zweistelligen Bereich. Nur gilt das für die Strandbereiche. Aber mal ganz ehrlich: Wie warm ist es in den Gipfelregionen?

Wir hatten diese Woche eine Tour auf La Palma, bei der die Gruppe am Gipfel bei nur 4 Grad gestartet ist und es kann in den Höhenlagen über 2000 Meter auf allen Inseln auch für ein paar Tage etwas Schnee liegen. Diese Wetterlagen dauern aber meist nur wenige Tage und wenn danach ein Sahara-Wüstensturm kommt, kann man auch auf über 2000 Metern mit kurzem Trikot biken und sich am höchsten Punkt der Tour sonnen. Die meiste Zeit im Winter liegen die Temperaturen auch auf den Bergen über 10 Grad. Man sollte aber immer ein warmes Trikot und Regenbekleidung im Rucksack dabei haben, denn wir bewegen uns ja in alpinem Gelände und da gibt es, wie in den Alpen auch, oft eine lokale Wolkenbildung. Wenn man dann nach der Tour bis an den Strand runterrollt, lohnt es sich fast immer eine Badehose dabeizuhaben.

BIKE: Gibt es Zahlen, welche Insel am häufigsten von Bikern besucht wird?

Leider gibt es zu dem Thema noch keine Statistiken. In unserem Reiseprogramm ist die Nachfrage nach dem La Palma-Programm und speziell nach den Singletrail-Tourenwochen und den Freeride-Wochen am größten. Wenn wir auf Gran Canaria und Teneriffa unterwegs sind, treffen wir auch immer viele Biker und auch große von den Bikestationen organisierte Gruppen, daher gehe ich davon aus, dass es dort mindestens genauso viele Bike-Urlauber gibt.

BIKE: Teneriffa hat einen neuen Bike-Park im Norden der Insel. Warst du schon dort?

Ich war im letzten Jahr mit meinem Kollegen Daniel Schaefer auf Teneriffa für ein Tourenprogramm unterwegs. Bei der Gelegenheit haben wir uns auch den Bikepark angeschaut und dort einen echt geschmeidigen Freeridetag eingelegt. Wir waren genau eine Woche nach Cedric Gracia dort, der wohl genauso begeistert war wie wir. Die Strecken sind sehr gut angelegt und echt abwechslungsreich. Geshuttelt wird man im Park ganz zuverlässig mit einem LKW der permanent am Pendeln ist. Wir haben, damit wir einen Grund haben regelmäßig hinzufahren, auch gleich ein Freerideprogramm daraus gemacht bei dem man 2,5 Tage im Park und 2,5 Tage auf den Trails im Norden fährt.

BIKE: Was genau bedeutet „Trailhunter“ in eurem Programm und für wen sind diese Touren-Wochen geeignet?

Die Trailhuntertouren sind ein spezielles Tourenprogramm für konditionell starke Fahrer, die gerne auch auf technisch anspruchsvollen Trails bergab fahren. Bei den Touren fährt man zwischen 1100 und 1800 Höhenmeter bergauf – das zum Teil auch schon auf Singletrails. Bergab geht es dann eben auch über die größtmögliche Anzahl an schmalen Wegen. Unsere Zielgruppe hierfür sind Fahrer, die im Sommer Alpenüberquerungen fahren und Spaß an technischen Trails haben.

BIKE: Wird es wieder eine Freeride-Woche für Frauen auf La Palma geben?

Ursi Gründl, die ja auch als Biketesterin arbeitet, ist in den letzten Jahren zu einer echten La Palma-Spezialistin geworden und wird unser Team ab dem 31.12. wieder verstärken. Dann wird es auch gleich eine Ladysweek bis zum 7.1.09 geben. Zwei weitere Termine sind Mitte und Ende Februar geplant. Diese unterscheiden wir dann in Tourenwoche und Freerideprogramm, denn Ursi ist ja nicht nur Freeriderin, sie fährt auch noch gerne bergauf.

BIKE: Ihr seid einer der wenigen Veranstalter, die auch Touren auf den Kapverden anbieten. Wie unterscheiden sich diese Inseln von den Kanaren? Und für wen sind diese Inseln zu empfehlen?

Die Kapverdischen Inseln sind trockener und wärmer als die Kanaren. Entsprechend gibt es dort deutlich weniger Vegetation. Wenn man sie von der Gebirgsform her vergleichen wollte, wären sie dem Süden von Gran Canaria am ähnlichsten. Die Inseln sind touristisch bisher eher unterentwickelt und noch sehr ursprünglich. Manchmal kommt man sich vor, als wären hier die Uhren vor 30 Jahren stehen geblieben. Aufgrund der schlechten Infrastruktur und der schwierigeren Anreise mit Stopover-Flug hatten wir in den letzten zwei Jahren keinen Termin mehr ausgeschrieben.

Für den Herbst 2009 oder das Frühjahr 2010 ist aber jetzt wieder eine Reise geplant, denn wenn man erst mal dort ist, haben die Insln neben den freundlichen Menschen, den tollen Stränden und den faszinierend schroffen Gebirgsformationen auch eine Menge guter Trails zu bieten. Die Strecken sind aber nur für Geübte zu empfehlen. 500 Höhenmeter bergauf fühlen sich dank der Kopfsteinpflasterstraßen schnell wie 800 Höhenmeter an. Wenn man schöne Runden fahren will, muss man auf jeden Fall auf hochalpinen Trails abfahren, auf denen man schwindelfrei sein sollte.

Ich hatte die Reise beim ersten Mal mit Rucksack gemacht und wenn man individuell hinreisen will, kann ich das auch empfehlen. Ein Zimmer findet man eigentlich immer und zu zweit hat man auch weniger Probleme mit dem Radtransport als in der Gruppe. Alleine sollte man aber aus Sicherheitsgründen nicht reisen. Wichtig ist, dass man sich vorher überlegt, welche Inseln man sehen möchte und die Flüge auch schon vorher bucht. Vor Ort sind die kleinen Maschinen oft ausgebucht. Ich empfehle auf jeden Fall einen Besuch von Santo Antao. Hier gibt es das größte Wanderwegenetz. An Sao Vicente kommt man dann sowiso vorbei, denn hier startet die Fähre nach Santo Antao. Wenn Zeit ist, lohnt noch ein Abstecher nach Sao Nicolau, um dort auf den höchsten Punkt zu fahren und
dann auf Trails von 1200 Meter bis auf 0 runterzurollen.

Programm-Info: www.atlantic-cycling.de

Philipp Foltz

BIKE-Tester und Guide: Philipp Foltz von Atlantic Cycling kennt sich aus auf den Kanaren.

Gitta Beimfohr am 25.11.2008
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