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Das Val Suvretta: ein Hochgebirgstal gleich hinter St. Moritz. Mit einem kleinen Bagger wurde der sechs Kilometer lange Trail extra für Biker aufgehübscht. Das Val Suvretta: ein Hochgebirgstal gleich hinter St. Moritz. Mit einem kleinen Bagger wurde der sechs Kilometer lange Trail extra für Biker aufgehübscht.

Supertrail: Suvretta-Trail im Engadin

Schweiz: Supertrail am Suvretta-Pass

Annette Keller am 10.11.2010

Früher eine Hochgebirgskletterei für Fortgeschrittene, heute ein MTB-Traumpfad mit sensationellem Flow: Scott-Contessa-Girl Annette Keller hat sich in den Suvretta-Trail im Oberengadin verliebt.

Unter “Masterplan” konnte ich mir erst mal nichts Besonderes vorstellen. Mei, da wird man im Oberengadin halt auch Touren für Mountainbiker ausgeschildert und die Seilbahnen für den Bike-Transport freigegeben haben – so wie in vielen anderen Ferienorten auch. Nur rund um St. Moritz nennt man das Ganze dann eben etwas elitärer “Masterplan”. Dachte ich. Doch dann kam ich im August mit Karen Eller und den anderen Contessa-Mädels ins Oberengadin und stellte fest: alles ganz anders.

Der steile Aufstieg von Marguns aus ziept noch in den Beinen, aber jetzt geht der Abfahrtsspaß am Suvretta-Pass los.

In Celerina, dem kleinen Nachbarort von St. Moritz, führt direkt vom Bahnhof eine geschotterte Almstraße nach Marguns hinauf. Im Zickzack. Unten noch in angenehmer Steigung mit toller Aussicht übers Inntal. Dann, ab der Alp Laret bis zur Bergstation der Corviglia-Bahn so steil, dass man sich fast ärgert, nicht die Bahn genommen zu haben. Dabei kommt es ja jetzt erst richtig dick, denn es fehlen noch 200 Höhenmeter bis zum höchsten Punkt auf 2690 Meter Höhe. Und die gibt es in Form von Rampen. Erstaunlich, wie viele Biker sich diesen harten Aufstieg antun. Ganze Karawanen ziehen mit uns die Bergflanke hinauf. Die einen schiebend, die anderen versuchen, weit über den Lenker gebeugt Traktion zu behalten – und ernten dafür Zwischenapplaus. Irgendwann zweigt ein Pfad Richtung Suvretta-Pass ab. Im Flachen noch etwas verblockt, dann klar und deutlich, wie ein Gürtel um den Bauch des Berges gelegt. Er führt ausgesetzt aber nur leicht ansteigend um den Piz Nair herum, bis der höchste Punkt erreicht ist.

Die Aussicht: monumentale Felswände zum Anfassen, links am Horizont die weißen Gipfelspitzen der Bernina und in Fahrtrichtung der kleine See mit einer gigantischen Talwanne dahinter – das Val Suvretta. Ein Bächlein bahnt sich seinen Weg durch diese Hochgebirgslandschaft. Und noch etwas schlingert da durch Fels und Stein und wechselt manchmal auch die Bachseite: ein Trail! Ich kenne diesen Pfad. Den gibt es schon ewig, aber nicht so. Irgendwie scheint er herausgeputzt zu sein. Grobe Stufen wurden entfernt und Kurven runder gemacht. Das Gefälle ist gerade so, dass man die Bremsen nicht braucht – wenn man nicht zwischendurch doch mal anhalten möchte, weil man diesen Flow und dieses Glücksgefühl einfach nicht fassen kann.

Der Überführungs-Trail von St. Moritzer Seite um den Piz Nair ins Suvretta-Tal: Hinten blitzt der Bernina mit Bianco-Grat (4048 m) auf.

Knapp sechs Kilometer dauert dieser Fahrfluss an, dann muss der Pfad doch noch einen steilen Hang – die Stufe ins Val Bever – hinunter. Ich weiß noch, dass ich hier früher das Bike schultern und durch grobes Geröll runterkraxeln musste. Heute hilft hier ein in wunderbaren Serpentinen angelegter Pfad hinunter. Die Kurven eng, aber dank Anlieger schön mit Schwung zu fahren. Das also ist er, der Masterplan!

Wanderer und Biker möglichst trennen, damit es keinen Ärger gibt – so lautet der Grundgedanke. Aber nicht wie im Schwarzwald, wo die Wanderer die schönen, aussichtsreichen Pfade zugeteilt bekommen und die Biker auf Forststraßen in den blickdichten Wald abgeschoben werden. Im Oberengadin hat man Wege für Biker ausgewählt, die entweder für Wanderer zu weitläufig sind, hat vergessene Pfade wieder ausgegraben oder sogar neue angelegt. Grobes Geröll wurde entfernt, Stolperstufen eingeebnet und Spitzkehren runder geformt. Somit sind diese Trails auch für Fahrer mit wenig Fahrtechnik ein Genuss. Und bessere Fahrer nehmen ihn einfach mit mehr Speed. Mit anderen Worten: Diese Trails führen durch sensationelle Landschaft und bieten dabei ein Maximum an Flow.

Minigletscher etwas angezuckert: Im August kann es hier oben schon mal einen kleinen Wintereinbruch geben.

So wie der neu geshapte Trail durchs Val Suvretta. Der gefällt mir vor allem deshalb so gut, weil man ihn auch als Abendrunde noch schnell machen kann. Einfach mit der Corviglia-Bahn 800 Höhenmeter sparen, kurz und schmerzhaft die letzten Rampen zum Suvretta-Pass rauf und dann nur noch genießen. Abends sind auch keine Wanderer mehr im Val Bever unterwegs. Denn der Suvretta- Trail mündet hier in einen Schotterweg. Der windet sich wie eine kleine Achterbahn durch saftige Wiesen und Arvenwäldchen das Tal hinunter. Und wenn keine Wanderer mehr unterwegs sind, macht der mit Tempo noch mal richtig Spaß. Zum Schluss kehrt man für ein Feierabend-Bier in der Spinas-Hütte ein und fährt auf dem Radweg über Samedan zurück nach Celerina.

Der Suvretta-Trail im Überblick

Der Suvretta-Trail im Engadin im Überblick.

 

Scott-Contessa-Girl und Supertrail-Autorin Annette Keller.

Annette Keller am 10.11.2010