Supertrail: Portail de Fully-Trail im Rhône-Tal

Schweiz: Hochalpen-Trail mit Mont Blanc-Panorama

  • Myriam Saugy
 • Publiziert vor 10 Jahren

Die Schweizerin Myriam Saugy ist Rennfahrerin und liebt Langstrecken. Am liebsten die bergab. Ihr Lieblings-Trail liegt in Sichtweite ihres Wohnortes. Er heißt bezeichnenderweise: Portail de Fully.

Es sind drei Elemente, die für mich zu einem echten Supertrail gehören: Er sollte großteils abseits von breiten Forstwegen verlaufen. Außerdem will ich mich schon ein bisschen anstrengen, weil ich den Downhill sonst nicht richtig genießen kann (wobei bergab möglichst ein paar Höhenmeter mehr drin sein sollten als bergauf). Und dann möchte ich auch auf jeden Fall ein paar landschaftliche Höhepunkte genießen können. So, und all das zusammen finde ich glücklicherweise direkt vor meiner Haustür, im Wallis. Von meinem Balkon aus kann ich sogar Teile dieses Trails erkennen.

Berühmte Aussichten zwischen Mont Blanc und Grand Combin

Ausgangspunkt ist Dorénaz, einer der windigsten Orte der Schweiz. Er liegt im Rhône-Tal zwischen den Massiven von Mont Blanc und Grand Combin. Also nichts wie raus aus dem Talkessel. Die kleine, altmodische Seilbahn des Ortes hat wenig mit den riesigen Anlagen von Verbier gemein, aber die Mountainbiker der Gegend sind happy damit, denn von der Bergstation Champex d’Alesse aus führt eine Downhill-Piste ins Tal. Die Räder werden an Haken außerhalb der Kabine befestigt, so haben im Inneren mehr Biker Platz. An der Bergstation trenne ich mich von den Downhillern und kurble zuerst auf der kleinen Fahrstraße bergan Richtung Giète. Dann auf einem Waldweg bis zur Alm von Au d’Alesse. Langsam bricht die steigende Sonne zwischen den Tannenwipfeln durch. An manchen Stellen lichtet sich der Wald, dann öffnet sich ein wunderschöner Blick auf die gegenüberliegenden Dents du Midi. Je näher ich der Alm komme, desto steiler wird der Anstieg. Doch der anstrengendste Teil kommt erst noch – und zwar, sobald der Wald endgültig zurück bleibt: Jetzt muss ich mein Bike schultern, denn nur über eine Tragepassage erreicht man links unterhalb der Hütte von Scex Carro den Einstieg zu einem Singletrail, der wiederum zu einem Verbindungsweg führt, über den man schlussendlich zum Portail de Fully gelangt. Die Aussicht von hier oben ist atemberaubend: Gegenüber erhebt sich der Mont Blanc, weit unten glitzert die Rhône. Der eindrucksvolle Steinbogen des Portail de Fully ist der höchste Punkt der Tour. Von nun an geht’s bergab.

Na ja, abgesehen von ein paar kleinen Gegenanstiegen. Doch dank des Seilbahneinsatzes hat die Runde natürlich deutlich mehr Downhill als Uphill. Ein Panorama-Pfad entlang der Bergflanke führt zunächst zum Lac de Fully, dann unter den Chavelard. Die Eindrücke auf diesem Teil der Tour sind schwer zu beschreiben: Der Trail fährt sich traumhaft, er ist relativ breit, dennoch muss man sich in Acht nehmen: An einigen Stellen darf man einfach nicht stürzen. Und was die Aussicht angeht: Ich glaube nicht, dass es in den Alpen viel Vergleichbares gibt! Am Ausgang des Singletrails stößt man wieder auf einen Forstweg. Dem folgt man, bis ein mit gelben Pfeilen markierter Pfad nach Chiboz kreuzt. Von hier aus sind es nur 500 Meter bis zu einem der außergewöhnlichsten Berggasthöfe des Wallis, dem Relais des Chasseurs von Chiboz. Unmöglich, hier einfach vorbeizufahren. Neben den saisonalen Wildgerichten sind vor allem die Schnecken berühmt. Die Sauce bereitet der Chef angeblich nachts im Schein der Stirnlampe zu, damit ihm niemand das Rezept klaut.

Bestens gestärkt nehmen wir die letzten 900 Höhenmeter in Angriff. Für die stehen mehrere Möglichkeiten zur Wahl. Die extremste Variante ist wieder hoch bis nach Randonne zu fahren und von dort aus über den Wanderweg hinunter nach Beudon und Saillon. Bikern, die alleine unterwegs sind, würde ich davon allerdings abraten, denn einige Passagen sind sehr ausgesetzt. Die anstrengendste Route führt zunächst über die von Chiboz kommende Straße bergab, dann folgt man den gelben Pfeilen Richtung Planuit. Dieser Trail, der immer an der Bergflanke entlang führt, ist ziemlich technisch, aber auch sehr schön. Von Planuit aus erreicht man das Tal über einen Weg, dessen Spitzkehren mit jeder Wendung enger werden. Und schließlich gibt es noch die Variante für all diejenigen, die schon geschafft sind: Sie kurven ganz entspannt durch die Rebhänge das Sträßchen nach Fully hinunter.

Egal für welche Variante man sich entscheidet: In jedem Fall geht es zum Schluss wieder entlang der Rhône nach Dorénaz. Dort endet ein typischer Bike-Tag im Wallis zwangsläufig bei einem Glas Wein.


Den gesamten Artikel zum Portail de Fully-Supertrail gibt's unten auch als PDF-Download.

Die Strecke des Portail de Fully-Trails in der Übersichtskarte.


 

Themen: PortailSchweizSupertrail

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