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Schweiz: Mountainbike Revier-Guide Lenzerheide am Rothorn

Lenzerheide: MTB Flow-Mekka in Graubünden

  • Gitta Beimfohr
 • Publiziert vor 4 Jahren

Zwischen Lenzerheide, Arosa und Chur könnte man sich in den Gipfeln verlieren, so dicht ist im Worldcup-Revier das Trail-Netz. Doch Schilder, Seilbahnen und gebaute Strecken halten Biker auf Spur.


Als Die Gondel in die Wolke eintaucht, verstummen die gespräche. Hände, die eben noch "Flow" oder "Whip" gestikulierten, Kramen jetzt in ProtektorenRucksäcken und zerren Regenjacken hervor.

Während die Gondel an scheinbar im Nichts aufgehängten Tragseilen die letzten 500 Höhenmeter überwindet, macht sich eine spannungsgeladene Stille breit. Nur wenige Biker haben sich heute auf den Weg zum Parpaner Rothorn gemacht. Es ist Ende Juli, Mountainbike-Hochsaison in Graubünden. Eigentlich hatte der Wetterbericht stabile Hochdruckverhältnisse vorausgesagt. Doch wie es scheint, produzieren die Berge zwischen Lenzerheide, Arosa und Davos ihr eigenes Klima. Ein ausgesprochen Mountainbike-freundliches Klima, sogar.



Die GPS-Daten zu diesen drei Touren finden Sie unten im Download-Bereich:

  • 1. Furcletta-Welschtobel (27,3 km | 780 hm | 2790 tm | 4:30 h)
  • 2. Biketicket-2-Ride  (51,5 km | 575 hm | 3940 tm | 5:30 h)
  • 3. Piz Scalottas (18,4 km | 160 hm | 1700 tm | 2:30 h)

Es gibt Orte, die einem als Mountainbiker geläufig sind, selbst wenn man sie noch nicht persönlich kennt. Der wenig markante Gipfel des Parpaner Rothorns mit seinen 2860 Metern Höhe gehört eindeutig dazu. Mit schöner Regelmäßigkeit produziert diese alpine Steinwüste brausegetränkkompatible Bike-Videos in großer Zahl. Vor allem natürlich vom Bike Attack. Seit zwölf Jahren stürzen sich am Rothorn alljährlich offenbar sadomasochistisch veranlagte Downhiller in einem spektakulären Massenstart zu Tal – Massenstürze inklusive. Events wie diesem verdankt Lenzerheide seinen hohen Bekanntheitsgrad in der Bike-Szene. Der gute Ruf, so wird kolportiert, hat aber mehr noch mit der Qualität und der schieren Anzahl von alpinen Trails zu tun, die sich hier angeblich finden lassen.

Obwohl Waschküche und schlüpfrig schimmerndes Schiefergestein die Motivation heute ein wenig dämpfen, will uns der Bikeguide nicht mehr als einen schnellen Kaffee zugestehen. Beni Ott wirkt, als hätte er die schweizerische Seelenruhe durchaus verinnerlicht. Doch dass Beni den Angriffsmodus trotzdem beherrscht, hat er mit zwei Podestplätzen beim Bike Attack in der Vergangenheit bereits eindrücklich bewiesen. Und natürlich kennt er als Leiter der Bikeschule Lenzerheide auch den Verlauf unserer heutigen Tour. Das Programm ist ambitioniert, der Zeitplan eng, der Guide entsprechend streng. Beni bläst zum Aufbruch.

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In den hochalpinen Gipfeln zwischen Lenzerheide, Arosa und Chur könnte man sich verlieren, so dicht ist hier das Trail-Netz. Doch Schilder, Seilbahnen und gebaute Strecken halten Biker im Worldcup-Revier rund um Lenzerheide auf Spur.

Unter dem Label "Biketicket 2 Ride" bieten die Bergbahnen von Lenzerheide und Arosa drei Freeride-Touren an, die bei minimalen Anstiegen aus eigener Kraft und mit Seilbahnunterstützung maximalen Trail-Spaß versprechen. Analog zur Bewertung der Pisten im Winter lassen sich die Trails der beiden Täler auf blaue, rote und schwarze Art verbinden. Black is beautiful, hier warten die längsten Trail-Abschnitte. Allerdings haben wir das Programm etwas abgespeckt: Die komplette schwarze Variante, mit ihren zehn Seilbahnfahrten und gut 6000 Tiefenmetern an einem Tag fahren zu wollen, ist eine Herausforderung. Doch auch wenn man, wie wir, von Lenzerheide aus "nur" Arosa und Chur ansteuert, muss man sich ranhalten. Sonst steht man am späten Nachmittag vor verschlossenen Seilbahnpforten. Also auf ins Gefecht. Nach 200 eiskalten Tiefenmetern verlassen wir am Passübergang des Gredigs Fürggli die Wettkampfpiste des Bike Attacks. Langsam bessert sich das Wetter. Der untere Rand unserer White-out-Wolke markiert nun genau den Einstieg des Trails, der über gut sieben Kilometer nach Arosa hinunterführt. Ein wahrer Sahne-Trail! In konstant angenehmem Gefälle schlängelt er sich über die linke Flanke eines Moränentals. Ausgesetzte Passagen und knifflige Steinfelder gehen bald in einen Strauß von Highspeed-Trails über, die das Weidevieh in die Alm getrampelt hat. Nach dem türkis schimmernden Älplisee löst man mit einer kurzen Tragepassage die Eintrittskarte in den nächsten entspannt zu fahrenden Trail. Wir queren oberhalb des Talkessels nach Arosa hinüber und erreichen nach einem Gegenanstieg die Mittelstation der Weisshornbahn.

Satte 2000 Meter Höhenunterschied netto trennen den Gipfel des Weisshorns von der Kantonshauptstadt Chur, die unten im Rheintal auf uns wartet. 2000 Tiefenmeter voller Überraschungen, denn auf dieser Abfahrt ändert sich der Trail so oft wie die Landschaft. Manche Pfadabzweige sind nicht mal in der Karte verzeichnet. Weit bekannter ist da schon der Alpenbikepark am Brambüesch, dem Hausberg von Chur. Die fünf Lines mit je 1000 Metern Abfahrt sind offiziell Teil der Biketicket-2-Ride-Tour. Wir beschließen, sie für einen anderen Tag aufzuheben. Wieder zurück in Lenzerheide, ist unser Trail-Hunger für heute gestillt.

Tags drauf steht Enduro auf dem Plan. Da wir gestern mit der Farbe Schwarz gute Erfahrungen gemacht hatten, steht heute die Parade-Tour in dieser Disziplin über die Furcletta an. Das Rothorn zeigt sich heute vom Wetter her von seiner besten Seite. In der Seilbahn herrscht reger Betrieb. Als Halbschalenträger sind wir eindeutig in der Unterzahl. Die meisten Biker bewegen schweres Gerät und machen sich gepanzert über die Bike-Attack-Strecke her. Auch uns erwarten technisch anspruchsvolle Trails, doch die müssen wir mit nur wenigen anderen Bikern teilen. Die Einsamkeit auf dieser Tour ist wohl einer steilen Tragepassage geschuldet, die sich uns vor der Furcletta über 400 Höhenmeter hoch in den Weg stellt. Keine Kleinigkeit, doch für die knapp zehn Kilometer lange Trail-Abfahrt hinunter nach Arosa nimmt man das gerne in Kauf. Genauso wie den Wolkenbruch, der uns auf dem Rückweg am Urdenfürggli kalt erwischt. Nass, aber bester Laune führt uns die finale Abfahrt mit einem Abstecher durch den nun menschenleeren Bikepark zurück nach Lenzerheide. Zwei Touren sind eigentlich zu wenig für ein abschließendes Fazit. Doch in Lenzerheide, da sind wir uns einig, wissen sie, wie man Biker zufriedenstellt. Nämlich mit Hochgebirgspfaden, die man pflegt, ohne ihren Charakter zu verändern. Und alles erlaubt, dank Trail-Toleranz. Chapeau!

Ralf Glaser Ralf Glaser, BIKE Touren-Autor


Ralf Glaser, BIKE-Touren-Autor: "Rennen zu fahren, ist nicht meins. Aber mit dem Grischa Trail Ride haben sie hier ein Format, bei dem ich schwach werden könnte. Ein Enduro-Rennen, bei dem man sich die Stages per GPS selbst zusammenbastelt. Der Spirit dahinter ist genau mein Ding!"


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