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Zwei MTB-Touren rund um Sölden im Ötztal

Gewaltige Weite: die stille Seite von Sölden/Ötztal

Sissi Pärsch am 24.03.2016

In Sölden können Biker die ganze Bandbreite der Ötztaler Bergwelt erfahren. Hinauf an den Rand des Gletschers, hinunter auf Trails, hinüber in die ruhige Waldidylle. Zwei Top-Touren für Genießer.

Tour 1: Gletscherrunde

Länge 32 km / 1650 hm
Kondition ■ ■ ■ ■ 
Technik ■ ■ ■

Viele, aussichtsreiche Höhenmeter und viele Tiefenmeter auf weichen Wiesen- und steinigen Wald-Trails. Die große Tour hält einiges parat – schließlich umrundet sie auch die gesamte Bike Republic. Unsere Wege trennen sich am Parkplatz. Die einen stülpen Protektoren über, hieven ihre Boliden aus dem Auto und rollen hinüber zur Gaislachkoglbahn. Wir wirken geradezu exotisch in traditioneller Touren-Kluft und mit gut gefülltem Rucksack. Da stecken schon auch Knieschoner drin, aber bis die zum Einsatz kommen, geht es gut 1500 Höhenmeter bergan – und das OHNE Liftunterstützung!

Während die Kletterambitionen der anderen sich heute auf den Einstieg in die Gondel beschränken, haben wir einiges an Kurbel-Action vor uns. Von Sölden schweifen wir aus gen Südosten und schrauben uns bis an den Fuß des Gletschers auf 2663 Metern Höhe. Der zweite Teil der Tour führt dann hoch über Sölden weit in den Norden. Am Ende haben wir die gesamte Söldener Bike Republic umrundet, gut 1600 Höhenmeter in den Beinen, bei softem Flow gejauchzt, uns auf ruppigen Trails zur Konzentration ermahnt – und den ein oder anderen Einkehrschwung mitgenommen …

MTB-Tour Sölden_Gletschertour

Den Gletscher im Rücken. Die Höhenmeter in den Beinen. Was jetzt folgt: Sattel runter, Dämpfer auf und laufen lassen bis zur nächsten Einkehr, die da garantiert ums Eck lauert.

Zwei Locals führen mich auf dieser gewaltigen Gletscherrunde, und beide tragen den Namen Simon. Der eine mit Nachnamen Scheiber ist ehemaliger Bike-Profi, der andere mit Namen Gstrein führt ein Bike-Hotel. Simon & Simon. Während wir den Sölden-Trubel hinter uns lassen und bald ganz einsam durch den Wald Richtung Gaislachalm pedalieren, erinnere ich mich an eine namensgleiche TV-Serie mit einem ungleichen Brüderpaar. So unterschiedlich sind die zwei Ötztaler Simons aber nicht. Beide sind Ausdauertiere, und beide werfen sich mit sauberster Technik die trickreichsten Trails bergab. Ersteres wird mir schnell klar, als wir so bergan strampeln und sie mir die Bergwelt erklären. Von Zweitem kann ich mich beim ersten Trail-Zwischenspiel überzeugen, das uns sensationellen Spaß von der Mittelstation hinüber zur Gletscherstraße serviert – und leider zu schnell endet.

Stattdessen geht es auf Asphalt weiter. Wir wollen hinauf zum Eis. Den Gletscher stets im Blick, wird es langsam kühler. Als wir vor dem imposanten Eis stehen, zeigt der Höhenmesser 2663 Meter an. Doch der höchste Punkt der Tour folgt erst noch. Nach kurzer Bergabraserei und steilem Bergaufstich landen wir auf 2666 Metern an der Rotkogelhütte. Das war’s aber an Höhenmetern. Jetzt folgen nur mehr viele Tiefenmeter, da hilft Zusatzgewicht. Einkehrzeit!

Sölden_Leiteralm

Die Leiter Alm lädt auf der Gletscherrunde zum Einkehrschwung.

Zum Giggijoch geht es dann auf Schotterserpentinen bergab, bevor wir in Hochsölden endlich auf den Trail Nr. 7 abbiegen. Er ist gespickt mit technischen Passagen, bringt aber auch immer wieder Flow-Gefühle und spuckt uns schließlich an der Leiter Alm aus. Simon & Simon schwärmen von satter Hausmannskost und fluffigem Kaiserschmarrn. Hilft ja nix: Einkehrzeit!
Weiter bergab gen Sölden wird es dann nochmals variantenreich: verspielter Bergauf-Bergab-Slalom durch den Wald, ruppige Passagen, easy Flow: Es ist alles dabei. Wie es sich für die große Gletscherrunde gehört!

Tour 2: Links der Ache

Länge 8,5 km / 670 hm
Kondition
Technik ■ ■ ■

Die "Stille Seite" nennen die Söldener ihre Bergwelt links der Ache. Während man sich gegenüber gerne gondeln lässt, pedaliert der Biker hier in Ruhe durch die Bergwelt. Die Bike Republic Sölden hat zwei Seiten: eine befördernde und eine fordernde. Im westlichen Gletschergebiet lässt es sich bequem bergauf gondeln, im Osten muss man sich hingegen Aussicht und Abfahrt noch erarbeiten. Und ganz offensichtlich ist es so, dass die meisten Menschen keine Lust auf Arbeit im Urlaub haben. Denn auf der "Stillen Seite" des Tals wird es ganz ohne Liftanlagen schnell einsam. Anfangs tummeln sich noch einige Wanderer, doch die "verlaufen" sich in dem großen Wegenetz.

Es ist ein entspannter Aufstieg, vom Drumherum her, wie von der Steigung. Keine knackige Kletterei, keine saftigen Stiche: Die Serpentinen zwirbeln sich angenehm durch den Wald nach oben. Es ist ruhig, man hat Zeit, über die wichtigen Dinge des Lebens nachzudenken: Ist Daniel Craig wohl auf eine der Almen eingekehrt? Wenn ja, was hat er gegessen? In Sölden wurde nämlich ein Teil des James-Bond-Films "Spectre" gedreht. Und da Daniel Craig aus Versicherungsgründen Skifahrverbot hatte, ging er auf der Stillen Seite wandern. Wir reflektieren gerade darüber, ob nicht Fatbiken eine Option gewesen wäre, als schon die Kleble Alm vor uns auftaucht – und jegliche Bond-Fragen vertreibt.

Sölden Kleble Alm

Ob Marillenkuchen oder Kaiserschmarrn: Beim Stopp auf der Kleble Alm hat man eine große Auswahl, wie man die abgekurbelten Kalorien wieder aufnimmt.

Ungemein idyllisch liegt sie hier auf 2015 Metern Höhe am Hang und gewährt einen grandiosen Blick auf die Ötztaler Bergwelt. Der wohlportionierte Kaiserschmarrn duftet vom Nachbartisch herüber. Aber für uns soll es nur ein Marillenkuchen sein. Wir haben einen klaren Plan und der besagt: Platz im Magen lassen.
Wir haben uns nicht ganz sattgegessen und lange nicht sattgesehen, aber der Trail ruft. Wir rollen ein Stück zurück und fädeln ein auf den Pfad nach Sölden hinunter, der sich gleich als recht zapfig präsentiert. Direkt zum Auftakt grüßt uns ein Kollege, der sich den Staub vom Körper klopft. Es ist nicht Daniel Craig, sondern ein Holländer. "Alles okay", ruft er und winkt beruhigend ab. Zwei Teäre-Trail-Tage habe er hinter sich mit "soooo viel Flow!" Er breitet seine Arme weit aus und grinst. "Und hier plötzlich …", das Gesicht legt sich in Falten und zeigt auf die steinigen Stufen, die ihn überrascht haben. Der Natur-Trail auf der Stillen Seite, er ist durchaus verzwickt.

Uns fordert er genauso. Wir müssen uns ganz schön konzentrieren – auch um den Abzweig Richtung Stallwiesalm nicht zu verpassen. Die Küche dort, so wurde uns gesagt, ist absolutes Pflichtprogramm. Unsere Taktik geht auf (und wir mit ihr): Nach dem süßen Stopp an der Kleble Alm ordern wir zünftige Tiroler Kost.

Gut gefüllt begeben wir uns wieder zurück auf den Trail, der technisch trickreich bleibt: ein fliegender Wechsel zwischen softem Surfen und steilem Fels- und Wurzelwerk. Immer wieder kreuzen wir den Schotterweg und tauchen wieder in den Trail hinein. Unten angekommen sind wir platt, durchgerüttelt und voller Eindrücke und Tiroler Küche. Die Stille Seite ist alles andere als 08/15: entspannt und lecker mit einem Hauch von 007-Abenteuer.

Die GPS-Daten zu den beiden MTB-Touren rund um Sölden finden sie unten zum Herunterladen.

Sissi Pärsch am 24.03.2016
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