Österreich: Supertrail Nr. 76 – Muttenjoch-Trail im Verwall Österreich: Supertrail Nr. 76 – Muttenjoch-Trail im Verwall

Österreich: Supertrail Nr. 76 – Muttenjoch-Trail im Verwall

MTB-Supertrail Nr. 76: Muttenjoch-Trail bei Galltür

Stefan Becker am 31.12.2019

Im Dreieck Bludenz, Landeck und Galtür türmen sich die Dreitausender des Verwall-Gebirges. Und mittendrin: ein sagenhafter Panorama-Singletrail – der Muttenjoch-Trail.

Zwanzig Kilometer Aufstieg für etwa sechs Kilometer Abfahrt – das klingt erst mal nach einem schlechten Deal. Wenn da nicht diese Landschaft wäre: Der Muttenjoch-Trail liegt mitten im Herzen des Verwall. Eine Hochgebirgswelt aus Felsspitzen und Graten, verbunden durch Geröllhänge, so weit das Auge reicht. Quellwasser sprudelt hier direkt aus dem Fels, und in den glasklaren Seen spiegelt sich nur noch der Himmel. Eine martialische, mondartige Kulisse, in der sich so eine schmale Wegspur erst mal behaupten muss. Langweilig wird es auf dieser Runde um den 2890 Meter hohen Schrottenkopf also nicht. Weder bergauf, noch bergab.


Die GPS-Daten des Supertrails Nr. 76 – Muttenjoch-Trail – aus BIKE 8/2019 können Sie hier kostenlos herunterladen. 


Österreich: Supertrail Nr. 76 – Muttenjoch-Trail im Verwall

Die ersten sechs Kilometer zwischen Heilbronner- und Friedrichshafener Hütte dürfen Biker offiziell fahren. 


Startpunkt der Tour ist der Parkplatz kurz vor dem Örtchen Piel an der Paznaunstraße. Entlang der Rosanna führt die Route an Galtür vorbei bis nach Wirl, wo der Anstieg Richtung Zeinisjoch abzweigt. Bis zur Mauer des Kops-Stausees hinauf darf man sich noch bei angenehmer Steigung einrollen. Dann legen die anschließenden Schotterkehren einige Prozente zu, um die nächst höhere Geländestufe zu erreichen: das Hochtal mit der Verbellaalpe. Hier rollt es sich nun wieder gemütlich unterhalb des Valschavielkamms dahin. Linkerhand gurgelt der Verbellabach in seiner Kerbe, ein paar Fliegenfischer versuchen hier ihr Glück. Da türmt sich bald die nächste Geländestufe vor uns auf: der Stich zur Heilbronner Hütte. Der Weg ist betoniert, weil er so steil ist. Trotzdem werden hier viele Biker schieben müssen. Doch, wenn der Wind günstig steht, weht einem bei dieser Plackerei bereits der Duft von Zwetschgenstrudel um die Nase. Und die Einkehr auf der Hüttenterrasse lohnt sich, zumal der Anstieg noch lange nicht zu Ende ist.

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Die anschließenden 2,5 Kilometer nach Mathon sind Wanderern vorbehalten. 

Hinter dem Haus beginnt er nämlich, der Muttenjoch-Trail. Mit einer Schiebe- und Tragepassage zwar, aber sobald die Hütte aus dem Blickfeld verschwunden ist, darf man für zweieinhalb Kilometer wieder aufsitzen. Als steinige Sandspur führt der Trail nun leicht bergauf Richtung Jöchli-Grat. An kleinen Seen vorbei und durch Geröllwannen. Nur ein paar Wollgräser sprießen aus dieser Steinwüste. Kein Mensch weit und breit. Bis uns irgendwann doch ein Kristall­sucher begegnet. In breitem Vorarlbergerisch fragt er uns, ob wir auch ins Tal des Todes wollen? Ich würde es eher "Tal der Wüstenstille" nennen. Denn nach einer etwas ruppigen Bergab-Traverse stehen wir in dieser absoluten Ruhe. Aber es gibt doch Leben: Neben unseren Füßen quillt der Rosanna-Ursprung aus dem Boden. Am gegenüberliegenden, steilen Felshang zeichnen sich feine Spitzkehrenlinien ab. Da müssen wir noch hoch. Es sind die letzten 270 Höhenmeter zum Muttenjoch hinauf. Wieder buckeln wir unsere Bikes und stapfen durch eine großartige Felsszenerie, bis auf 2620 Metern Höhe der letzte Schritt gemacht ist.

Nun also der Lohn der Mühe: sechs Kilometer und 1200 Tiefenmeter Abfahrt nach Mathon hinunter. Die ersten Abfahrtsmeter ziehen fast flowig dahin, dann rumpeln schon die ersten hochalpinen Wacker im Fahrwerk. Kurze Verschnaufpause auf einem Wirtschaftsweg, der zur Friedrichshafener Hütte mit Badesee hinüberführt. Bis hierhin ist der Muttenjoch-Trail ausdrücklich für Biker erlaubt. Nach der Hütte hat dann jeder die Wahl: entweder 600 Tiefenmeter auf Schotterserpentinen ins Tal rauschen oder – Nicht-explizit-Erlaubtes wagen. In diesem Fall wählt man den Trail, der die Schotterserpentinen schneidet und kämpft sich mit Absätzen, Spitzkehren und fußballgroßem Geröll bis ins Tal.


Die Tour

25,9 km und 1300 hm – wer nach dem anstrengenden Aufstieg bergab nicht alles schieben will, sollte mit hochalpinen Stufen und Wackern umgehen können.

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Der Muttenjoch-Trail in der Karte


Stefan Becker – Der Mann hinter der Super­trail-Map. Der Tiroler ist am liebsten in einsamen Bergen unterwegs und liebt seine Heimat – trotz vieler Bike-Verbote. Sein Motto: "Alles nur halb so wild. Übers Reden kommen die Leut’ zamm!"

Stefan Becker

Stefan Becker: Der Mann hinter der Super­trail-Map. 


Diesen Artikel finden Sie in BIKE 8/2019. Die gesamte Digital-Ausgabe können Sie in der BIKE-App (iTunes und Google Play) lesen oder die Print-Ausgabe im DK-Shop nachbestellen – solange der Vorrat reicht:

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Stefan Becker am 31.12.2019