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Österreich: MTB Revier Guide Tiroler Zugspitz Arena

Zugspitz Arena: Klassiker und neue Trails für Biker

  • Sissi Pärsch
 • Publiziert vor 5 Jahren

Die Südseite unserer Zugspitze steht bereits in Tirol. Die Zugspitz Arena um Ehrwald, Biberwier und Lermoos hat für Biker einige neue Wege und Touren zu bieten. Hier die GPS-Daten zu den BIKE-Touren.

"Ich mag’s am liebsten richtig steil und richtig technisch", meint Guide Elgar und blickt freudig bergauf. "Ah so", sage ich und blicke weniger freudig auf meine Plus-Bereifung. Doch meine Rampenangst entpuppt sich als völlig unbegründet. Die Steigung hinauf zur Grubigalm ist harmlos und tritt sich wunderbar rund durch den Wald oberhalb von Lermoos. Nicht mal das kleinste Stichlein stellt sich uns in den Weg. Elgar mag einem fast schon Leid tun. Aber das war ja erst der Auftakt.


Die GPS-Daten zu den besten MTB-Touren in der Tiroler Zugspitz Arena finden Sie unten im Download-Bereich:


1. Blindsee & Barbarasteig: 31,8 Kilometer / 1486 Höhenmeter / 4:30 Stunden


2. Hochalmrunde:  31,2 Kilometer / 1035 Höhenmeter / 3 Stunden


3. Tuftlalm: 8,7 Kilometer / 526 Höhenmeter / 1:30 Stunden (leider inzw. gesperrt)

Hans-Martin Kudlinsky Ein Rätsel, warum dieses blaue Auge den Namen Blindsee trägt.


Wir befinden uns südseitig der Zugspitze in der sogenannten Tiroler Zugspitz Arena, ein Verbund von sieben österreichischen Orten am Fuß des wuchtigen Wettersteins. Das Massiv mit Deutschlands höchstem Berg dominiert mit seiner schroffen Art die Region und rückt sich stets beharrlich ins Bild, egal, wo man sich gerade befindet. So auch auf unserer Runde um die "Arena West". Wir pedalieren über die Grubigalm zum berühmten Blindsee-Trail, der über eine Felsflanke hinunterführt zum berühmten Bergsee, dem strahlend blauen Wunder am Fernpass. Von dort geht es weiter Richtung Biberwier, um den frisch eingeweihten Barbarasteig am Marienberg zu testen. "Und zum Abschluss noch mal ein lässiges Bergauf-Bergab zurück nach Lermoos", versichert uns Elgar mit vorfreudigem Grinsen. "Die Tour ist einfach perfekt. Du verschenkst keinen Abfahrtsmeter auf Asphalt oder Schotter. Du hast nur Trails. Schöne, technische Trails." Ah, da freut sich der Techniker.

Dass er sein Bike beherrscht, wird schon zum Auftakt auf dem flowigen Blindsee-Trail klar. Elgar spielt. Sein Vorderrad kickt kleine Steinchen vom Trail, sein Hinterrad setzt Spitzkehren in den knackigen Kurven – bergauf. Das Einrollen macht schon einmal richtig Laune. Ich bin gespannt auf die Trail-Legende. Der Schwierigkeitsgrad dieser Abfahrt wird heiß diskutiert. Die einen sprechen von purem Flow, die anderen von purer Angst. Während wir am endgültigen Trail-Einstieg unsere Schoner anlegen, versucht Elgar den Trail-Charakter zu beschreiben. "Also flowig ist er sicher nicht", schüttelt er den Kopf. Wie bestellt rollt ein gut gepanzerter Integralhelm-Trupp an uns vorbei. Ah! "Ja, er hat seine fordernden Abschnitte, ist aber durchaus größtenteils fahrbar, wirst schon sehen", meint Elgar beschwichtigend. Und just holpert unsicher ein Vater-Sohn-Gespann vor uns in die Abfahrt. Räder Marke Discounter. Am Lenker des Vaters wackelt ein Autonavigationsgerät, fixiert mit Gummibändern. Elgar verstummt. Das Publikum zeigt sich schon einmal vielfältig. Und die Strecke? Ist ein kontrastreicher Natur-Trail par excellence! Manchmal richtig ruppig, manchmal fantastisch flowig. Es geht über breite Felsstufen und durch verzwickt enge Passagen. Doch wirklich gemein ist nur das lose Geröll, durch das man am besten nur mit dosiert gezogener Hinterradbremse pflügt. Am kleinen Wasserfall warnt ein Hinweisschild vor dem abschüssigen Gelände. Es steht hier ganz frisch, denn der Blindsee-Trail ist zwar legendär – aber legal ist er erst seit diesem Jahr.

Trail-Einschätzung hin oder her, wir sind nicht nur zum Fahren da. Ich will schauen. Schon allein wegen der Aussicht kann man die sieben Kilometer nicht einfach so durchfahren. Es wäre eine Sünde. Dabei geht es ausnahmsweise nicht um das Bergspektakel rundherum, sondern um die Perle im Tal. Der Blindsee greift sich das Auge und lässt es nicht mehr los. Er leuchtet mit einer unwirklichen Strahlkraft herauf. Ein Südseeblau südseitig der Zugspitze. Zur Weiterfahrt bringt mich Elgar erst mit dem Hinweis, dass wir ja gleich direkt an seinem Ufer landen werden und der See auch bei näherer Betrachtung eine Schönheit bleibt.

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Die Südseite unserer Zugspitze steht bereits in Tirol. Die Zugspitz Arena um Ehrwald, Biberwier und Lermoos hat für Biker einige neue Wege und Touren zu bieten. Hier die GPS-Daten zu den BIKE-Touren.

Tatsächlich stranden wir bald direkt am Seeufer, und der eben noch steile Trail geht passenderweise in lässige Wellen über. Viel los ist auf der rechten Seite nicht, dafür gibt es zahlreiche schöne Platzerl. Runter mit den Protektoren, Schuhen, Socken und rein ins Blindseeblau. Wir blicken hoch in die Felswand, wo man teilweise den Trail-Verlauf erkennt. Ich will wissen, wie oft Elgar ihn bereits gefahren ist. "Keine Ahnung", schnauft er aus. "Tausende Male." Das sind aber viele illegale Fahrten … "Gesagt hat zuvor kein Mensch etwas", schüttelt Elgar den Kopf. "Wir hatten hier auch schon immer ein gutes Verhältnis zu den Wanderern. Die haben wir über die Jahrzehnte gut erzogen." Elgar ist 36 und seit elf Jahren Bikeguide. "Mountainbiken tu ich seit ich denken kann. Ganz früher schon sind wir halt mit dem, was wir hatten, die Berge hochgeradelt. Anfangs waren das natürlich irgendwelche StVO-kompatiblen Straßenräder. Bis dann immer mehr von den Rädern abgeflogen ist: Schutzbleche, Licht, Ständer – und am Ende waren es eben Mountainbikes. Na ja, eine Art zumindest."

Als wir schließlich weitertreten, stoßen wir auf die Fernpass-Straße. Nach unserem paradiesischen Plantschen gerade eben wirkt die Blechlawine, die sich hier gen Tal walzt, ein wenig surreal. Also schnell drüber über das Asphaltband und wieder in den Wald abtauchen. Es geht Richtung Biberwier, wo die Welt wieder in Ordnung ist. In Biberwier ist das Leben ein Ponyhof. Zumindest grasen an jeder Ecke Pferde, eines kurzbeiniger als das andere. Und auch bei den Menschen scheinen die Kleinen Oberhand zu haben. Das Skigebiet Marienberg ist sehr überschaubar, und entsprechend familiär geruhsam geht es hier zu. Wir treten die Schotterstraße hinauf, die die offenen Hänge zum Barbarasteig hochzackt. Natürlich hätten wir sowohl hier wie drüben in Lermoos den Lift nehmen können. Aber wir wollten eine epische Tour – inklusive Schweiß. Und so lassen wir ihn fließen, während der ein oder andere Biker über unseren Köpfen im Sessellift seine Beine baumeln lässt.


Barbarasteig und Blindsee-Trail werden in der Zugspitz Arena schon seit vielen Jahren von Bikern gefahren. Laut Tiroler Wegerecht war das natürlich illegal. Jetzt hat man die Trails offiziell freigegeben und für Wanderer Alternativen gesucht. Schön, wenn es auch mal andersrum läuft.

Gar nicht lange her, da war der Barbarasteig noch ein traditioneller Wanderweg. Heute ist er als Bike-Trail ausgeschildert. Wanderer gibt es zwar noch, "aber die meisten gehen auf einem neuen Pfad weiter hinten im Wald. Eigentlich sollten wir Biker einen separaten Weg bekommen, aber wir fanden den Steig immer schon super, und so kam es zu dieser Lösung." Die Barbara beginnt hübsch – zeigt aber ums erste Eck gleich ihre derbe Seite und lässt mich an der fiesen Rampe einer Schottermoräne absteigen. Dann folgt ein schier endloser Slalom-Parcours. Die kurvige Barbara von Biberwier! Über 1,7 Kilometer zirkeln wir durch den Wald, schießen über Wiesen-Trails und rütteln über Wurzelwerk. Auf dem Weg zurück nach Lermoos bleibt das Grinsen fest im Gesicht zementiert. Das liegt auch an dem anschließenden, entspannten Wachtersteig, der noch einmal einen überraschend feinen Abschluss bringt.

Auf den Tret-Tag, so hatten wir beschlossen, soll ein Shuttle-Tag folgen, um die neuen Trails am Grubigstein zu erkunden. Und so führt uns dieses Mal die Gondel in die Gipfelregion. Oben angekommen riecht es nach … ah, an der Grubighütte wird gerade der Grill angeschmissen. Es ist 9 Uhr morgens. Elgar zuckt die Achseln. Von einem deftigen Frühschoppen weiß er nichts. Allerdings gibt es hier auf 2050 Metern Höhe im Sommer alle 14 Tage Grillabende. Und da laufen die Lifte länger? "Ja, bis 22 Uhr", grinst Elgar. Hm. Biken bis zum abendlichen Einkehrschwung … Hm!

Wir rollen ein Stück ins Abseits, um in Ruhe die Bergwelt zu betrachten. Jetzt sprudelt der sonst eher stille Elgar richtig los und zeichnet zig Ski- und Bike-Touren ins Panorama. Kaum ein Berg, den er (sommers wie winters) noch nicht befahren hat. "Das muss man schon sagen: Wir haben es hier verdammt variantenreich. Egal, wo du hinschaust, gibt es feinstes Touren-Material in alle Himmelsrichtungen. Und du kannst die Lifte nehmen oder selbst strampeln." Nach einer kurzen Pause sagt er mehr zu sich selbst: "Und ich strample lieber."

Hans-Martin Kudlinsky Den Grubigstein im Rücken, die frischesten Trails unter den Reifen. Die Lermooser haben nicht nur den Blindsee-Trail legalisiert, sondern im Liftgebiet auch neue Trails angelegt.

Den Trail-Auftakt macht der Grubigalm-Trail direkt von der Gipfelstation. Wir rasen sehr schnell sehr steil über offene Wiesenhänge bergab. Auf den Diretissima-Rausch folgen kurze Kurven und wunderschöne Waldpassagen. Wir landen direkt am Blindsee-Trail-Einstieg, rollen aber ein Stück weiter zum neu erbauten "Freeride 2". Sein großer Bruder, der von der Mittelstation ins Tal führt, ist schon ein paar Jahre älter und durchaus knackig. Der neue 2er zeigt sich deutlich entspannter mit idyllischen Abschnitten, verspielten Anliegern und Pumptrack-Wellen durch den Wald. Am meisten fordert hier das dosierte Fahren auf dem schottrigen Untergrund. Erst der letzte Abschnitt wird zur Zirkelaufgabe, doch für Elgar kein Problem. Mit filigraner Eleganz setzt er auch hier seine Spitzkehren.

Timing ist bekannterweise alles. Und selbstverständlich gilt das auch beim Biken. Entsprechend geschickt haben wir die Testfahrt der neuen Skigasse auf die Mittagszeit gelegt. Der kurze Trail ist eigentlich ein kulinarischer Zubringer hinüber zur Wolfratshauser Hütte. "Selbst die Einheimischen pilgern zu Werner", hatte Elgar uns das Essen auf 1751 Metern schon am Morgen schmackhaft gemacht. "Er kocht sensationell, und du blickst direkt auf den Zugspitzstock." Elgar ist schon so ein Rechthaber: Aussichtsreicher und besser kann man in der Arena wohl kaum essen. Seit 28 Jahren serviert Werner seine Top-Küche vor Top-Kulisse. Das Fleisch stammt aus eigener Produktion, die Zutaten aus der Region. Fast alle. Ein paar exotischere Gerichte will sich der weißhaarige und -bärtige Wirt nicht nehmen lassen. Und so probiert Elgar den ersten Couscous seines Lebens auf einer DAV-Hütte in den Lechtaler Alpen. Wo sonst?!

"Jetzt schaut’s euch aber das noch an", sagt Werner und präsentiert uns stolz seine neue Spezialanfertigung, einen Gar-Grill "wie ihn die Urvölker von Afrika bis Australien auch haben." Oben lodert das Feuer, ganz unten liegt das Fleisch – und gart dort über Stunden. "Jeden Sonntagabend mach ich den Grill an." Aber heute ist Dienstag. Wir versuchen, Werner zu überreden, einen Zusatzabend einzuschieben. Der lacht nur und schüttelt den Kopf. Als guter Guide kann mich Elgar aber ein wenig besänftigen: "Heute ist Bike-Abend auf der Sunnalp drüben an den Marienberg-Liften. Die laufen bis 21:30 Uhr."

Und so finden wir uns am späten Nachmittag wieder in Biberwier ein. An diesem Tiefenmeter-Tag lassen wir heute die Beine bergan baumeln. Viel ist allerdings nicht los auf der Sunnalp. Bike-Abende sind offensichtlich noch weit entfernt von der Popularität der Skitouren-Abende. Ich blicke mich um: Die Handschuhspitzen und den Hochwanning haben wir im Rücken, den Wamperten Schrofen zur Rechten und das Zugspitzmassiv direkt vor der Nase. Elgar deutet auf einen kleinen Hügel. "Machen wir es uns da schön?" Ja, Elgar, das mit dem Schönmachen fällt einem hier generell nicht schwer.


Sissi Pärsch, BIKE-Touren-Autorin, war schon oft in der Tiroler Zugspitz Arena unterwegs:
"Gefühlt habe ich in der Zugspitz Arena alles getestet: alte Klassiker, junge Trails, zig Anstiege, Aufstiegshilfen und Einkehrschwünge. Und – nach einem kleinen Ausrutscher, der tiefe Wunden hinterließ – die ausgezeichnete fachliche Kompetenz von Frau Dr. Steiner in Lermoos."

Wolfgang Watzke Sissi Pärsch, BIKE-Testerin und -Autorin


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