Fast wie Dolomiten: der Seejöchl Supertrail Fast wie Dolomiten: der Seejöchl Supertrail Fast wie Dolomiten: der Seejöchl Supertrail

Kalkkögel (Österreich): Seejöchl Mountainbike-Trail

Fast wie Dolomiten: der Seejöchl Supertrail

  • Ludi Scholz
 • Publiziert vor 6 Jahren

Kurbelt man von Grinzens durchs Senderstal hinauf, steht man plötzlich direkt vor einer Dolomiten-Wand. Zumindest sieht die Zahnreihe der Kalkkögel so aus. Mit Bike-Bergsteigerin Ludi Scholz auf Tour.

Wird man spontan nach seinem Lieblings-Trail gefragt, flitzt der Strom im Kopf bis in die hintersten Gehirnwindungen. Es gibt ja so viele, schöne Trails, wie soll man sich da entscheiden? Irgendwann lichtet sich der Gedankennebel, das Bild wird klarer, und dann bleibt genau ein echter Supertrail vor meinem inneren Auge stehen: der Seejöchl-Trail in den Stubaier Alpen.

Ich bin selbst überrascht, dass mir genau diese Tour einfällt. Es ist nämlich locker zehn Jahre her, dass ich den Trail gefahren bin, und danach habe ich noch unzählige Bilderbuchpfade erlebt. Wie beeindruckend muss also die Abfahrt ins Stubaital hinunter gewesen sein, wenn sie sich so dermaßen in mein Gedächtnis gebrannt hat? Zusammen mit meinem besten Freund mache ich mich auf zu einem Revival-Trip.

Österreich: Seejöchl Supertrail

11 Bilder

Kurbelt man von Grinzens durchs Senderstal hinauf, steht man plötzlich direkt vor einer Dolomiten-Wand. Zumindest sieht die Zahn- reihe der Kalkkögel so aus. Die Bikebergsteigerin Ludi Scholz aus Innsbruck kennt einen Trail, der sich auch nach Dolomiten anfühlt.

Wir starten in Pafnitz bei Axams, auf etwa 900 Metern Höhe. Von dort kurvt die Route durch Felderlandschaft bis zu einer Schotterrampe. Da müssen wir hoch. Ich weiß noch, wie ich mich hier vor zehn Jahren abgemüht habe – mit meinem 17 Kilo schweren Trail-Bike samt Panzerjacke und Vollvisierhelm. Heute kurbelt es sich ganz zügig rauf, und am Eingang des Senders­tales gibt die Steigung ohnehin schon wieder nach. Eine gute Stunde folgen wir dem Sendersbach bergauf. Dann lichtet sich der Fichtenwald endlich – und da stehen sie: die Kalkkögel. Fünfzehn spitze Felszähne, aufgestellt in Reih und Glied. Rein optisch könnte man sie mit den Geislerspitzen verwechseln, was ihnen bereits den Titel "Nordtiroler Dolomiten" einbrachte. Weiter geht’s: Hinter der Kemater Alm führt die Schotterstraße gefühlt senkrecht zur Adolf-Pichler-Hütte hinauf. Diese 330 Höhenmeter tun auch mit heutiger Ausrüstung richtig weh, und ich habe keine Ahnung, wie ich das damals tretenderweise geschafft habe. Endlich an der Hütte, auf 1977 Metern Höhe angelangt, weiß ich nur, dass ich jetzt sofort eine Speckknödelsuppe brauche …

Paul Masukowitz Im Hochgebirge gehören Tragepassagen dazu. Vor zehn Jahren wuchtete Ludi hier noch ein 17-Kilo-Bike hoch

Nach der Stärkung beginnt der landschaftlich besonders schöne Teil der Tour: Direkt unterhalb der bizarren Felstürme geben sich Fahr- und Schiebepassagen munter die Hand. Bis man irgendwann darauf kommt, dass es am sinnvollsten ist, das Bike einfach zu tragen. So behält man auch den höchsten Punkt der Tour im Blick: das Seejöchl, die Kerbe zwischen Schlicker Seespitz und Gamskogl. Der Übergang liegt auf 2518 Metern Höhe, und dort hinauf führt eine ausgesprochen mühsam aussehende Schotterreißn-Querung. Irgendwann haben wir auch diese Stufe geschafft, werfen das Bike von den Schultern und werden mit einer gewaltigen Aussicht über das Stubaital, auf den Habicht und den Hohen Freiger belohnt.

Und dann geht’s endlich los. Knieschoner an und hinein ins Fahrvergnügen! Der schmale, schottrige Weg verleitet sofort zum spielerischen Fahren. Ein paar kleine Bodenwellen heizen das Vergnügen noch an – dann türmt sich vor uns wieder ein kurzes Tragestück zum nächsten Joch hinauf. Dort oben angekommen, geht es weniger spielerisch weiter. Es warten ein paar wirklich knackige, bröselige Stellen, die absolut keinen Fahrfehler erlauben. Zwar ist die Abfahrt insgesamt relativ leicht, aber wenn es technisch und gefährlich wird, dann eben gleich richtig.

Infochart Der Seejöchl-Trail beginnt in Pafnitz bei Axams auf etwa 900 Meter.

Nach dem Gebrösel und einigen extrem engen, steilen Spitzkehren gelangt man sofort wieder in flowigen Fahrspaß. Die Kehren bleiben zwar spitz, sind jetzt aber adrenalinfrei fahrbar. In der Starkenburger Hütte genehmigen wir uns noch einen Kaffee bei glasklarer Aussicht auf die Serles, bevor wir die Fahrt fortsetzen. Auf das lose Gestein folgt bald Waldboden, die relativ steilen Spitzkehren begleiten uns aber weiter. Latschenwurzeln gilt es jetzt wegzufedern. Eine gefühlte Ewigkeit fliegen wir an goldgelb gefärbten Lärchen vorbei, bis wir auf die Teerstraße treffen. Auf ihr rollen wir die letzten Höhenmeter ins Tal hinunter. Zum glücklichen Touren-Tag in der Heimat fehlt jetzt nur noch eins: das verdiente Bier im kleinen Krämerladen im Dorf. So, jetzt weiß ich wieder, warum dieser Trail damals so einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat.

Paul Masukowitz Profil: Ludi Scholz (34), Freeriderin aus Innsbruck. Fährt Bike seit 2002; Fahrertyp Enduro. Als Ludi 2010 ihren Laborkittel an den Nagel hängte und sich komplett dem Bike-Sport widmete, konnte sie mit der Männerabteilung der Innsbrucker Vertrider bereits locker mithalten. Im hochalpinen Gelände fühlt sie sich nach wie vor am wohlsten. Als Guide, Fahrtechniktrainerin und Ausbilderin des österreichischen Alpenvereins, gibt sie ihre Erfahrungen gerne weiter.


Diesen Artikel bzw. die gesamte Ausgabe BIKE 2/2015 können Sie in der BIKE-App (iTunes und Google Play) lesen oder die Ausgabe im DK-Shop nachbestellen – das PDF finden SIe unten als Download:


Lesen im Apple App Store
Lesen im Google Play Store
Bestellen im DK-Shop

Themen: KalkkögelLudi ScholzÖsterreichSeejöchlSupertrail

  • 0,99 €
    Österreich: Seejöchl Supertrail

Lesen Sie das BIKE Magazin. Einfach digital in der BIKE-App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag
Anzeige
  • Lieblingstrails von Steffi Marth
    Diese 5 Trails musst Du fahren!

    06.06.2021Das Leben ist zu kurz, um die Zeit mit Gurken-Trails zu verdaddeln. Tippgeber dieses Mal: Weltenbummlerin und Freeride-Pro Steffi Marth.

  • Bike-Revier Zillertal in Österreich
    Zillertal: Die wichtigsten Infos für Mountainbiker

    25.04.2016Wenn im Sommer nur auf dem Gletscher Schnee liegt, eröffnen sich für Mountainbiker traumhafte Aussichten. Die wichtigsten Infos und die besten Adressen für Ihren Bike-Urlaub in ...

  • Zwei Tage MTB-Tour Zillertal & Brenner-Trails
    Hütten-Touren Österreich: Brenner-Trails

    26.09.2005Im Winter sind die Zillertaler Berge eine einzige Skiarena. Doch im Sommer haben Biker die Pfade über die Hochalmen für sich allein. Eine MTB-Hüttentour mitten im Alpenhauptkamm.

  • Tirol: drei Top-Biketouren in Imst-Gurgltal

    25.06.2009Imst liegt im Tiroler Oberinntal. Von hier verzweigen sich die schönsten Touren-Täler in alle Himmelsrichtungen. Die drei spannendsten Runden für Mountainbiker: Tegestal, ...

  • Advertorial: Bikezeit | SalzburgerLand 2019
    Auf den Spuren der Weltmeister

    15.04.2019Weltmeister haben die Regionen Saalbach Hinterglemm und Saalfelden Leogang schon genug gesehen. Immerhin kommen jedes Jahr die besten Mountainbiker in den Pinzgau, um die Trails ...

  • Drei Blumen MTB Trail in St. Moritz
    Schweiz: 3 Blumen Supertrail

    20.03.2009Der Schweizer Downhill-Star Claudio Caluori lebt mitten im Trail-Paradies von St. Moritz. Anstiege sind Ehrensache, denn die Trails der Trais Fluors belohnen die Mühe mit ...

  • Advertorial: Bikezeit | SalzburgerLand 2019
    Trails unter Strom

    15.04.2019Der Trend zum Mountainbiken hat sich in den letzten Jahren mit Hilfe des E-Bike-Booms fortgesetzt. Ein Ende ist nicht in Sicht, und auch im SalzburgerLand setzen immer mehr ...

  • Advertorial: Bikezeit | Salzburgerland 2018
    "Eine der attraktivsten Biker-Regionen Europas"

    26.04.2018Mit einem umfangreichen Mountainbike-Wegenetz, Top-Bikeparks, grandiosen Mehrtagestouren und Veranstaltungen mit internationalem Flair buhlt das Salzburgerland um Mountainbiker ...

  • Österreich: Nauders

    11.09.2008Sanfte Schmugglerpfade über die Grenzen, Lifttransporte, freundliche Unterkünfte, keine Verbote und Ortler-Panorama – all das macht den Ort am Reschenpass zu einem Top-Revier: