Supertrail: Pump-Trail in Livigno

Italien: Pump-Supertrail

  • Laurin Lehner
 • Publiziert vor 10 Jahren

Livigno liegt genau am Alpenhauptkamm. Klar, dass man hier die längsten Trails findet. So, wie am Valle delle Mine. Hier lässt sich auf dem Pump-Trail jede Kurve, jede Mulde persönlich gestalten.

Alle guten Dinge sind vier. Zumindest in Livigno. Erstens: Man kann günstig tanken. Zweitens: Im Bikepark gibt’s ein Luftkissen für gefahrlose Sprungeinlagen. Drittens: Hier soll es den besten Cappuccino Italiens geben. Und viertens: An Livignos Berghängen schlängelt sich der Supertrail Valle delle Mine entlang.

Ein Schluck vom Bergbrunnen reicht und schon geht’s Dir wie diesen drei Typen.

Von München aus erreicht man Livigno in gut vier Stunden – wenn man zügig durchkommt. Selbst für Auto-Muffel ist das noch zu verkraften. Dann endlich: Alpensüdseite. Das heißt Sonnenseite. Livigno liegt, von Bergen umrahmt, auf 1816 Meter – wie eine Felsenfestung – nur durch eine einspurige Tunnelstraße mit dem Rest der Welt verbunden. Die Alternative heißt: über nervenaufreibende Pass-Straßen kurven. Wer so abgeschieden lebt, braucht Hilfe, entschied der sonst wenig warmherzige Napoleon und erklärte Livigno 1805 zur zollfreien Zone. Das hat sich bis heute nicht geändert, obwohl der Alpenort mittlerweile zu den Top-Destinationen für Skiurlauber und Wanderer zählt. Die Steuervorteile locken zusätzlich Besucher in Massen an. Die Einen zieht es in die Berge, die Anderen in Boutiquen und Shops.

Spaßig: ja. Flowig: auch, ja – doch das Waldstück am Ende des Valle delle Mine toppt den Flow-Country-Trail.

Doch raus aus dem Rummel und rauf auf den Trail. Ich bin nicht alleine. Mit unterwegs: Freeride-Profi Bobby “Lets drink another Cappuccino?” Root, Stephan “woaißt scho” Kappl und Fotograf Franz “lieber noch mal” Faltermaier. Mit der Mottolino-Bahn gondeln wir hinauf auf 2402 Meter. Da der Trail nicht beschrieben ist und die Schilder, wenn überhaupt vorhanden, sich in alle Himmelsrichtungen drehen lassen, kommt man ganz ohne Beschreibung nicht aus. Also aufpassen: Wir kurbeln die Schotterstraße (wenn man aus der Gondel kommt rechts) bergauf, halten uns bei der ersten Abzweigung rechts und bei der zweiten links. Kurz darauf stehen wir vor dem Einstieg des Valle delle Mine. Vom Namensschild “Flow Country” darf man sich nicht verwirren lassen. Hier haben Hans Rey und Diddie Schneider den ersten Trail-Abschnitt präpariert und Flow-Country-Trail getauft. Kleine Sprünge reihen sich an Anlieger und Kamelhügel – eine fünfminütige Naturachterbahn, die ihrem Namen tatsächlich alle Ehre macht. Während wir Normalsterbliche unsere Räder lieber am Boden lassen, reißt Bobby sein Bike aufs Hinterrad und surft im Manual über die Hügel und feuert sich bei kleinsten Absprüngen hoch in die Luft.

Nach dem Flow-Country-Trail geht's erst richtig los

Der Flow-Country-Trail endet auf einer Schotterstraße, der wir weiter folgen. Bei der nächsten Abzweigung biegen wir links ab und rechts in den Trail (den oberen nehmen!). Jetzt surfen wir den Berghang entlang, Postkarten-Panorama inklusive. Von hier oben sieht man erst, wie abgeschieden Livigno in den Bergen liegt.

Handtuchbreit und geschwungen wellt der Trail vor unseren Reifen. Wer’s kann, drückt sich über kleine Kanten und verdreht den Lenker. Wer’s nicht kann, beschränkt sich darauf, die Ideallinie zu treffen, statt den Hang hinunterzukugeln. Wasserläufe durchqueren wir im Vollgas-Modus, dass der Schmodder nur so fliegt und überwinden kurze Gegenanstiege im Sprint – ganz nach dem Motto: Speed ist alles! Schon wieder endet der Trail auf einem Schotterweg. Hier fahren wir links den Anstieg hinauf (ca. zehn Minuten) auf die andere Seite des Bachs. Jetzt kommt meine Lieblings-Passage. Dieser Trail-Abschnitt hätte auch das Flow-Country-Siegel von Diddie Schneider verdient. Durch geschicktes Andrücken der Gabel pumpen wir uns den Hang entlang, ohne zu treten – wie auf einem Pumptrack. Kurven, kleine Sprünge und viel Speed ergeben die perfekten Zutaten für Glücksgefühle.

Die Karten-Grafik zum Pump-Trail in Livigno.

Franz macht mit seiner schweren Kameratasche das Schlusslicht, Stephan klebt mir am Hinterrad, und ich öffne die Bremsen, um die Kameraden auf Abstand zu halten. Auch Bobby beschleunigt. Man sieht ihn nur noch als bunten Punkt zwischen den Bäumen aufblitzen, bis er dann endgültig verschwindet. Die Sonne durchflutet den Wald und lässt die Staubwolken des Vordermanns aufleuchten. Man sieht sofort: Wo’s staubt, wird gebremst – Vorsicht also. Stephans Vorderrad kommt erschreckend nahe – soll er ruhig Druck machen. Der Trail bietet hier eh keine Chance zum Überholen. Die Augen fokussieren den Trail und melden Kurven, Mulden und Richtungswechsel blitzschnell ans Gehirn. Dann ist die Gaudi auf einmal vorbei. Der Supertrail spuckt uns vor Glück juchzend unten im Tal aus. Bobby treffen wir erst in der Cafeteria wieder – beim Cappuccino natürlich.


Die genaue Beschreibung zum Pump-Supertrail in Livigno können Sie unten als PDF herunterladen.

Themen: ItalienLivignoPump-TrailSupertrail

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