Mountainbike Trails Monte Baldo Ostflanke Mountainbike Trails Monte Baldo Ostflanke

MTB-Trails Monte Baldo (Gardasee)

Militär-Trails am Monte Baldo

Marco Toniolo am 30.04.2008

An der Ostflanke des Monte Baldo am Gardasee war man auf den Krieg vorbereitet – es kam nicht mehr dazu. Heute sind die Militärstraßen über dem Etschtal ein stiller Traum für Mountainbiker.

Ich taste mich mit vorsichtigen Schritten nach vorne, lehne mich über den Abgrund – der Blick in die Tiefe wirkt fast berauschend. Der Lärm der Autobahn, 1500 Meter unter uns, wird lauter. Nach Süden reicht die Aussicht bis zum Apennin, nach Norden bis in die Dolomiten. Der Ort ist perfekt gewählt für die alte Kanonenstellung, die die Italiener schon lange vor dem Ersten Weltkrieg hier in den Berg geschlagen haben. Von hier aus konnten sie genau überblicken, wer das enge Etschtal passieren wollte. Und wäre mit dem Pasubio die letzte Bastion vor der Poebene gefallen, hätten die Österreicher auf dem Weg nach Verona hier noch einmal richtig Probleme bekommen. Wir befinden uns auf der Ostseite des Monte Baldos, dem Wahrzeichen des Gardasees. Die meisten Mountainbiker kennen nur die Seeseite des Riesen. Seine Ost-Flanke wirkt auf uns wie ein anderer Planet: grüne Hänge, keine Biker, keine Touristen-Orte. Einsame Militärpisten wickeln sich hier die steilen Hänge hinauf. "Corno della Paura" (Horn
der Angst) heißt die Tour im Moser-Guide, die mich neugierig machte. Sie startet mit der Seilbahn von Malcesine auf den Gipfel des Monte Baldo, dreht eine Runde über die Ostflanken des Baldo und schließt den Kreis zum Ende wieder am See.

Wir aber haben eine andere Route im Visier: Von der Kanonenstellung aus können wir einen Pfad erkennen, der sich in einem weitläufigen Zickzack in eine abschüssige Wiese ritzt. Die Karte kennt diesen Weg auch: Er endet in Avio. Doch ob der Weg auch tatsächlich fahrbar ist, kann uns leider niemand sagen. Fest steht, dass seine Linie an einen typischen Militärpfad erinnert. Wahrscheinlich eine Abkürzung zwischen Tal und Corno della Paura, für Soldaten, die ohne Mulis und mit schweren Waffen schnell zum Aussichtspunkt mussten.

Monte Baldo Bike-Trails Tour

Die Abfahrt ist lang: Manchmal zackt sich der Weg so flach den Berg hinunter, dass man das Gefühl hat, kaum an Höhe zu verlieren.

Das Problem dieses Trails ist, dass man ihn vom Gardasee aus nur sehr schwer erreichen kann. Man müsste ihn schon an die klassische Moser-Tour dranhängen und das würde bedeuten: 1 800 plus 1 500 Höhenmeter extra für diesen Trail. Das ist uns für eine Tagestour eindeutig zu viel. Also nehmen wir die Brennerautobahn ins untere Etschtal und passieren die Orte Avio und Ala mit dem Auto. Man kennt diese Orte sonst nur von den Autobahn-Schildern. Heute nehmen wir diese Ausfahrt tatsächlich zum ersten Mal. Es sind vergessene Dörfer mit echtem italienischen Flair und Geschichte. Denn diese Orte, südlich der Frontlinie, waren im Krieg strategisch wichtige Punkte für den Nachschub von Soldaten, Munition und Verpflegung. Die Kasernen, Brunnen und Straßen zeugen bis heute davon. Man war darauf gefasst, dass der Feind eventuell bis hierher durchdringen könnte, doch die Front am Pasubio hielt bis zum Kriegsende stand und so ist die defensive Linie in diesen Bergen bis heute gut erhalten. Für Mountainbiker bedeutet das: ein weitläufiges Netz aus einsamen Militärstraßen und -Trails. Ein unentdecktes Biker-Paradies.

Die Auffahrt von Avio nach San Valentino ist der Schlüssel zum Paradies: die Trails auf der Westseite des Etschtales. Asphaltiert windet sich diese Militärstraße in unzähligen Kehren eine imposante Schlucht hinauf. Sie scheint im Krieg die Hauptschlagader für den Waffentransport gewesen zu sein. Sie ist nie besonders steil und flacht unterwegs immer wieder ab. Die bepackten Mulis sollten hier beim Kanonen-Transport zum Corno della Paura Erholung finden. So, wie wir jetzt. Entspannt kurbeln wir die Straße hinauf und staunen über den Aufwand, der hier beim Bau betrieben wurde. Kilometer um Kilometer schlugen die Ingenieure der Alpini die Straße in den Felshang hinein, bohrten Tunnels und legten schwungvolle Kehren an. Nach dem Dorf San Valentino steuert die Straße nun direkt auf die Felsnase des Corno della Paura zu, bevor sie spektakulär durch zwei Tunnels fädelt und über dem Etschtal ins freie Gelände stößt: blühende Wiesen, so weit das Auge reicht. Unser Abfahrts-Trail schlingert mittendurch.

Der Pfad ist absolut fahrbar. Zumindest soweit wir ihn von hier oben auf freiem Feld überblicken können. Schon nach wenigen Spitzkehren sehe ich, dass das Pfadband direkt auf einen Wald zukurvt. Wer weiß, welche Überraschungen darin auf uns lauern.

Kaum hat der Wald das Sonnenlicht ausgeknipst, wird es holpriger. Unter einem dicken Laubteppich, den der viel zu trockene Winter hier hinterlassen hat, lauern Äste und Wurzeln. Hinterhältige Hindernisse, die uns immer mehr Geschwindigkeit nehmen. Irgendwann tasten wir uns nur noch Meter für Meter voran. Dass wir dennoch an Höhe verlieren, merken wir eigentlich nur an den wärmeren Temperaturen. Der Trail ist nie besonders steil, aber dafür lang. So lang, dass wir uns fragen, ob wir überhaupt auf dem richtigen Weg sind. Auf der Karte ist er als gepunkteter Pfad markiert und oft bleibt man damit irgendwo in der Pampa stecken. Heute nicht. Zwischen den Bäumen taucht die Silhouette des Sabbionara Schlosses auf – der Beweis, dass diese Ecke des Etschtals bereits im Mittelalter als strategisch wichtig erkannt wurde. Der Pfad kreist einmal um die hohen Mauern herum, bevor er schließlich in eine kleine Treppe mündet, die uns doch noch in Avio ausspuckt.

Monte Baldo MTB-Trails Ost

Einsam und abenteuerlich in die Felswand geschlagen: die Militärwege am Monte Baldo-Ost.

Gardasee_Corno Paura Monte Baldo

Kanonen-Stellung schon vor dem Ersten Weltkrieg: Von hier aus hat man den Feind schon von Weitem gesehen.

Das sei ja erst die Spitze des Eisberges, erfahren wir eine Stunde später bei einem verdienten Teller Spaghetti. Der Wirt des Restaurants kennt diese Bergflanken sehr gut, er habe schließlich sein halbes Leben hier verbracht. Es gäbe noch viele solcher Pfade hier. Ich will gerade die Karte aus dem Rucksack zerren, aber er winkt uns lieber vor die Tür. "Da oben", der Mann zeigt erst auf den Gipfel des Monte Baldo und schwenkt dann ein wenig nach links, "findet ihr auch eine alte Militärstraße." Gibt’s nicht, ist mein erster Gedanke. Wer sollte auf die Idee kommen, in diese mächtige Felswand eine Straße zu hämmern? Aber der Wirt nickt. "Auf diesem Weg waren die Soldaten geschützt und am schnellsten oben, am Corno."

Nach diesem Gespräch fragten wir noch einige andere Bewohner. Einige können sich noch an schauerliche Kriegsgeschichten ihrer Großeltern erinnern. Andere wiederum kennen weitere versteckte Pfade, die sich wahrscheinlich für Biker lohnen würden. Wie beschließen, doch noch ein paar Tage zu bleiben und machen uns auf die Suche nach spannenden Trail-Runden.

Zum Schluss stießen wir dabei sogar noch auf den Schlüssel zu einem weiteren Trail-Paradies: die Lessini-Berge. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.

INFO MILITÄR-TRAILS MONTE BALDO

>> ANREISE
Brennerautobahn, Ausfahrt Ala, Avio. Fahrzeit: mit dem Auto von München 378 km, ca. 3.40 Std. Von Torbole: 30 km, ca. 30 Min.

>> KARTEN
Kompass-Karte Nr. 101: Rovereto Monte Pasubio (1:50 000)

>> ALLGEMEINE INFOS
www.comune.avio.tn.it

MTB-TOUREN

1. Corno della Paura 1
Länge: 32 km/1500 Höhenmeter
Schwierigkeit: ****** (von 6)
Schlüsselstelle: bei der Abfahrt kurz vor dem Wald: steinige Passage
Roadbook: Avio – Straße in Ri. San Valentino – San Valentino – Malga Pizzagrola – Malga Postemon – Colme di Pravecchio – Corno della Paura (kurzer Abstecher) – weiter auf der Schotterstraße bergab – da wo die Straße wieder bergauf führt, nach rechts zum Sentiero 686 – bei der Einmündung zu einer Schotterstraße dieser bergab folgen – bei einer Rechtskurve dem Pfad für fünf Meter bergauf folgen, dann rechts bergab zum Castello di Sabbionara - Avio

2. Corno della Paura 2
Länge: 36 km/1600 Höhenmeter
Schwierigkeit: ****** (von 6)
Schlüsselstelle: teils schwierige Orientierung, GPS: www.bike-board.net
Roadbook: Avio – Straße Ri. San Valentino – San Valentino – Malga Pizzagrola – Malga Postemon – Colme di Pravecchio – Corno della Paura (kurzer Abstecher) – weiter Schotterstraße bergab – Abzweig Pfad 686 (siehe Tour 1) liegen lassen und weiter bergauf der Straße folgen – am höchsten Punkt rechts bergab zur Malga Vignola und Pfad Nr. 687 stets folgen (entl. weißroten Markierungen – nicht immer einfach zu finden!) – Einmündung in Schotterstraße, dieser bergab folgen – in Rechtskurve dem Pfad fünf Meter bergauf folgen, dann rechts bergab zum Castello di Sabbionara – Avio

3. Madonna della Neve
Länge: 27 km/1000 Höhenmeter
Schwierigkeit: ****** (von 6)
Schlüsselstelle: felsiger Untergrund
Roadbook: Avio – Straße in Richtung San Valentino – unterhalb der Staumauer nach links Richtung Pra Alpesina – Malga Cola – Schotterweg 685 – Madonna della Neve – Colonia – Pfad nach Avio durch die Schlucht (fantastische Kulisse) – Einmündung in die Straße nach San Valentino – Avio.

Alle Infos über die Monte-Baldo-Mountainbike-Touren finden Sie im gratis PDF-Download.

Marco Toniolo am 30.04.2008
    Anzeige
  • Branchen News
    Anzeige
  • Das könnte Sie auch interessieren