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Italien, Trentino: MTB Tour rund um das Val di Non

Natur-Trails im Trentino: 4 Tage Tour de Non

  • Gitta Beimfohr
 • Publiziert vor 3 Jahren

Während die meisten Alpentäler Lift- und Flowtrail-Angebote aus dem Boden stampfen, schildert das Val di Non im Norden des Trentinos lieber eine Vier-Tages-Tour aus. Hier die GPS-Daten dazu.


Unter uns ein Flickenteppich aus Dörfern, Wald, Wiesen und Apfelbäumen. Wie im Schwarzwald eigentlich, nur bräuchte man dort nicht vier Tage, um Ein einziges Tal zu umrunden.

Warum die Umrundung des Val di Nons im Trentino so lange dauert, zeigt mir Routen-Finder Traian Grigorian, als wir nach vielen, steilen Höhenmetern endlich den ersten Aussichtspunkt der Runde erreichen. Vom 1879 Meter hohen Monte Ori überblickt man nämlich die gesamte Gebirgsarena, die das Tal umringt: Heute haben wir uns von Clès, dem Hauptort des Tales, die grünen Magdalener Berge im Norden hinaufgekämpft, und in dieser obersten Etage des Val di Nons hangeln wir uns nun rundherum. Morgen geht’s weiter über den Gampenpass gen Südosten, den berühmten Mendelkamm hinauf. Letzteren kennt man eigentlich als 1500 Meter hohe Abbruchkante über Kaltern. Seine Rückseite aber, die wir gerade von unserem Aussichtspunkt überblicken, sieht recht unspektakulär nach Mittelgebirgswaldhügel aus. Ganz im Süden erkennt man den schluchtartigen Eingang des Val di Nons mit seinem markanten Rocchetta-Felsen. In seiner Steilwand zackt sich der Mezzocorona-Trail ins Tal. Eine Abfahrtsmutprobe aus den 90er-Jahren. "Keine Angst, den lassen wir aus", wischt Traian meine unausgesprochenen Bedenken sofort beiseite und schließt die Runde mit einem: "… und die angezuckerten Felstürme dort im Westen gehören schon zur Brenta." Ich bin überrascht. Dieses Tal ist riesig groß, liegt im Trentino, wird von bekannten Mountainbike-Bergen umstellt – und trotzdem kennt es niemand als Touren-Revier.



Die viertägige MTB-Tour rund um das Val di Non ist insgesamt 144 Kilometer lang und umfasst 5042 Höhenmeter. Die GPS-Daten zu diesen vier Etappen finden Sie unten im Download-Bereich:

  • Etappe 1: Clès – Unsere liebe Frau im Walde
  • Etappe 2: Unsere liebe Frau im Walde – Malga di Romeno
  • Etappe 3: Malga Romeno – Sporminore
  • Etappe 4: Sporminore – Clès

Italien, Trentino: MTB Tour auf Natur-Trails im Val di Non

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Während die meisten Alpentäler Lift- und Flowtrail-Angebote aus dem Boden stampfen, schildert das Val di Non im Norden des Trentinos lieber eine kernige Vier-Tages-Tour aus. Auf dem Programm stehen steile Anstiege und unbehandelte Natur-Trails zwischen Gampenpass, Mendelkamm und Brenta. 


Im Val di Non lebe man eben gut vom Apfelanbau, erklärt Traian. Dennoch habe sich der Tourismusverband sehr offen gezeigt, als er vor ein paar Jahren mit seiner Umrundungsidee vorstellig wurde. Seither durchforstet er mit einer Handvoll motivierter Locals die Bergarena nach der optimalen Route. "So weit wie möglich natürlich auf Trails", betont der gebürtige Allgäuer und lässt sich neben das Gipfelkreuz des Monte Oris in die Almwiese sinken. "Da sind echte Schätze dabei", spricht Traian in den Schlund seines Rucksacks, kramt ein verknautschtes Alu-Paket hervor und reicht es herüber: Sandkuchen? Sehr gerne! Italienischen Sandkuchen darf man nicht ablehnen, den gibt’s nirgendwo saftiger. "Aber es sind auch Trail-Abschnitte dabei, da haben wir lang diskutiert, ob die nun fahrbar sind oder unzumutbar."

Tatsächlich bereitet die Trail-Abfahrt auf der Ostseite des Monte Oris ziemlich Mühe. Unrhythmische Kurvenhaken, Wurzeln, quer liegende Bäume und schmerzhafte Gegenanstiege – bei all den Brechsand-Trails auf dieser Welt hatte ich fast schon vergessen, dass es auch noch Natur-Trails gibt, die den Flow scheuen wie der Teufel das Weihwasser. Doch das Ortsschild unseres ersten Etappenortes kippt gleich wieder Honig über meine Seele: "Unsere liebe Frau im Walde" nennt sich die kleine Gemeinde mit Wallfahrtskirche und Blumenwiesen drumherum.

Ob wir zum Cappuccino ein paar selbst gemachte Kartoffelchips möchten, fragt die Bedienung, als wir uns in die Gartenstühle des Hotels Zum Hirschen plumpsen lassen. Traian wundert sich über die eher unitalienische kulinarische Kombination und ich mich über die auf Deutsch gestellte Frage an sich. "Wir befinden uns hier im oberen Val di Non, dem sogenannten Deutschnonsberg, und der gehört zum deutschsprachigen Südtirol", erklärt Hotelchef Mirco später beim feinsten Fünf-Gänge-Menü. Dass wir irgendwo eine Grenze überfahren haben, hatte ich gar nicht bemerkt. "Ciao, Giacomo!" Traian winkt Richtung Tür. Ein junger Italiener mit dichtem Schnauzer, wie ihn zuletzt Kommissar Thanner im Schimanski-Tatort hochgezwirbelt trug, gesellt sich zu uns an den Tisch. Giacomo ist Bikeguide in der angrenzenden Brenta-Region und hat natürlich mitbekommen, dass die Nachbarn im Nonstal jetzt auch eine Vier-Tages-Tour à la "Dolomiti di Brenta" entworfen haben. Auch offiziell ausgeschildert, auch mit Gepäcktransport, aber mit richtigen Trails. Und die möchte er sich auf den nächsten zwei Etappen gerne mal anschauen.

Wolfgang Watzke Unsere liebe Frau im Walde: Dieser kleine Ort mit Wallfahrtskirche liegt ganz im Norden des Nonstals und gehört schon zu Südtirol. Daher fragt uns die Bedienung im Biergarten auch auf Deutsch, ob wir selbst gemachte Kartoffelchips möchten.

So richtig ernst scheint Giacomo das mit den angekündigten Trails nicht genommen zu haben, denn seine Füße stecken am nächsten Tag in sehr unbequem aussehenden Race-Schuhen mit Carbon-Sohle. Sie vertragen sich weder mit der vom Morgentau rutschigen Tragepassage hinterm Gampenpass, noch mit dem anschließenden Pfadband, das sich zwar zweieinhalb Kilometer auf der Höhe durch den Wald zieht, aber von wurzeldurchsetzten Minirampen völlig verknittert ist. Für mich ist der Pfad in Sachen Flow eine deutliche Steigerung zu gestern, aber das sagt sich leicht mit reaktionsschneller Flat-Pedale. Giacomo übt hier dagegen schnelles Ein- und Ausklicken und vertut sich dabei gelegentlich im Timing. Erst später, auf dem langen Schotteranstieg zum Gantkofel hinauf, kann er den festen Zug auf dem Pedal wieder voll ausspielen. Bis wir den nördlichsten Pfeiler des Mendelkamms erreichen, blickt der Italiener längst in den Abgrund: Der von der Nonstaler Seite so sanft nach Mittelgebirge aussehende, langgezogene Bergrücken bricht auf der anderen Seite senkrecht ins Etschtal ab. Jetzt einen Schritt weiter, und wir würden nur wenige Direktflugsekunden später in Südtirol aufklatschen. Bozen und Meran liegen da unten wie riesige Spinnennetze im breiten Flusstal. Dahinter setzt die Crème de la Crème der Dolomiten dem Horizont eine Krone auf: Schlern, Rosengarten, Langkofel, Geislerspitzen, Marmolada …

Einige Kilometer lang bleibt uns diese Aussicht erhalten, denn wir folgen dem Mendelkamm nun 30 Kilometer gen Süden. "Und zwar gleich auf einem geheimen Pilzsucher-Pfad, der nicht mal in der Karte eingezeichnet ist", beteuert
Traian. Die Natur scheint allerdings auch noch nichts von dem Pfad zu wissen, denn unser Guide biegt kurz darauf unvermittelt links ins Gebüsch ab. Wir stolpern ihm einige Meter durch knöcheltiefes Laub und Gestrüpp hinterher, bis wir plötzlich wieder direkt an der Kante des Mendelkamms stehen. Tatsächlich flaniert hier ein sanftmütiger Pfad nah, aber nicht zu nah, am Abgrund entlang. Diesmal ramponieren uns weder Wurzel noch Gegenanstieg den Flow. Es fließt einfach reibungslos dahin. Wie er denn diesen Pfad gefunden habe, möchte Giacomo wissen. "Reine Intuition", antwortet Traian nicht ohne Stolz.

Trotz Fahrfluss wird es 16 Uhr, bis wir das Ristorante Il Falchetto erreichen. Wir sind die einzigen Gäste auf der Hotel-Terrasse und scheinbar auch die einzigen Besucher auf der großen Hochebene drumherum. Doch obwohl die Küche um diese Zeit geschlossen ist, schafft es Traian in fließendem Italienisch, einen Teller Nudeln für uns rauszuschlagen. "Für mich keine Pasta, nur ein Weizen, bitte", grätscht Giacomo in die Bestellung. Echt jetzt?! Fassungslos starren wir den jungen Italiener an. Selbstsicher schaut der zurück. Die steilen Anstiege der letzten Stunden scheinen ihm tatsächlich nicht viel ausgemacht zu haben. Trotzdem ist unser Guide Traian besorgt: "Bis zur Malga di Romeno warten heute noch mal zwei echt harte Rampen. Iss lieber was!" Doch Giacomo bleibt eisern: keine feste Nahrung während der Belastung! Das habe ihm sein Trainer schon vor Jahren eingebläut. Und wieso dann ein Weißbier? Na, wegen der Elektrolyte! Aber der Alkohol …? Giacomo zuckt mit der Schulter und streicht die Schnauzerfransen aus der Oberlippe – das Weißbier mit überbordender Schaumkrone naht. "Könnte knapp werden heute", murmelt Traian beim Essen mit Blick auf Uhr, Sonnenstand und Karte. Dabei wird es am Ende noch knapper, denn bis zur Malga di Romeno wird sich Fotograf Wolfgang noch den schlauchlosen Hinterreifen aufschlitzen, Giacomo und ich werden einen falschen Abzweig nehmen, und kurz vor der Hütte wird Traian noch zwei Mal die Kette reißen.

Wolfgang Watzke Idyllischer See mit 1a-Kuchenadresse. An der Felixer Alm ist die Einkehr Pflicht.

Silvia vom Tourismusverband ist es zu verdanken, dass wir die Tour am nächsten Morgen überhaupt fortsetzen können. Sie shuttelt uns nicht nur jeden Tag das Gepäck zur nächsten Unterkunft, sie hat gestern Abend auch Traians Bike zum Reparieren mit ins Tal hinuntergenommen. Als sie es morgens wieder im VW-Bus zur Hütte hochkurvt, hat sie für Giacomo auch gleich noch die gewünschten Free­ride-Schuhe und Flat-Pedale dabei. Entgegen seinen Gewohnheiten frühstückt der Italiener heute sogar ausgiebig, denn schon beim Blick aus dem Fenster wird klar: Auch die dritte Etappe startet mit einer Schotterrampe. Es sind die letzten 450 Höhenmeter zum Monte Roen hinauf, dem mit 2116 Metern höchsten Gipfel des Mendelkamms. Diesmal ist der Anstieg so steil, dass ich nicht weiß, ob ich schieben oder tragen soll, fluchen oder weinen. Bei jedem Schritt beißt das angesammelte Laktat in den Beinen. Es baut sich inzwischen über Nacht auch gar nicht mehr ab. Wenigstens schieben heute alle anderen auch. Spätestens jetzt wird klar, dass es sich bei der Tour de Non um keine touristische Kaffeefahrt handelt. Nach dem langen Aufstieg am ersten Tag sind die Anstiege zwar nie besonders lang, dafür aber immer deftig steil. Hütten oder Einkehr­stationen sind rar, und ob der nächste Abfahrts-Trail zur Entspannung beiträgt, bleibt auf Naturpfaden eben immer ungewiss. Doch nach der 360-Grad-Aussicht am Monte Roen meinen es die Trails bis weit hinters Graunerjoch gut mit uns. Teils anspruchsvoll, aber mit Spaß fahrbar, münden sie genau zur Mittagszeit an der Malga Sores. "Eine sehr gute Pasta-Adresse", hatte Traian im Vorfeld versprochen. Nur heute nicht, denn eine rundliche alte Dame schlurft aus der Tür und verkündet entwaffnend ehrlich, dass sie heute zu müde sei zum Kochen. Das trifft sogar Giacomo. Selbst sein feinjustierter Körper schreit heute nach einem Panini.

Bis zum Nachmittag haben wir den Trail-haltigen, einsamen Hochgebirgsteil der Runde hinter uns gelassen. Jetzt fädeln wir auf asphaltierten Bergstraßen ein paar Talorte auf. Aufgeräumte Pflasterstraßen, Dorfplätze, Espresso-Bars, und in den Hauseinfahrten parken teure SUVs. Dann eine letzte Abschlussrampe, und wir erreichen unsere nächste Unterkunft, die Agritur Sandro im kleinen Bergort Sporminore. Gerade als die Tortei, eine Art Trentiner Kartoffelpuffer, mit einem Berg von zartem Rinderfilet auf den Tisch kommen, bin ich in Feierlaune. Die gröbsten Rampen der Runde sind geschafft. Laut Höhenprofil flankieren wir die Brenta-Ostwand morgen nur noch auf Waalwegen, die auf halber Höhe fast rampenlos bis Clès dahinwellen. "Oder aber …", Guide Traian nippt noch mal am Rotwein, "… oder aber, wir biegen morgen noch links zur Malga d’Arza ab. Die Hütte hat zwar zu, aber das wären noch mal 1200 Höhenmeter extra." Ich horche in meine laktatschweren Beine und höre kein Hurra. "Auf einer Straße, die so sacksteil ist, wie Du es bestimmt noch nie gesehen hast", schiebt Traian nach. Jetzt höre ich was: Ahahaha! Nein, ganz sicher nicht.


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    Informationen zum Val di Non

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