MTB-Supertrail Nr. 75: Plätzwiesen-Trail MTB-Supertrail Nr. 75: Plätzwiesen-Trail MTB-Supertrail Nr. 75: Plätzwiesen-Trail

Italien: Plätzwiesen-Trail in den Dolomiten

MTB-Supertrail Nr. 75: Plätzwiesen-Trail

  • Flo Konietzko
 • Publiziert vor 2 Jahren

Der Wolf im Schafspelz: leichter Schotteranstieg, Traumaussicht auf die Drei Zinnen – und dann diese Abfahrt. Für den ausgesetzten Trail von der Plätzwiese muss man sein Bike wirklich im Griff haben.

Es war so eine Art Wette: einmal den Plätzwiesen-Trail komplett durchfahren – ohne abzusteigen. Von oben bis unten. Ja, auch kein Stopp an der Brücke in der Steilwand, und die darauf folgende Treppe überm Abgrund natürlich auch durchziehen. Keine Ahnung, warum ich mich dazu hinreißen ließ. Im Nachhinein würde ich so einen Blödsinn nie wieder machen. Viel zu gefährlich. Überhaupt sollten diesen Dolomiten-Trail nur Leute fahren, die frei von Schwindel und Höhenangst sind. Und dabei geht die Runde ja wirklich nett los. Vom Parkplatz an der Talstraße in Schluderbach folgt man der geteerten und nach knapp einem Kilometer geschotterten Straße zur Dürrensteinhütte hinauf. Die Serpentinen steigen leicht an, die Aussicht auf die Dolomitentürme von Monte Cristallo und Hohe Gaisl wächst. So lassen sich die 800 Höhenmeter bis zur Plätzwiese hinauf unterhaltsam wegkurbeln. Oben kehrt man vielleicht noch in die urige Dürrensteinhütte ein und wirft einen Blick auf das alte österreichische Sperrwerk, das bereits 1889 gebaut wurde. Danach geht’s auf schmalerem Schotterband weiter zum Strudelkopfsattel hoch. Doch bevor man sich von dort in die Abfahrt stürzt, lohnt es sich, noch die 100 Höhenmeter zum 2305 Meter hohen Strudelkopf hinauf zu schieben. Der Blick auf die Nordflanken der Drei Zinnen ist von dort oben einfach genial. So weit das Wellness-Programm der Tour.



Die GPS-Daten des Supertrail Nr. 75 – Plätzwiesen-Trail – aus BIKE 6/2019 erhalten Sie unten im Download-Bereich kostenlos. 

Infochart Kartenübersicht: Plätzwiesen-Trail 


Wer danach vom Strudelkopfsattel ins Helltal abbiegt, muss mit losem Geröll und ausgesetzten Trails gut klarkommen. Sonst ist Schieben definitiv die bessere Option! Der Trail zieht schnurstracks die linke, steile Talseite hinunter. Unten in der Talkerbe plätschert ein Bach, dazwischen ist nichts, was im Falle eines Falles aufhalten könnte.
Am Ende dieses Tals folgt eine kurze Adrenalinpause, doch man sieht schon: Der Trail steuert auf die bauchige Felswand der Strudelköpfe zu. Dort wird er sich gleich wie ein Gürtel drumrumlegen. Nicht umsonst hat man hier Sicherungsseile an die Wand geschraubt. Wer es dennoch fahrenderweise versuchen will, dem sei gesagt: Mit einem 780 Millimeter breiten Lenker muss man schon sehr exakt die Spur halten können, um nicht rechts in der Wand einzuhaken. Auf der linken Seite ist zwar genügend Luft, aber eben auch nur die: 150 Meter freier Fall lauern bei einem Fehlversuch! Die Steigerung dazu folgt in Form einer nicht besonders robust wirkenden Holzbrücke – ohne Geländer, und bergauf! Dahinter bekommt der Trail auf beiden Seiten wieder festen Boden unter "die Füße" und führt durch einen Tunnel.

Markus Greber Vom Strudelkopf (2305 m) blickt man direkt in die berühmten Nordwände der Drei Zinnen.  

Doch kaum blendet wieder Tageslicht die Augen, da taucht die nächste Schikane auf: eine Holztreppe über eine Schlucht. Im Prinzip keine komplizierte Sache, aber die Stufen klemmen wieder in einer bauchigen Felswand. Hier muss man im richtigen Moment den Lenker blitzschnell nach links kippen, um nicht in der Wand hängen zu bleiben. Daher bitte schieben! Die absturzgefährlichen Stellen des Trails sind nun gemeistert, jetzt geht’s los mit Fahren. Steil und geröllig windet sich der Pfad durch den Wald. Die meisten werden damit beschäftigt sein, dem Wegverlauf zu folgen. Fahrtechniker finden dagegen jede Menge Absprunghilfen und Spielvarianten in Form von Wurzeln, Felsen und natürlichen Wallrides. Am Ende droppt man auf den Parkplatz Drei-Zinnen-Blick und kurbelt locker die Talstraße zum Auto hinauf. Sensationell! Endlich mal ein Trail, auf dem man von oben bis unten zu 100 Prozent konzen­triert bleiben muss.

Markus Greber Plätzwiesen-Trail: Brücke ohne Geländer. Bitte unbedingt schieben!


Die Tour

16,9 km und 843 hm – bis zum Gipfel des 2305 Meter hohen Strudelkopf ist die Tour für jeden Biker gut fahrbar. Die Abfahrt ab dem Strudelkopfsattel durchs Helltal und weiter bis ins Rienztal ist dagegen nur schwindelfreien Fahrtechnikern zu empfehlen. Sonst schiebt man 500 tm.

Markus Greber Impressionen Plätzwiesen-Trail


Flo Konietzko

Der 35-jährige Fahrtechnik-Trainer und PR-Coordinator aus München liebt extrem anspruchsvolle Trails.

Hersteller Flo Konietzko


Markus Greber Plätzwiesen-Trail: Zum Gipfelkreuz


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