Italien: MTB-Supertrail Rauher Bühel

Mountainbike-Traumtrail im Südtiroler Ultental

  • Jürg Buschor
 • Publiziert vor 5 Jahren

Die am wenigsten ausgetretenen Pfade spürt man im Ultental auf. Der Schweizer Trail-Sucher Jürg Buschor kletterte auf den Rauhen Bühel und querte den Ultentaler Felsriegel.

Die Viecher in den Bergen haben’s auch nicht leicht. Auf Almen und Wiesen herrscht ständiger Futterneid, auch wenn der Kampf um die besten Plätze selten im offenen Streit ausgetragen wird. Wer es jedoch auf das frischeste Gras abgesehen hat, muss den Platzhirschen markieren. Es gilt, die Mitesser in die Schranken zu weisen. Sonst bleibt nur: Das Weite suchen, in der Hoffnung, woanders eine fette Wiese zu finden. Bikern geht es manchmal nicht anders. Die besten Trails in den begehrtesten Revieren sind oft stark frequentiert. Aber Reviergehabe und Rudelbildung liegen mir nicht – ich bin ein friedliebender Mensch. Also habe ich mich bei meinem letzten Südtirol-Trip von den Hauptverkehrsrouten ferngehalten: Nicht das Vinschgau stand auf meinem Speiseplan, sondern das wesentlich ruhigere Ultental.

Den Grünen Daumen hinterher

Was dort zu erwarten ist, wusste ich vorher schon von meiner Recherche für die Supertrail Map "Meran Süd": Eine geballte Anzahl Grüner Daumen sammelt sich da gleich hinter dem Felsriegel aus Naturnser Hochwart, Beilstoan, Rontscher Berg und Hoher Dieb. Und mit dem Symbol "Grüner Daumen" werden in dieser Karte nur die besten Singletrails geadelt.

Südtirol: MTB-Supertrail Rauher Bühel im Ultental

6 Bilder

Von Meran aus kann man alle Richtungen einschlagen, doch die am wenigsten ausgetretenen Pfade spürt man im Ultental auf. Der Schweizer Trail-Sucher Jürg Buschor kletterte auf den Rauhen Bühel und querte auf einem Traum-Trail den Ultentaler Felsriegel.

Mit der Seilbahn sind die 840 Höhenmeter von Rabland nach Aschbach hinauf in kürzester Zeit überwunden. Doch das war es noch nicht mit dem Anstieg. Obwohl der Wald Schatten spendet, drückt es mir auf dem weiteren Weg zum Vigiljoch ordentlich den Schweiß aus den Poren. So richtig knackig aber werden erst die kurzen, aber besonders steilen und wurzeldurchsetzten Rampen zum Rauhen Bühel hinauf. Rau ist der Trail auf den Gipfel des Bühels in der Tat. Der grasige Bergrücken selbst zeigt sich allerdings eher von der charmanten Seite. Da ist einerseits dieser spektakuläre Ausblick auf Bozen vorbei Richtung Dolomiten. Andererseits bietet das fette Almgras eine perfekte Sitzunterlage während der kurzen Pause, in der ich erst mal meine Kohlenhydratspeicher wieder auffülle. Das ist auch nötig, denn von hier aus geht gleich der Trail-Spaß so richtig los.

Das eigene Spiegelbild im Falkomai-See.

Schwindelfreiheit erforderlich

Von der Almwiese taucht der Pfad bald in einen lichten Bergwald ein. Kaum haben sich die Augen an das Licht-und Schattenspiel gewöhnt, folgen sie einem perfekt angelegten Trail: Über mehrere Kilometer zieht er sich an der steilen Bergflanke entlang Richtung Falkomai-See. Auch wenn insgesamt nur ganz wenige Höhenmeter den Rauhen Bühel von der Alm Leger trennen, so sorgen die unzähligen, kurzen Gegenanstiege und die fahrtechnisch etwas anspruchsvolleren Passagen dafür, dass der Puls kaum abfällt. Das Herz schlägt auch deshalb in hoher Kadenz, weil der Trail an einigen Stellen etwas exponiert verläuft. Es sind nicht die spektakulären Felsabbrüche, die unweigerlich weiche Knie und Pressatmung verursachen. Nein, hier sind es vielmehr diese fiesen, steilen Wiesenhänge, deren Gefahrenpotenzial weniger offensichtlich ist. Aber wehe, wenn man nach einem Sturz vergeblich nach einem Grasbüschel gegriffen hat – wer hier erst mal Geschwindigkeit aufgenommen hat, der dürfte sich glücklich schätzen, wenn es nur bei ein paar heftigen Schrammen bleibt.

Und was ist der Lohn dafür, dass man die Vinschger Trail-Klassiker namens Tschilli, Bimbam, Tibet und Goldsee ausnahmsweise mal auslässt? Ruhe? Klar. Weitsicht? Ja. Spaß? Unbedingt! Der Supertrail ist perfekt angelegt und zieht von einer Geländekammer in die nächste. Der Untergrund ist gut gefestigt und trocknet nach einem Regenschauer auch schnell wieder ab – dank südseitiger Ausrichtung. Sollte das Wetter einmal nicht mitspielen, gibt es zahlreiche Möglichkeiten, um auf feinsten Trails vorzeitig nach St. Pankraz abzufahren. Ebenso schnell, wie man den Talboden erreicht hat, bringt einen die Vigiljoch-Bahn von Lana aber auch wieder in die Höhe. Das Vigiljoch zum Zweiten – nur dass wir dieses Mal über den Steinbruch-Trail nach Partschins abfahren. Diese Route ist zwar schon etwas "abgegrast", aber dennoch sechs Grüne Daumen wert!

Die 3D-Karte zum MTB-Supertrail Rauher Bühel im Ultental.

Schlagwörter: Rauher Bühel Südtirol Supertrail Ultental


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