Seite 1: Italien: MTB-Klassiker am Gardasee

5 Klassiker-Touren am Lago, die man gefahren sein muss

  • Gitta Beimfohr
 • Publiziert vor 4 Jahren

Auf lange und oft steile Anstiege folgen von kantigem Geröll übersäte Abfahrts-Trails. Wie wurde dieses Revier zu einem Trail-Mekka? BIKE-Redakteurin Gitta Beimfohr über die wahren Touren-Klassiker.

Der große Run auf den Gardasee stammt noch aus einer Zeit, als lange Anstiege schick und brauchbare Touren-Beschreibungen rar waren. Wo in den Ostalpen kann man sich schon von 65 Metern Seehöhe bis zu einem 2000 Meter höher gelegenen Gipfelkreuz hinaufschinden? Bis heute ziehen selbst im Hochsommer ganze Karawanen die Straße zum Altissimo hoch. Wobei längst nicht alle die 2000-Meter-Marke im Visier haben. Viele Biker biegen unterwegs auf einen der Trail-Klassiker ab, die von der Altissimo-Straße in unterschiedlichen Höhen abzweigen. Viele drehen aber auch einfach wieder um und lassen die erkämpften Höhenmeter auf der Asphaltstraße wieder durch den Tacho rasseln. Warum? Weil ihnen für die klassischen Geröllwacker-Trails am Gardasee die Fahrtechnik fehlt.

Leichte Touren sind am Lago so rar wie feine Kieselsteine. Umso erstaunlicher, dass der Gardasee von Anfang an zu den absoluten Top-Bike-Revieren der Alpen gehörte. Und das schon zu einer Zeit, als das Fully noch in der Kinderfederung steckte. Schuld daran war ein gewisser Elmar Moser. Der Münchner brachte Anfang der 90er-Jahre die ersten wirklich brauchbaren Bikeguides heraus. Und wer bereits die exakten Touren-Beschreibungen aus den Moser-Guides Tegernsee und Karwendel zu schätzen wusste, der folgte auch dem Band 3 an den Gardasee. Dort dürften sich die Moser-Jünger allerdings nicht nur die Augen, sondern sicher auch bald die aufgeschlagenen Knie gerieben haben. Selbst die vermeintlich einfache Runde über den Monte Brione ließ viele Touren-Biker in den Abgrund des Schreckens blicken. Auch ich stand dort oben einst am Trail-Einstieg und musste zum ersten Mal in meinem Leben mein Fahrrad bergab schieben – was für eine demütigende Erfahrung.

Kanadier auf Besuch: Freerider aus Übersee sind rutschige Wurzeln gewöhnt. An die Gardasee Finessen mussten auch sie sich erst rantasten.

Dennoch – oder gerade deswegen – hat sich der Gardasee in nur wenigen Jahren zum absoluten Trail-Mekka entwickelt. Eben solche Trails, wie der 601er ("Da Oan­ser"), der im Moser-Guide mit "… sehr extrem, mit steilsten Geröllpassagen" beschrieben ist, wurden schnell zur Messlatte unter ambitionierten Fahrern. So endete die "Oanser"-Abfahrt immer erst an der Mecki-Bar und zwar mit der Frage: "Und, was bist gefahr’n?" "’Nen Zweier. Aber der Hans hat an Nuller hingelegt!" Was bedeutete, dass Hans null Mal absetzen musste, den Trail also komplett durchgefahren ist. Bis heute zählen diese Moser-Touren der ersten Stunde zu den absoluten Lago-Klassikern. Auch wenn die Trails dank moderner Fahrwerke natürlich längst ihren Schrecken verloren haben.

Die Lago-Klassiker für Mountainbiker:


1. Tremalzo (ca. 30 km, 397 hm – Schwierigkeitsgrad 3 von 5 Punkten)

Es ist DIE Tour am Gardasee. Und hätte es zu Mosers Zeiten schon einen Bikeshuttle gegeben, wäre er die Tour auch so herum gefahren: Eine dreiviertel Stunde dauert die Fahrt zum Rifugio Tremalzo hinauf. Dann kurbelt man zum berühmten Tremalzo-Tunnel hoch und rollt die grob geschotterten Militärstraßen-Kehren zum Passo Nota hinunter. Über den Passo Rocchetta zurück nach Riva. Ein landschaftliches Ereignis!


2. Capanna Grassi (25 km, 1045 hm – Schwierigkeitsgrad 3 von 5 Punkten)

Diese Halbtages-Tour wird vor allem für ihre schöne Einkehr geliebt. Von Riva geht’s zunächst auf der Straße Richtung Tennosee, aber nur bis zum Abzweig nach Campi. Dann folgt man den Schildern in den Talschluss bis zur Capanna Grassi. Nach der Einkehr orientiert man sich hinter der Hütte in den Wald, wo ein recht rumpeliger Schotterpfad um eine Bergflanke herum wieder ins Tal führt.


3. Sentiero 601 (76,8 km, 1568 hm – Schwierigkeitsgrad 5 von 5 Punkten)

Dieser Klassiker der ersten Stunde gilt bis heute als Messlatte. Auch Frauen wollen den 601er mittlerweile mit nur wenigen Absetzern runtergepoltert sein. Wer sich das steile und grobstufige Geröllmoster wirklich antun möchte, klettert die Altissimo-Straße bis zu einer Höhe von 772 Metern hinauf und zweigt dann am Wegweiser 601 ab. Der Pfad kreuzt die Straße, man kann also wieder aussteigen.


4. Pregasina-Straße (13,4 km, 485 hm – Schwierigkeitsgrad 1 von 5 Punkten)

Es ist definitiv die leichteste Tour am Lago, doch in Sachen Seeblick steht sie den großen Runden in nichts nach. Direkt hinterm Ortsschild von Riva zweigt die 1865 angelegte Schotterstraße ab und zieht sich in sanfter Steigung durch kleinere Tunnels nach Pregasina hinauf. Am besten fährt man hier früh morgens oder abends, dann kann man die ausgefahrenen Anlieger bergab ohne Gegenverkehr genießen.


5. San Giovanni ( 28,5 km, 1170 hm – Schwierigkeitsgrad 2 von 5 Punkten)

Gitta Beimfohr, BIKE-Reiseredakteurin: Auch bei den Mädels-Bikes schnüren in der Regel die Versender mit Top-Ausstattung und geringem Gewicht sehr attraktive Pakete. Es geht jedoch nichts über eine Probefahrt und individuelle Beratung vor Ort, wo spezielle Wünsche berücksichtigt werden.

Keine Mutprobe, kein stundenlanges Bergaufgeschrubbe – und trotzdem gehört die Tour zum Ristoro San Giovanni zu den beliebtesten Klassikern. Man rollt an der Sarca entlang nach Arco und Varignano und folgt einer schmalen Bergstraße nach San Giovanni hinauf. Zurück kann man die klassische Schotter- und Asphalt-Route nun mit einem Flow-Abstecher über den Sentiero dei Russi aufpeppen!

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    Italien: MTB-Klassiker am Gardasee
    5 Klassiker-Touren am Lago, die man gefahren sein muss
  • 2
    Italien: die klassischen MTB Lago Trails
    Teil 2: Hot Spots für Mountainbiker am Lago
  • 3
    Italien: die klassischen MTB Lago Trails
    Teil 3: Infos für Biker zum Gardasee
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Trail-Mekka Gardasee: Klassik Touren für Mountainbiker


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Schlagwörter: Capanna Grassi Gardasee Italien Pregasina-Straße San Gionvanni Sentiero 601 Trail Tremalzo


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