Italien: Latemar-Umrundung auf Dolomiten-Trails

Supertrail in der Dolomiten-Festung Latemar

  • Thomas Roegner
 • Publiziert vor 5 Jahren

Den Latemar konnte man schon immer umrunden. Doch nun gibt es eine Runde mit drei Supertrail-Abfahrten. Die 3000 Höhenmeter legt man mit drei Lifts zurück, für die man nur ein Tagesticket braucht.

Für einen ganz, ganz kurzen Moment hatte ich überlegt, das Glas Champagner abzulehnen. Aber – ach, egal! Das bisschen Dekadenz macht das Kraut jetzt auch nicht mehr fett. Wir dösen auf weich gepolsterten Lounge-Liegen unter Palmen. Meinen Dessert-Teller habe ich gerade erst zur Seite gestellt. Den Puderzucker des fluffigen Kaiserschmarrns noch auf den Lippen, nippe ich am Glas. Die Ganischger Brüder haben auf der Terrasse der Gardoné-Alm wirklich alles aufgetischt, was ihre Speisekarte zu bieten hat. Gut, es gibt ja schließlich was zu feiern: die Eröffnung der neuen Runde um den Latemar. Mit der neuen Seilbahn in Deutschn­ofen sind es nun drei Lifts, die bei der Umrundung des Dolomiten-Gebirgsstocks helfen. Insgesamt spart man sich damit 3000 Höhenmeter bergauf. Und das ist gut so, denn die gesparte Kraft braucht man dringend für die drei Supertrail-Abfahrten dieser Runde.

Drei Lifts muss man bei der Trail-Runde im Latemar fahren.

Umrunden konnte man die Felsbastion über dem Eggental schon länger, doch was fehlte, war eine anspruchsvolle Trail-Version. Die hat das Biker-Urgestein „Krauti“ nun endlich anlässlich der Seilbahneröffnung durchgesetzt. Der gebürtige Niederösterreicher, der eigentlich Gerhard Krautwurst heißt, ist vor 20 Jahren der Liebe wegen in den Südtiroler Dolomiten hängen geblieben. Es dauerte nicht lange, bis er als Bikeguide das Trail-Potenzial der Region überblicken lernte und schließlich „Krauti’s Bike Academy“ gründete. Es folgten zahlreiche Kartenprojekte und nun eben seine neue Trail-Runde um den 2842 Meter hohen Latemar.

Die erste von drei Abfahrten: der Endlos-Trail vom Karerpass ins Val di Fassa hinunter. Nach tagelangem Regen etwas aufgeweicht.

Treffpunkt ist der Parkplatz an der neuen Seilbahn in Deutschnofen. Zur feierlichen Eröffnung bin ich natürlich nicht allein angereist. Mit mir stehen noch zehn Freerider und Endurofahrer in der Liftschlange. Darunter auch die beiden deutschen Johannes Fischbach, Guido Tschugg und Worldcup-Fahrerin Greta Weithaler. 15 Minuten später haben wir 550 Höhenmeter hinter uns gelassen und schieben unsere Bikes nahe des Karerpasses aus der Gondel. Die berühmten Vajolettürme ragen vor uns in den Himmel. Nur der Pfad hält sich nicht lange in Panoramahöhe auf. Zielstrebig taucht er bald in den Kiefernwald ein. Hier dauert es auch gar nicht lange, bis sich mein Vorderreifen mit einem lauten „Pflaaaatsch“ bis zur Nabe im Morast festfährt. Das hat Krauti nicht bedacht beim Scouten. Dass es auch in Südtirol mal mehrere Tage am Stück regnen kann. Doch nach den Sumpflöchern wird der 571 nach Soraga zum Traumpfad: Kurvenreich schwingt er zwischen den Bäumen ins Val di Fassa hinunter. Ein schneller Cappuccino in einer Bar, dann rollen wir den Talboden entlang nach Ronchi, wo uns die Gondel zur Alpe Lusia wieder auf 2200 Meter Höhe schaukelt. Und jetzt der Hammer: Nach einer kurzen Tragepassage wartet unter der Forcella Pozil mein persönlicher Trail-Favorit: der 622. Nicht nur seine Nummerierung erinnert an den Gardasee. Erst schlingert der Pfad schmal und grobschottrig, aber stets in fahrbaren Kurven durch die Schotterfelder. Dann öffnet sich ein riesiger, grüner Trichter aus satten Wiesen, wo der Trail sanft ausschwingt. Zum Abschluss schießen wir einen Highspeed-Waldweg hinunter und begegnen dabei keiner Menschenseele. Aufgepeitscht von diesem Abfahrtsrausch geht’s im Renntempo auf dem Radweg zur nächsten Aufstiegshilfe nach Predazzo. Schnell, bevor der Liftmann Mittagspause macht! Ohne die Gondel kommen wir nicht zur Gardoné.

Unten führt der MTB-Trail durch satte Weiden nach Moena hinab.

Es ist bereits Nachmittag als wir unsere Hintern aus den Lounge-Liegen der Palmen-Alm hieven und direkt in den Vierersessel schwingen. Wieder geht es direkt an den Fuß des Latemars, unterhalb des Reiterjochs. Mit dem Wahnsinnspanorama der Trentiner Dolomiten im Rücken und dem Blick übers Eisacktal vor uns, cruisen wir in den grandiosen Abschluss: die schmalen Pfade über Obereggen und den Karersee zurück nach Welschnofen. Allein der letzte Flow-Abschnitt holt sich locker das Prädikat „Supertrail“.

Die Übersichtskarte zum Latemar-Supertrail in den Dolomiten.

Der Latemar-Supertrail kommt von Thomas Rögner. Er ist BIKE-Reiseautor und Touren-Guide. Der BIKE-Journalist der ersten Stunde hat schon viele Touren-Bücher über Südtirol geschrieben und kennt sich auf den Trails bestens aus. Doch Locals graben immer wieder neue Pfade aus, die auch ihn überraschen.

Schlagwörter: Dolomiten Latemar Reise Südtirol Supertrail Tour Trail


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