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Italien: Garda Ronda - Lago-Umrundung mit dem EMTB

Garda Ronda, Teil 3: Die Etappen

  • Uli Stanciu
 • Publiziert vor 5 Jahren

Eine Umrundung des Gardasees in sechs fantastischen Etappen – zusammengestellt von EMTB-Herausgeber Uli Stanciu, dem Gardasee-Kenner schlechthin, speziell für E-Mountainbiker.

GARDA RONDA – DIE ETAPPEN

Diese Garda Ronda ist auf sechs Etappen angelegt, die durchschnittlich etwa 1400 Höhen-meter haben. So kann man es jeden Tag zur Not mit ordentlich Muskel-Power und viel Sparwillen mit einer Batterie schaffen. Doch es begleitet einen die Furcht vor der leeren Batterie und die ständige Kalkulation im Kopf, ob man sich am steilen Anstieg wirklich mal den Turbo-Gang leisten darf. Unbeschwerter wird die Tour allemal, wenn man auf eine Ersatzbatterie oder ein Begleitauto zurückgreifen kann.


ETAPPE 1: Vom BIKE-Festivalgelände in Riva rollt man erst mal am Lago entlang nach Torbole. Von da ab geht’s bergauf über Busatte immer auf der schmalen Asphaltstraße Richtung Monte Altissimo, eine Strecke, auf der man schon mal ein paar tolle Blicke über den nördlichen Lago hat. Am Dos Remit zweigt man links ab Richtung Freeride-Strecke Val de Diaol. Die lässt man aber nach Kurzem links liegen und radelt weiter erst auf einem Waldweg ziemlich steil bergauf, dann auf der geschotterten Strada Brentegagna hinunter zum Dörfchen Festa. Ab hier gibt es zwei Möglichkeiten: steil bergauf mit etwa 350 Metern Länge und 70 Höhenmetern Schiebepassage bis zum ersten Etappenziel, dem Hotel San Giacomo. Oder – wem das zu anstrengend ist – erst nach Brentonico und über die Straße bergauf zum Hotel San Giacomo. Das ist fahrtechnisch leicht, hat aber mehr Höhenmeter.

Mit Wechselbatterie oder Autobegleitung kann man freilich noch ein ganzes Stück weiterkommen, zum Beispiel bis zum Passo San Valentino oder nach einer sehr schönen Trail-Passage zum Lago Pra da Stua und über den Passo Pozza della Cola zum Kirchlein Madonna della Neve. Ganz in der Nähe, allerdings etwas abseits vom Kurs, liegt das Rifugio Monte Baldo. Wer es mit Ersatzbatterie bis hierher schafft, hat 42 Kilometer und etwa 2000 Höhenmeter bewältigt.


ETAPPE 2: Kehrt man schon im Hotel San Giacomo ein, steht einem am nächsten Morgen zuerst die hübsche Trail-Passage und die Fahrt zur Madonna della Neve und zum Rifugio Monte Baldo bevor, wo man einmal die Batterie aufladen könnte. Dann geht es weiter über Pian della Cenere (Ebene der Asche) und immer mäßig steil bergauf zum Bivacco Lavacchio (leider ohne Strom) und schließlich weiter auf einem Waldweg mit ein paar steilen Rampen hinauf zum Passo Cerbiolo. Traum-Route mit schönen Blicken ins Etschtal. Auf Schotter geht es weiter, bis man den Südteil der schmalen Strada Graziani erreicht, auf der man dieses ganze Teilstück auch auf Asphalt zurücklegen könnte. Das wäre aber deutlich weniger abwechslungsreich.

Im Dörfchen Cambrigar zweigt man von der Straße ab und hält sich rechts auf einem schmalen Asphaltweg, der eigentlich wegen eines Erdrutsches für Fahrzeuge gesperrt ist. Wer sich davon nicht abhalten lässt, wird im Wald ein paar Steine entdecken, die auf die Straße gekullert sind – mit dem E-MTB kommt man da problemlos vorbei. Danach folgt ein längerer Asphaltanstieg an der Malga Ime vorbei, wo man auch einkehren und die Batterie aufladen kann. Von hier aus geht es stetig bergauf an der Malga Colonei vorbei bis auf den Rücken des Monte Baldos bei der Malga Zocchi auf 1350 Metern Höhe. Wunderbar: Ab hier hat man wieder majestätische Blicke über den Gardasee. Nach der Abfahrt auf schmalen Schotter- und Asphaltwegen erreicht man Prada Alta beim ehemaligen Albergo Al Cacciatore, das derzeit jedoch geschlossen ist. Wer hier oben übernachten will, muss auf der flachen Straße ein bisschen nach rechts rollen und das Albergo Edelweiss nehmen. Mit genug Saft im Akku kann man sich aber durchaus an die weitere Abfahrt wagen, die jetzt über abenteuerliche und recht anspruchsvolle Trails zum uralten Dörfchen Campo hinunterführt.

Das Dörfchen Campo ist zwar ganz ursprünglich geblieben, weil mit dem Auto kaum erreichbar, aber man kann hier nicht übernachten. Also bleibt einem nur, von Campo oberhalb des Lagos weiter nach Süden zu rollen, auf einem echt spaßigen Trail-Kurs, der aber immer wieder ein paar steile Schnapper bereithält, die natürlich an der Batterie nagen. Hat man schließlich den Ort Garda erreicht, so liegen die Berge erst mal hinter einem – weiter geht es ganz flach, aber sehr schön auf dem Radweg immer am See entlang nach Bardolino. Wer es mit Ersatzbatterie auf der ersten Etappe bis zum Rifugio Monte Baldo geschafft hat, für den stehen am zweiten Tag bis Bardolino 67 Kilometer und 1503 Höhenmeter an.


ETAPPE 3: Für alle, die mit einer einzigen Batterie in Prada Alta übernachten mussten, steht als dritte Etappe ein Langschlag an. Es geht durch die padanischen Hügel um den ganzen südlichen See herum bis nach Salo – das sind "nur" 1430 Höhenmeter, aber eben auch über 96 Kilometer. Zum Trost sei gesagt, dass der Süden des Sees dicht besiedelt ist. Man findet überall Gasthäuser und Restaurants, wo man wieder Strom in den Akku pushen kann. Außerdem kann man an vielen Orten übernachten – zum Beispiel in Peschiera oder Desenzano.

Man sollte sich die Strecke im Süden allerdings nicht als reine Roller-Tour vorstellen, eben und ohne Hindernisse. Im Gegenteil. Vor allem ab Desenzano haben wir einen anspruchsvollen Trail-Kurs ausgesucht. Allein von Desenzano bis Salo kommen 650 Höhenmeter zusammen. Dabei führen die verschlungenen und manchmal recht fordernden Trails teils durch dichte Wälder, Olivenhaine, Zypressenallen. Und bei alledem muss man sauber navigieren, um die vielen Abzweige zu finden – auch das kostet Zeit.

Uli Stanciu Garda Ronda - Etappen 1-3


ETAPPE 4: Nach der Übernachtung im feudalen Salo mit seiner belebten Uferpromenade geht es dann wieder richtig Gebirge, an der Westseite des Gardasees nach Norden. Die ersten 1100 Höhenmeter führen auf schmaler Asphaltpiste bergauf über Vobarno und Eno zum Passo Cavallino. Das sollte vorerst mit einem Akku zu machen sein, zumal man am Rifugio Passo Cavallino gut einkehren und nachladen kann. Ein Begleitauto kann übrigens ab Vobarno auf der ganzen Strecke mitfahren. Vom Cavallino geht es weiter auf Schotter noch mal 250 Höhenmeter bergauf und dann wieder bergab ins Valvestino über Capovalle und Moerna zum kleinen Dorf Persone. Das ist nun die letzte Nachlade-, Einkehr- oder Übernachtungsmöglichkeit vor der fünften, der Königsetappe der Garda Ronda. Das heißt: Hier muss man übernachten und am nächsten Morgen unbedingt mit vollem Akku losfahren.


ETAPPE 5: Jetzt kommt eindeutig die schönste Etappe der Garda Ronda – über den Monte Caplone zum Tremalzo. Der Caplone ist der südliche Bruder des Tremalzos, ganze zwei Meter höher, aber dafür viel einsamer, wilder, ursprünglicher. Auch hier haben die Italiener im ersten Weltkrieg eine Militärstraße gebaut, die sich abenteuerlich durch die zerklüfteten Felsen windet. Aber diese Straße wird heute von Bikern nicht befahren und kaum von Wanderern begangen. Die ehemals breitere Kriegsstraße ist so über die vielen Jahre vor allem ab der Malga Tombea zu einem schmalen Trail geschrumpft. Der Untergrund ist grob und ruppig, aber mit dem E-MTB schafft man das überall problemlos fahrend. Neben dem Fahrspaß hat man am Caplone aber auch ein überwältigendes Panorama über den südlichen Gardasee und ab der Passhöhe, die sich Bocca di Campei nennt, einen Wahnsinns­weitblick nach Norden in die Gletscher des Adamellos. Panoramamäßig ist das wirklich der Hammer.


ETAPPE 6: In der durchweg traumhaften Trail-Abfahrt mit vielen kleinen Tunnel gibt es nur einen Wermutstropfen: Ziemlich weit oben ist einer dieser Tunnel noch vor Kriegsende nicht fertiggestellt worden, und danach hat keiner mehr weitergebaut. Wer also in das Tunnelloch einfährt, steht schon nach wenigen Metern vor einer geschlossenen Wand. Also muss man sein E-MTB auf einer supersteilen Rampe über etwa 25 Höhenmeter auf den Grat schieben und auf der anderen Seite wieder runterkraxeln. Eine funktionierende Schiebetaste kann man hier wirklich gut brauchen.

Uli Stanciu Garda Ronda - Etappen 4-6

Danach ist alles prächtig. Es geht auf Flowtrails hinunter zur Bocca Lorina und dann auf Schotter weiter ins Valle San Michele. Das Teuflische an dieser Traumetappe ist nur, dass man jetzt wieder bergauf bis zum Rifugio Garda am Tremalzo muss. Das sind ab Valle San Michele noch mal 432 Höhenmeter, was die Gesamthöhenmeter der Tour auf satte 1727 Höhenmeter schraubt – mit einer Batterie fast nicht zu machen, es sei denn, man lässt über 300 Höhenmeter nur die Muskeln spielen. Teuflisch weiterhin, dass ein Begleitauto einen hier nicht erreichen kann. Selbst, wenn man eins hat, muss man hier also den Ersatz-Akku in den Rucksack nehmen. Dann schafft man es jedoch locker – wir haben es ausprobiert.

Wenn man hier schon den Ersatz-Akku im Rucksack hat, dann muss man am Rifugio Garda vor dem Tremalzo auch nicht unbedingt eine Übernachtung einlegen, sondern kann hier zu Spaghetti und Cappuccino einkehren und dann gleich weiterrauschen. So reduziert sich die Fahrzeit der Garda Ronda mit Ersatz-Akku bestimmt auf nur fünf Tage. Denn zum Tremalzo-Tunnel sind es von hier aus nur noch 160 Höhenmeter bergauf, die der zweite Akku sicher hergibt. Und dann geht’s bergab – auf der Strecke, die nahezu alle Lago-Biker kennen. Über 1800 Höhenmeter Schotter zum Passo Nota, dann auf Waldwegen zum Passo Rocchetta, auf Trail und Schotter nach Pregasina und zur alten Ponale-Straße, die auf der letzten Abfahrt nach Riva noch einmal die schönsten Lago-Panoramen ermöglicht.

Uli Stanciu Gardasee-Umrundung ganz individuell: Mit dem interaktiven Tourenplaner auf www.bike-gps.com kann man sich seine persönliche Route nach eigenem Geschmack zusammenstellen.


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