Elba Mountainbike Traverse Elba Mountainbike Traverse

Elba mit dem MTB überqueren

Elba-Inselüberquerung mit dem Mountainbike

Dan Milner am 13.11.2013

Auf Elba wollte man Bikern etwas Gutes tun und eröffnete in Capoliveri einen Bikepark – mit Schotterstraßen. Doch die Karte verrät: Die Insel hat zwei Gebirgszüge, die man auf Trails überqueren kann!

Seit zehn Jahren will ich ins Fitness-Studio gehen – und habe es genau einmal geschafft. Dafür hasse ich mich jetzt. Denn alles, was mein Bike gerade davon abhält, in den sicheren Felstod unter uns zu stürzen, ist meine untrainierte Hand. Wie ein Schraubstock umklammert sie das Unterrohr meines geliebten Bikes. Ansonsten balanciert es nur noch mit den Pins seiner Flatpedals an der Außenecke dieses lächerlichen Liftes: ein kanarienvogelgelber Stehkäfig für eine Person. Als Halterung dient nur der eigene Arm, den man dafür durch die Gitterstäbe stecken muss. Leider knarzen wir nur sehr, sehr langsam auf den 1019 Meter hohen Gipfel des Monte Capanne zu. Es ist der höchste Punkt der Mittelmeerinsel Elba. Eigentlich war die Liftfahrt gar nicht geplant. Holger Meyer, Karen Eller und ich sind nach Elba gekommen, um die weniger bekannten Wanderwege der Insel zu erkunden. Laut Karte spannt sich da ein ganzes Spinnennetz aus Pfaden übers Inselgebirge. Und zwar weit über den inzwischen bekannten Capoliveri-Bikepark hinaus. Clever kombiniert kann man die kleine Insel an einem Tag nach Westen und am nächsten Tag nach Osten überqueren – auf allerschönsten Trails. Nur muss man schon körperlichen Einsatz zeigen, um diese Pfade zu erreichen. Daher auch die Entscheidung, in den gelben Lift zu steigen. Er soll uns wenigstens einen schweißtreibenden Anstieg ersparen. Der Mann hinterm Ticketschalter zuckt nur gleichgültig mit der Schulter, als wir wissen wollen, ob er uns mit den Bikes in den Lift steigen lässt. Klar, wir sind ja in Italien und die Antwort-Variante "Wieso nicht?" finden wir viel erfrischender als die sonst übliche "Warum sollte ich?" Ursprünglich wollten wir vom Örtchen Marciana aus selbst den Berg hochtreten und oben in den Trail Nr. 6 einfädeln. Der Pfad führt um den Monte Capanne herum, bis er auf der Südflanke des Bergs wieder bis zum Meer hinunter abfällt. Aber wir hatten ja die tolle Idee mit dem Lift.

Lift Monte Capanne Elba

Der kanariengelbe Stehkäfig: Wer unterwegs loslässt, hat oben kein Bike mehr.

Elba beste MTB-Trails

Von brüchigen Maultierpfaden über Samtpfade direkt ins Geröllfeld – alles dabei!

Als wir den Gipfel des Capanne erreichen, kann ich mein Bike kaum mehr loslassen, so verkrampft ist mein Unterarm. Dafür empfängt uns eine Wolke aus Radiowellen, denn der Gipfel ist mit Antennen nur so zugestellt. Nicht sehr gemütlich. Trotzdem strecken sich hier zwei Rentner auf Badetüchern aus, um sich den ersten Sonnenbrand des Jahres in die Haut zu gerben. Das 360-Grad-Panorama scheint sie dagegen kaltzulassen. 30 Kilometer gen Westen ragt eine gigan tische Felsbastion aus dem Meer: Elbas französische Cousine, Korsika. Im Osten, nur zehn Kilometer entfernt, erstreckt sich das Festland der Toskana. Man kann sogar den Yachthafen von Punta Ala erkennen. Dort wird in einem Monat das erste Rennen der Enduro World Series stattfinden. Elba wird von dem Enduro-Trubel wohl nichts mitbekommen. Auch heute haben wir die Trails hier ganz für uns allein – bis auf die beiden Lederhaut-Rentner natürlich.

Wir rollen vom Gipfel in eine Art Natur- Treppenhaus. Eine völlig verblockte Felsgasse, die, wenn überhaupt, nur wenig Spaß macht. 400 Höhenmeter lang quälen wir uns von Stufe zu Stufe und schnell wird klar, dass wir uns mit dem erschwindelten Aufstieg keinen Gefallen getan haben. Erst als wir auf den ursprünglich geplanten Trail stoßen, stellt sich endlich wieder Flow ein. Und genau den hatte ich Holger und Karen auf Elba ja versprochen. Gott sei Dank war es Holger, der den Lift vorgeschlagen hatte. Aber die beiden wissen ja selbst, dass man erst viel Energie in einen Trip reinstecken muss, wenn man das größtmögliche Naturerlebnis herausholen will. Unser heutiger Einsatz wird jetzt auch belohnt. Der Weg, dem wir jetzt folgen, wird zunehmend spaßiger, und die Frustration über die Gipfelabfahrt verblasst schnell. Schließlich stehen wir am Einstieg der wohl besten Abfahrt der ganzen Insel: Trail Nr. 7. Die Markierung auf den Felsen und Baumstämmen stimmt sogar mit der in der Karte überein. Erst schießen wir durch ausladende Pfadserpentinen, die sich um Pinien und Haselnussbäume winden. Dann öffnet sich der Wald, und wir stehen in einer offenen Bergflanke. Thymian und Rosmarin dampfen hier so stark in der April-Sonne, dass uns fast schwindlig wird. Aber der Duft erinnert uns wieder daran, dass das glitzernde Blau da unten das Mittelmeer ist. Auf der übrigen Abfahrt versuche ich mit Herzblut, an Holgers Hinterrad zu bleiben. Man spürt richtig, dass dieser Flow erst von Hand angelegt wurde. Auf Elba soll es eine kleine, aber feine Mountainbike-Gemeinde geben, davon hatte ich bereits gehört. Nur dachte ich immer, deren Einsatz beschränkt sich auf den Bikepark in Capoliveri.

Apropos: Irgendetwas muss da mal bei der Übersetzung schief gelaufen sein. Bikepark bedeutet in anderen Regionen: eine Handvoll Trails mit Abwärtstendenz, dazu eine Aufstiegshilfe. Doch der Bikepark auf Elbas Südost-Halbinsel wird wohl keine Abfahrtsprofis anlocken. Hier findet man nur ein paar ausgewiesene Touren-Kreise. Bei meinem ersten Elba-Besuch hatte ich mir voller Hoffnung eine Park-Übersichtskarte in Capoliveri geschnappt, um dann frustriert festzustellen, dass es sich bei den "Trail-Runden" eher um Forststraßen handelt. Mit eingestreuten Trail-Häppchen als Verbindung zur nächsten Schotterstraße. Das ist zwar nettes Fitness-Training, hat für mich aber mit Abenteuer und Fahrspaß wenig zu tun. Gerade als ich damals aus der schwarz markierten 30-Kilometer-Runde rauspedalierte, traf ich eine Gruppe aus 20 Bikern, die in dem Moment ganz aufgeregt hineinkurbelte. Sicher dachten die, das ist alles, was Elba für Mountainbiker zu bieten hat. Dabei reicht ein Blick in die Karte von ganz Elba, um das wahre Potenzial der Insel zu erkennen.

Monte Capanne Elba Mountainbike

1A-Wegweiser. Sogar die Trails sind in Karte und Natur mit derselben Nummer gekennzeichnet.

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Nur fünf Kilometer nördlich von Capoliveri befindet sich der Startort zu unserer Insel-Rücküberquerung: Porto Azzurro. Eineinhalb Stunden kurbeln wir von dem kleinen Küstenort den Berg hoch, bis wir auf den Trail stoßen, der die Bergflanke auf etwa 400 Metern Höhe schneidet. Da fädeln wir ein: Im Achterbahnkurs kurvt er mit uns gen nördlichsten Zipfel der Insel, nach Cavo hinunter. Unser Ziel für heute ist es, den gesamten Inselkamm an einem Tag abzureiten. Dazu müssen wir nur der Markierung des GTE (Grand Traverse dell’Elba) folgen, denn dieser Pfad ist eine Variante des Fernwanderwegs und scheint fahrbar zu sein. Mal zeigt er sich als uralter brüchiger Maultiertierpfad, dann entspannt er sich wieder zum Samtpfad. Ab und zu plustert sich der Weg zu einem ruppigen Steinfeld auf, aber meist ist die nächste Wegkurve schon zu erkennen, die uns wieder mit Grip auffängt. Hangelt sich der Weg oben am Bergkamm entlang, muss man schon mal die Luft anhalten, um rechts und links nicht den Hang runterzurutschen. Schon wegen der sensationellen Aussicht über Elbas Hügelwelt und das tiefblaue Meer da unten. Wie viele von den wuselnden Urlauber-Ameisen da unten am Strand wohl wissen, dass es hier oben, weit über ihren Sandburgen, einen solch epischen Trail gibt? Inzwischen haben wir den 20-minütigen Aufstieg auf den Monte Grosso in Angriff genommen. Sechs Stunden sind wir nun schon auf unserer Nordtraverse unterwegs und haben dabei gerade mal 1200 Höhenmeter gemacht. Von einem Aussichtspunkt, ganz im Norden der Insel, kann ich den Startpunkt unseres Ritts und dahinter Capoliveri erkennen.

Elba Weine

Kleine Insel, aber eigener Weinanbau. Elbas Tropfen sollte man probieren

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Wer nicht gerade in den Ferienzeiten nach Elba kommt, hat sogar die verwinkelten Gasse für sich allein.

Den Festlandstreifen scheint man von hier aus fast schon greifen zu können. Ich blicke zurück über den gesamten Gipfelgrat, den wir entlanggefahren sind und picke mir in Gedanken die Highlights unserer Tour raus: der Ort, an dem ich einen Platten hatte, die kranke, steile Sektion mit dem losen Geröll, der Zickzack-Trail im Wald und der letzte schweißtreibende Anstieg. Gen Westen, über der Bucht von Portoferraio, erhebt sich der Kegelkopf des Monte Capanne.

Ich folge Holger und Karen in unseren letzten Abfahrts-Trail, der uns jetzt endgültig ganz unten am Meer ausspuckt. Beim Bier in der Strand-Bar sind wir uns einig: Es ist DAS Enduro-Juwel, dieses "andere Elba".

BIKE-Infos zu Elba

Die Insel
Elba liegt direkt vor dem Festland der Toskana und ist zehn Monate im Jahr ein perfektes Bike-Ziel. Nur in den beiden Hochsommermonaten ist die Insel sehr voll und das Klima zu heiß zum Biken. Insgesamt misst Elba nur 27 Kilometer in der Länge, aber in ihren beiden Gebirgsrücken – der eine von Ost nach West und der andere von Nord nach Süd – winden sich Hunderte von Wanderweg-Kilometern.

Elba-Cross Mountainbike

Auf Trails geht es nach Porto Azzuro hinab, dahinter auf der Halbinsel befindet sich der „Bikepark“ von Capoliveri.

Anreise
Wer unbedingt nach Elba fliegen möchte, bucht am besten einen Flug nach Pisa, fährt mit dem Mietwagen nach Piombino und setzt in 45 Minuten auf die Insel über. Preis Fähre inkl. Auto: ca. 50 Euro (einfach)

Unterkünfte
findet man in Porto Azzurro und Capoliveri das ganze Jahr über. Karte In der Kompass-Karte "Elba", Nr. 650 sind alle Wanderwege präzise eingezeichnet. Mit Schiebe-Passagen muss man jederzeit rechnen. Wir folgten dem GTE von Porto Azzurro nach Cavo und den Trails mit der Markierung 5 (sehr technisch), 7, 34 und 35 nahe des Monte Capanne und Campo nell’Elba. Aber es gibt noch mehr davon!

MTB Karte Elba

Nur 27 Kilometer lang, aber gespickt mit Trails für Mountainbiker: die Mittelmeer-Insel Elba.

Seine Geschichte, untermalt mit atemberaubenden Bildern, finden Sie auch unten als PDF-Download.

BIKE ist auch als Digital-Ausgabe erhältlich.

Dan Milner am 13.11.2013
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