Türkei: Kappadokien Türkei: Kappadokien Türkei: Kappadokien

Türkei: Kappadokien

  • Tobias Woggon
 • Publiziert vor 11 Jahren

Eine Landschaft, wie aus der Spritztüte: Kappadokien, die Hochebene im türkischen Zentral-Anatolien ist einzigartig. An ihren Trails kann man sich als Biker kaum sattsurfen.

Während die Aschewolke des Island-Vulkans überall in Europa die Flughäfen lahmlegt, steuert Achmet seinen Pferdekarren in aller Gemütsruhe auf einem holprigen Sträßchen durch Zentral-Anatolien. Er raucht seine Zigarette, vom weltweiten Chaos hat er keine Ahnung, es interessiert ihn auch nicht. Achmet ist Landwirt in Kappadokien, einer der ärmsten Regionen der Türkei, und wir haben uns auf unserer Tour auf sein Feld verirrt. Vulkane seien auch der Ursprung dieser spektakulären Gegend gewesen, erzählt er uns.

Vor Millionen von Jahren spuckten hier zwei Vulkane Feuer und Asche über das damals noch sumpfige Land und bildeten damit ein gigantisches Hochplateau: das heutige Kappadokien. Wind und Wasser modellierten aus dem bröseligen Tuffgestein schließlich diese fabelhaften Kegel und Türme heraus. Wenn es heute in dieser Gegend mal regnet, dann fließt das Wasser schwungvoll um diese Felsskulpturen herum. Dadurch schürft es ein Rinnensystem, das sich perfekt zum Flowbiken eignet. Der helle Tuffstein selbst fühlt sich rau an, die Reifen kleben daran. Manchmal spült uns ein Trail durch höhlenartige Gebilde, ständig im Auf und Ab, aber immer in schwungvollen Kurven. So, wie es das Wasser vorgegeben hat.

Doch als wir auf Achmets Feld stoßen, scheinen wir in eine Sackgasse geraten zu sein. Wir suchen den “Sunset-Point”, erklären wir dem Landwirt. Von diesem höher gelegenen Hügel aus sollen die Sonnenuntergänge besonders schön zu beobachten sein. Achmet zeigt uns die Richtung, meint aber, dass wir das mit den Fahrrädern vergessen könnten. Als wir den Punkt erreichen, steht die Sonne schon tief und färbt die Umgebung in ein orangefarbenes Licht. Die Luft ist klar und in der Ferne türmen sich die schneebedeckten Fast-Viertausender. Die Aussicht ist wirklich atemberaubend, aber nichts im Vergleich zu dem, was nun kommt. Laut Achmet gibt es von hier aus einen Trail durch das Red Valley, so heißt das Tal zu unseren Füßen, bis nach Göreme, dem Zentrum von Kappadokien. Natürlich hat man mit dem Bike auch hier keine Chance, höre ich Achmet noch sagen.

Wir rollen in den Trail und er ist einer der flowigsten, den ich jemals erlebt habe. Er windet sich zuerst in vielen langgezogenen Kurven über einen Canyon-Grat und schießt später durch eine Art Hohlweg in der Talsohle dahin. Irgendwann geht es wieder bergauf und wir stoßen auf ein Schild mit der Aufschrift “Kiosk”. Darunter ein Loch in der Felswand. Wir ducken uns hinein und stehen in einem Raum. Es ist kühl und in der Ecke sitzt ein Mann vor einer Saftpresse und einer Kiste mit Orangen. Eine türkische Lira zahlen wir für ein Glas Saft – das sind etwa 50 Cent. Wir fahren den Trail weiter und werden in Göreme ausgespuckt. Fast das gesamte Dorf wurde in den Fels geschlagen. Überall gibt es kleine Löcher mit Fenstern in den pilzförmigen Steinen. Selbst das Restaurant, in dem wir zu Abend essen, liegt im Felsinneren.

Nach sieben Tagen Freeriden durch die unterschiedlichsten Valleys in Kappadokien hat unser Guide Ayhan noch einen besonderen Spot für uns in der Tasche: das Love-Valley. Ein verwachsener Pfad führt uns durch dichtes Grün, durch Höhlen und Canyons, an einem kleinen Bachbett entlang und entlässt uns in eine freie Fläche mit unzähligen Felstürmen, die wie Phallus-Symbole in den Himmel ragen. Fast schon frech. Hier in Kappadokien hat die Natur ihren Spieltrieb einfach mal so richtig ausgelebt.


Den gesamten Artikel über Kappadokien finden Sie unten als PDF-Download.

In Kappadokien hat die Natur ihren Spieltrieb ausgelebt

Dort, wo Regenwasser fließt, entsteht ein Trail – mit Bio-Flow

Und irgendwo hier betreten wir durch ein Lock den "Kiosk" im Fels. Es gibt Orangensaft.

Ohne Worte....

Themen: KappadokienTürkei

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