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Schweden: Mountainbike Trail Bohusleden

Teil 2: MTB Abenteuer in Schweden auf dem Bohusleden-Trail

  • Daniel Klawczynski
 • Publiziert vor 6 Jahren

Mal wieder so richtig in der nordischen Wildnis verloren gehen? Die Naturgewalten zum Zweikampf fordern? Kein Problem auf dem Bohusleden-Trail durch den Südwesten Schwedens.

Einige Kilometer von Angered entfernt, wo uns ein herrlicher Pfad gerade durch eine Wald-Felsen-Landschaft den Wetterwahnsinn vergessen lässt, passiert es: Ich rutsche auf einem Steg mit dem Vorderrad weg und platsche in den tiefen Schlamm. Nach und nach passiert das auch meinen Kumpels. Das finden wir eine Weile zum Totlachen komisch, dann weniger und irgendwann nur noch zum Kotzen. Nie hätten wir mit solch technischen Abschnitten gerechnet. Bei schönem Wetter, ohne diese ganze Nässe, ohne Gepäck und mit Fullys, wären die kniffligsten Passagen bestimmt fahrbar. Leider habe aber nur ich ein Fully und muss trotzdem hin und wieder schieben. Es gäbe ja Alternativ-Routen, doch die Kartenausschnitte, die ich von der offiziellen Homepage des Bohusledens ausgedruckt habe, sind zu schmal. Sie zeigen zu wenig Umland. Also muss es reichen, wenn wir die Gabeln weicher machen, Luft aus den Reifen lassen und die Click-Pedale lockerer einstellen. Die Stimmung in der Gruppe hebt das allerdings nicht. Doch immer dann, wenn wir gerade maximal angepisst sind, setzt der Pfad ein freundlicheres Gesicht auf. Wie aus dem Nichts geht es auf einmal göttlich dahin. Die harten Zeiten sind dann sofort vergessen. Wir durchqueren Fichtenwälder mit saftig grünen Moosteppichen und rasten an chilligen Plätzen direkt am Seeufer.

Der skandinavische Gletscher hat hier einst wirklich schöne Ecken in die Landschaft modelliert. Von einer seiner letzten Aktionen profitieren wir jetzt, denn es geht fast mühelos auf plattgeschürften Steinplatten dahin. Rechts und links des Pfades liegen mannshohe Felskaliber herum. Manchmal passieren wir auch Felsklippen, was erstaunlich ist für diese eigentlich flache Region. Der höchste Punkt der Route liegt auf nur etwa 200 Metern Höhe. Dennoch geht es ständig bergauf oder bergab. Das ist nicht nur anstrengender, sondern auch zeitraubender, als wir dachten. So langsam bezweifle ich, dass wir mit zehn Tagen hinkommen.

Daniel Klawczynski Eine gigantische Landschaft hat der skandinavische Gletscher einst hinmodelliert. Durch die glasklaren Seen wischen jede Menge Fische und Otter.

112 Seen, dazu Moorlandschaften und all das im dichten Wald. Normalerweise würde man in solch einer Region von Mücken aufgefressen werden. Aber hier gibt es weder Mücken noch andere nervige Insekten.

Mittlerweile hangeln wir uns von See zu See. Es gibt die ganz kleinen, kristallklaren Wasserspiegel, die hinter Bäumen aufblitzen, aber auch größere mit steinigen Inseln in der Mitte. An den schönsten Uferstellen finden wir oft eine Hütte zum Übernachten. Die fehlende Wandseite dieser Unterkünfte macht uns schon lang nichts mehr aus. So liegt man im Schlafsack unterm Dach, blickt aber panoramamäßig über einen schönen See. Was allerdings wirklich merkwürdig ist: Es gibt keine Mücken oder andere nervige Insekten. In Lappland oder auch zu Hause in Polen hätten uns die nervigen Sauger längst aufgefressen. Hier aber können wir völlig unbelästigt Pilze sammeln, Fische angeln und alles zusammen dann gemütlich überm Feuer brutzeln. Und wenn das Feuer am Ende richtig schön brennt, riskieren wir auch mal ein Vollbad im See. Das sind die Momente, in denen unsere Welt wieder rundherum in Ordnung ist.

In Skandinavien hat diese natürliche Art zu leben sogar einen Namen: friluftsliv – Freiluftleben. Wir haben die Natur hier praktisch schon auf der Haut. Das Wasser der Seen hat einen leicht rötlichen Schimmer von den Heidelbeerbüschen. Für ein Bad in diesem Extrakt zahlt man in Wellness-Hotels viel Geld. Hier spülen wir sogar unser Geschirr darin. Die rötlichen Ränder lassen sich bald kaum noch wegrubbeln. Elche treffen wir leider nicht an, dafür sehen wir Otter durchs Wasser wischen. Ich spüre richtig, wie sich meine körpereigenen Batterien in dieser Natur wieder aufladen – auch ohne Sonne.

Um das letzte Quäntchen Moral noch zu retten, losen wir ein Expeditions-Team zusammen. Der Auftrag: Finde die Zivilisation und bring Bier und irgendwelche leckeren Sachen zum Essen mit.

Ich glaube, der einzige Grund, warum wir am siebten Tag überhaupt wieder aufs Bike steigen, ist die tolle Landschaft. Es hat über Nacht wieder zu schütten begonnen. Das Wasser ist jetzt überall. Selbst auf unserem Trail bahnt sich ein kleiner Strom seinen Weg. Wir kurbeln und kurbeln und bleiben immer wieder im Schmodder hängen. Wieder versumpft unser Zeitplan, denn wir sind nach wenigen Kilometern so durchgeweicht, dass wir beschließen, den restlichen Tag in einer Hütte zu verbringen. Zu unserem großen Glück ist die nächste Unterkunft sogar mit vier Wänden, vier Pritschen und einem Kamin ausgestattet. Perfekt zum Trocknen aller Klamotten. Doch während unsere Habseligkeiten so vor sich hin dampfen, kommen bei uns Zweifel auf. Macht es überhaupt noch Sinn, weiterzufahren? Dieser verdammte Regen hat uns sämtliches Testosteron aus den Gliedern gespült. Um das letzte Quäntchen Moral noch zu retten, losen wir ein Expeditions-Team zusammen. Der Auftrag: Finde die Zivilisation und bring Bier und irgendwelche leckeren Sachen zum Essen mit. Nach einem 24-Kilometer-Ritt gen Westen kehrt das Team tatsächlich mit großer Beute zurück. Derweil habe ich Feuer gemacht und Pfifferlinge gebraten, die ich in der Nähe gefunden habe. Dieser Abend wird wirklich lustig.

Bis am nächsten Morgen wieder unser Sparringspartner an die Tür trommelt: Der Regen hat heute zur Abwechslung Sturmböen mitgebracht. Unsere immer noch klamm-feuchten Klamotten geben jetzt jeden Widerstand auf. Das Wasser suppt oben durch die Jacke, bahnt sich direkt auf der Gänsehaut den Weg durch die Hose und sammelt sich schließlich in den Schuhen. Dort vermischt es sich mit dem letzten Rest unseres Trophy-Spirits, bevor es bei jedem Schritt durch die Schnürlöcher zurück in die Natur sprudelt. Unser Wille ist gebrochen. Wir verlassen den Pfad und schlagen uns gen Westen durch den Wald. Irgendwann müssen wir auf die Straße treffen, die zum nächsten Dorf führt. In Munkedal soll es eine Pension geben. Wir finden aber keine. Vielleicht sind wir auch schon dran vorbeigefahren? Ehrlich gesagt, wissen wir überhaupt nicht mehr, wo wir sind. Ein Jäger hilft uns aus der Klemme. Wir dürfen eine Nacht in seinem Wohnwagen verbringen. Darin gibt es einen Gasherd, um den wir unsere Sachen zum Trocknen drapieren können. Leider kann ich dieses Chaos nicht mehr mit der Kamera festhalten – sie macht keinen Mucks mehr. Die Nässe hat sogar die gute, wasserfeste Kamera in die Knie gezwungen.

Beim Abendessen wird besiegelt, was alle längst wissen: Die restlichen Etappen nehmen wir nächstes Jahr in Angriff. So sitzen wir am nächsten Tag im Zug zurück nach Göteborg und weiter nach Malmö. Zwei Tage Großstadt-Dschungel, haben wir uns überlegt, denn da ist der Regen egal. Wir sind kaum in Malmö ausgestiegen, da kehrt der schwedische Sommer zurück.

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    Teil 3: Infos zum Bohusleden-Trail in Schweden

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