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Schweden: Mountainbike Trail Bohusleden Schweden: Mountainbike Trail Bohusleden

Schweden: Mountainbike-Trail Bohusleden

MTB-Abenteuer in Schweden: Bohusleden-Trail

Daniel Klawczynski am 25.11.2015

Mal wieder so richtig in der nordischen Wildnis verloren gehen? Die Naturgewalten zum Zweikampf fordern? Kein Problem auf dem Bohusleden-Trail durch den Südwesten Schwedens.

Okay, der Bohusleden ist ausgeschildert. Ein 360 Kilometer langer Wanderweg von Göteborg nach Strömstad, nahe der norwegischen Grenze. Das klingt nicht gerade nach einem Abenteuer, das den Überlebenswillen aus den Poren kitzelt. Mehr so nach Bällebad im Erlebnispark. Und eigentlich hatte ich bei Google auch "Lappland", ganz im Norden Skandinaviens, eingegeben. Dünn besiedelte Urlandschaft, raues Klima – da ist sicher eine Menge Testosteron nötig, um zu überleben. Doch bei der Recherche stieß ich auf den Bohusleden. In Foren und Blogs schwedischer Enduro-Biker tauchte der Name immer wieder auf. Ein Pfad, der durch den südwestlichen schwedischen Wald führt. Einsam und unberechenbar sei der Weg. Obwohl keine nennenswerten Berge in Sicht seien, "… ist die Route nicht flach und schon gar nicht einfach", stand da verheißungsvoll. Doch allein die Vorstellung, dass wir unterwegs 112 Seen passieren würden, überzeugte auch meine Kumpels. So könnten wir uns jederzeit abkühlen, wenn es zu heiß werden würde.

Statt Sonne – Pilze!

Leider haben wir uns mit dem Start der Tour auf Mitte August einigen müssen. Als wir mit der Fähre von Polen aus in den Hafen von Göteborg einlaufen, ist uns bereits übel vom harten Seegang auf der Ostsee. Ich wusste es! Schon einmal habe ich schlechte Erfahrungen mit dem skandinavischen Spätsommer gemacht. Im Regen schlurfen wir die Gangway hinunter und schnappen aus den Gesprächen anderer Passagiere auf, dass der Sommer praktisch mit unserer Ankunft zu Ende ging. 

"Egal, dann gibt’s im Wald wenigstens Pilze, die wir essen können", muntern wir uns gegenseitig auf. Ich fürchte nur, für Pilze ist es fast zu kalt. Meine Jacke ist bin zum Kinn zugezippt. Wahrscheinlich werden wir wegen des schlechten Wetters mit zusätzlichen Schwierigkeiten rechnen müssen. Der Bohusleden führt nämlich über weite Strecken durch eine Moor- und Sumpflandschaft. Wenn die sich mit dem Regen erst mal richtig vollgesaugt hat, werden wir bestimmt eine Menge Zeit verlieren. Was schlecht wäre, denn wir haben uns das ehrgeizige Ziel gesteckt, die 360 Kilometer in zehn Tagen zu schaffen.

Fotostrecke: Schweden: Mountainbike Trail Bohusleden

In Lindome, einem südlichen Vorort von Göteborg, geht es los. Als wir den markierten Holzpfahl am Eingang unseres Abenteuers erreichen, sickert bereits das erste Wasser durch meine Regenjacke. Es regnet jetzt in Strömen. Von oben, dank Sturmböen auch von der Seite, und ich habe das Gefühl, von unten regnet es auch. Nichts in Sicht, was auf eine Wetterbesserung hindeuten könnte. Daher kurbeln wir nur ein paar Kilometer, bis die erste Hütte auftaucht. Hier bleiben wir über Nacht, bei dem Regen macht Fahren einfach keinen Sinn. Diese Hütten waren ein weiterer Motivationspunkt für diese Route. 36 Windschutzhütten warten entlang der gesamten Route. Hölzerne Heuschober mit nur drei Wänden. Vor der fehlenden vierten Wand gibt es meist eine Freiluftfeuerstelle mit Grillrost. Nur heute können wir das Feuermachen vergessen, das Holz ist durchgeweicht. Dabei ist das Lagerfeuer am ersten Tag eines Abenteuer-Trips so ein wichtiger moralischer Programmpunkt!  Na ja, wenigstens haben wir ein Dach überm Kopf.

Statt am Lagerfeuer zu relaxen, sortieren wir unser Gepäck noch mal. Wir stopfen die Klamotten so zusammen, dass das Wichtigste möglichst trocken bleibt. Da wir ja ohne Hilfe der Zivilisation auskommen wollen, mussten wir uns exakt vorbereiten. Obwohl wir wegen der Hütten kein Zelt, sondern nur eine Plane mitgenommen und alles bis aufs Kleinste durchdacht haben, konnten wir nicht alles Gepäck im Rucksack unterbringen. Daher sind wir zum ersten Mal zusätzlich mit Gepäckträger und Gepäcktaschen unterwegs. Eigentlich eine Schande für Abenteurer, aber tatsächlich hält uns das den Rücken etwas freier, und die Trails machen mehr Spaß. Zumindest hier im südlichen Teil der Route, wo sich der Pfad noch zivilisiert durch den Wald schlängelt. Weiter gen Norden soll die Strecke deutlich wilder werden – aber genau das wollten wir ja: unsere persönliche Bike-Trophy!

27 Etappen für den Bohusleden-Trail

Insgesamt ist der Bohusleden in 27 Etappen unterteilt. Die ersten sind relativ einfach zu fahren. Sie ziehen sich noch durch die städtische Peripherie. Doch es dauert gar nicht lang, bis erste Überraschungen auftauchen: moosbewachsene Steine, einzelne Felsen, tückische Wurzeln, und nasse Stege wollen überquert werden. Doch die erste echte Unannehmlichkeit, die uns bis zum Ende der ganzen Tour begleiten wird, ist: Wasser in den Schuhen. Und es gibt absolut nichts, was man dagegen tun kann. Über manche Moorlandschaften führen nur Holzbohlen. Die Bretter sind schmal und rutschig. Eine ruckartige Lenkbewegung reicht, und man muss im Morast mit dem Fuß absetzen. Da würden nicht mal Gummistiefel helfen.

Schweden: Mountainbike Trail Bohusleden

Einmal von den teils verrotteten Bohlen abzurutschen, ist lustig. Doch ab dem fünften Mal ist es mit der Laune vorbei. 

Es gibt bestimmt Alternativstrecken. Doch leider haben wir nur die Kartenausschnitte von der offiziellen Homepage ausgedruckt. Sie sind zu schmal, um die Umgebung drumherum noch abzudecken. Wir wissen nur: Irgendwo im Westen ist die Zivilisation.

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Daniel Klawczynski am 25.11.2015