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Mountainbike-Touren im Süden Norwegens

Norwegen: Bike-Touring an der Südküste

Tobias Liljeroth am 23.12.2014

Wenn man die Art des Bikens an Norwegens steiler Südküste mal verstanden hat, öffnen sich völlig neue Touren-Möglichkeiten. Fotograf Mattias Fredriksson tastete sich ans „Toppturssykkling“ heran.

Wie viel Spaß wird ein Trail wohl bergab machen, wenn man bereits bergauf knietief in seinem Matsch versinkt? Ich bin inzwischen fast so kraftlos, dass ich mich in den Schmodder einfach reinfallen lassen möchte. Allerdings wäre das keine gute Idee, denn unter dem Schlamm spüre ich, wie sich scharfkantiges Geröll durch die Schuhsohlen bohrt. Dabei haben wir extra bei den Locals nach dem richtigen Weg gefragt. Einem ernstzunehmenden Gerücht nach soll sich von diesem Berg namens Mefjellet nämlich der beste Trail der gesamten Region hinunterwickeln. Die Locals wussten sofort, welche Abfahrt gemeint war. Nur, dass das Hochlaufen zum Gipfel zu solch einer Tortur ausarten würde – das hatten sie nicht erwähnt.

Definitiv nicht gelogen aber war die Beschreibung der Landschaft. Wir stapfen gerade durch Norwegens Süden, genauer gesagt durchs Valldal-Gebiet mit seinen spektakulären Sunnmore-Alpen. Wie eine grüne Skyline ragen diese Berge dicht gedrängt und unfassbar steil aus dem Geiranger-Fjord. Manche Gipfel sind 2000 Meter hoch und jetzt im Juli noch mit Schnee bedeckt. Eingekeilt zwischen diesen Riesen misst unser Berg Mefjellet gerade mal 1100 Meter. Deshalb kämpfen wir uns auch nicht durch blitzsauberen Schnee, sondern eben durch Matsch. Und das schon seit einer gefühlten Ewigkeit. Zwar konnten wir am Fuß des Berges mit dem Auto ein paar Höhenmeter zurücklegen, doch dann zwang uns ein geschlossenes Tor zum Umsteigen auf die Bikes. Von dort pressten wir eine steile Schotterpiste zu einem alten Dorf hinauf und beruhigten unseren Puls dort erst mal bei einer tollen Aussicht.

Fotostrecke: Norwegen

Doch anschließend war klar: Jetzt müssen die Bikes geschultert werden. Der Wanderpfad wäre schon ohne Ballast eine Herausforderung gewesen. Erst suchten unsere Sohlen nur Halt in scharfkantigem Geröll, dann taten sich die ersten Matschpfützen auf, und jetzt waten wir eben durch eine kraftraubende Kombination aus beidem. Doch kaum haben wir die Baumgrenze hinter uns gelassen, wird der Brei fester. Reifenspuren zeichnen sich jetzt in einer Art Pizzateig ab. Ein Beweis dafür, dass erst kürzlich Biker hier runtergefahren sind. Igitt! Dafür zerren jetzt eisige Windböen an uns. Kurz vor dem höchsten Punkt rückt der Liahornet ins Blickfeld, sein markanter Gipfel zeichnet sich wie eine Haifischrückenflosse scharf am Himmel ab. Wieder will uns eine Windböe von der Seite umblasen. Doch diesmal schleudert sie uns zusätzlich noch einen Regenvorhang ins Gesicht. Ich drehe meinen Kopf aus dieser Schreckdusche und: entdecke dabei den gesuchten Trail-Einstieg.

Keine 50 Meter entfernt weisen Pfeile in die Abfahrt. Wir stürzen uns so gierig in den Trail, wie dicke Kinder auf einen Schoko-Pudding. Überraschenderweise ist dieser Pfad fast trocken. Die Reifen greifen in satten Erdboden. Ein paar Kurven, dann droppe ich als Erster über eine Felsstufe – Adrenalin schießt durch meine Venen bis ins Alarmsystem meines Gehirns, und das sagt: Aus! Vorbei! Das war die Kante ins Nichts …! Doch der Trail-Gott meint es gut mit mir. Gemein hart schlage ich doch noch mal auf Mutter Erde auf. Der Blick zurück: Die anderen konnten an der Felskante noch abbremsen. Der Blick nach vorne: Senkrecht vor meinen Füßen wartet der freie Fall in den Fjord. Puh, 900 Höhenmeter! Es dauert eine Weile, bis ich das Adrenalin wieder aus dem Körper geatmet und meine Knochen sortiert habe. Dann geht’s weiter: Der Trail wechselt bald aus seiner hochalpinen Region in einen sattgrünen Wald aus gekrümmten Bergbirken. 

Alles über das Toppturssykkling in Norwegen (BIKE 12/2014) können Sie in der BIKE-App (iTunes und Google Play) lesen oder die Ausgabe im DK-Shop nachbestellen:

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Norwegen

Vom Hochgebirge direkt in den Birkenwald.

Tobias Liljeroth am 23.12.2014