Island: Inselüberquerung mit dem Bike Island: Inselüberquerung mit dem Bike Island: Inselüberquerung mit dem Bike

Hans Rey und Steve Peat in Island - mit Video-Clip

Island: Inselüberquerung mit dem Bike

  • Hans Rey
 • Publiziert vor 5 Jahren

Auf Island bewegen sich Biker meist auf den klassischen Wander-Routen. Nicht Freeride-Legende Hans Rey und Downhill-Profi Steve Peat. Sie starteten am Polarkreis zur abenteuerlichen Inselüberquerung.

Okay, Peatys Wortspiel kommt im Deutschen jetzt nicht so gut, aber aus Sicht des Briten ist es ein verständlicher Gedanke: "Verrückt, da heißt die eine Insel Iceland und ist eigentlich grün, während Greenland kaum grün, sondern total vereist ist." Solche Dinge fallen meinem Kumpel Steve ein, als wir gerade ganz andere Sorgen haben. Es ist nachts, 23 Uhr. Kalter Regen peitscht uns um die Ohren. Und wir stehen mitten in Islands Wildnis – mit Achsbruch am Land Rover. Aber aus Erfahrung wissen wir: Ein Abenteuer ist erst dann eins, wenn die Dinge anfangen, schiefzulaufen. Blöd nur, dass das Abenteuer schon losgeht, bevor wir den Ausgangspunkt unserer Tour erreicht haben.

Wir wollen die größte Vulkaninsel der Welt mit dem Bike überqueren. Aber nicht auf den Haupt-Routen, sondern auf Trails, die mitten durch das extrem einsame Inselinnere führen. Seit 20 Jahren will ich diesen Trip schon machen. "Alles möglich", hatte Runar begeistert gemeint, "aber nicht ohne Support." Ich hatte den Isländer vor Jahren auf einem Event getroffen und ihm die Idee erzählt. Heute übernimmt er die Logistik dieses Trips. In sechs Tagen von der Nordküste nahe des nördlichen Polarkreises bis zum Skogafoss-Wasserfall im Süden der Insel. Runar wird uns über die Trails führen, während Magne unser Gepäck samt Campingausrüstung im Begleitfahrzeug transportiert.

Island: Inselüberquerung mit dem Bike

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Auf Island bewegen sich Biker meist auf den klassischen Wander-Routen. Nicht so Freeride-Legende Hans Rey und Downhill-Profi Steve Peat. Sie starteten am Polarkreis, dem 66. Breitengrad, zu einer abenteuerlichen Inselüberquerung. 

Als uns die beiden in Akureyri am Flughafen abholten, dachten wir noch, die beiden wollen mit uns zum Mond fahren: Ihr Land Rover ist mit gigantischen 36-Zoll-Reifen bestückt. Tja, und dann schaffen wir es damit noch nicht mal bis zum Touren-Startpunkt. Dafür haben wir Handy-Empfang – was im praktisch unbewohnten Inselinneren wohl auch nicht selbstverständlich ist. Runar telefoniert, und wenig später holt uns der Hüttenwirt unserer ersten Unterkunft ab. Nur Magne wird die Nacht im Auto verbringen. Er hat Ersatzteile bestellt und will den Schaden bis morgen früh reparieren. Da haben wir es am nächsten Morgen deutlich einfacher: 50 Kilometer kurbeln wir am ersten Tag in Richtung der Dettifoss-Wasserfälle. Dabei folgen wir dem Jökulsarglufur-Trail entlang des Flusses. Der Pfad besticht durch einen perfekten Natur-Flow. Manchmal wechselt er die Uferseiten, dann müssen wir durchs Wasser waten. Erst auf den letzten Kilometern wird der Trail kantiger und verblockter. Da wir heute leider sehr spät gestartet sind, werden diese Passagen jetzt nur noch gedimmt von der Mitternachtssonne ausgeleuchtet. Das ist selbst für Steve und mich eine ziemliche He­rausforderung. Um diese Jahreszeit wird es auf Island ja kaum noch richtig dunkel. Als schließlich die Mitternachtssonne im Westen steht, der blaue Mond im Osten und sich vor uns das fabelhafte Land der Elfen und Trolle auftut, müssen wir kurz stehen bleiben, um sicherzugehen, dass wir nicht träumen.

Ungemütlich wird es erst, als wir die Highlands in der Askja-Region erreichen. Hier stapfen wir im Wechsel durch eiskalte Flussläufe und Schneefelder. Stets dem Gegenwind ausgesetzt, fühlt es sich an, als würden wir die Arktis durchqueren. Tatsächlich hätten wir Islands kältesten Sommer seit 50 Jahren erwischt, sagt Runar und klingt ein wenig besorgt. Ranger Drekagil habe ihm von der weiteren geplanten Route abgeraten. Dieses Jahr hätten noch nicht mal Wanderer den einzigen Passübergang von der Nord- zur Südseite der Insel begangen. Da läge einfach zu viel Schnee. Das wollen wir natürlich nicht glauben. Doch als wir uns schiebenderweise bis zur Schneegrenze hochgekämpft haben, können auch wir das Ausmaß erahnen: 60 Kilometer müssten wir durch tiefen Schnee stapfen. An Fahren ist nicht zu denken, und Peatys letzte Kreuzband-OP ist erst ein paar Wochen her. Es nützt nichts: Runar ruft unser Begleitfahrzeug zurück. Magne hatte das riesige Schneefeld fast schon umfahren, um uns am anderen Ende wieder in Empfang zu nehmen. Jetzt muss er die 250 Kilometer zurückfahren. Wie gut diese Entscheidung war, erfahren wir erst am nächsten Tag: Das Wetter schlägt um.

Scott Markewitz Kartenstudium schützt vor Irrwegen

Selbst hartgesottene Isländer sitzen bei Sturm und Graupel lieber im Warmen. Also steuern wir den nächstgelegenen Wellness-Bereich der Insel an: einen Fluss, der durch ein dampfendes Lava-Feld kurvt. Barfuß klettern wir vorsichtig über das schwarze, scharfkantige Vulkangestein, bis wir in die 42 Grad warme Badegumpe hineingleiten können. Ein guter schottischer Whisky dazu – herrlich.

Nach einem halben Tag im Auto setzt uns Magne am Südende des Schneefeldes wieder aus. Das Wetter bleibt mies. Die Flüsse, die wir hier auf der Südseite der Insel überqueren müssen, sind jetzt hüfttief. Nach 60 Kilometern sind wir froh, als wir das Begleitfahrzeug mit unseren trockenen Klamotten entdecken.

Als sich am nächsten Tag wieder die Sonne durch die Wolken bohrt, erkennen wir wieder, warum wir uns das alles antun: Rechts und links werden wir nun von Gletschern flankiert. Wir passieren riesige Flussdeltas und Lava-Felder. Thor selbst muss die Trails in diese grobe, wilde Felskulisse gehämmert haben. Doch all das wird auf der letzten Etappe noch getoppt: Auf der Fimmvörduhals-Route donnern neben dem Trail auch noch unzählige Wasserfälle ins Tal, bis wir schließlich vor dem Skogafoss-Wasserfall stehen – unserem Ziel. Wieder ist es Mitternacht geworden. Die Touren-Tage auf Island sind grandios, aber auch verdammt lang.


ISLAND INFO


Die Tour Auf eigene Faust ist diese sechstägige Tour ein extrem hartes Unterfangen. Es gibt unterwegs keine Unterkünfte und Verpflegungsmöglichkeiten. Besser, man vertraut sich einem lokalen Veranstalter mit Begleitfahrzeug an. Er kennt die besten Trails durch die nicht ungefährliche Gletscher- und Vulkanlandschaft. Infos: Icebike Adventures, www.icebikeadventures.com


Anreise Mit dem Flugzeug nach Reykjavik und weiter per Anschlussflug nach Akureyri


Beste Jahreszeit Von Anfang Juni bis Ende August. Selbst im Sommer klettern die Temperaturen auf der Insel selten über 15 Grad. Wer Pech hat (so wie wir), trifft auch im Sommer auf jede Menge Schneefelder. Da die Sonne in dieser Zeit kaum untergeht, hat man für die Tagesetappen aber jede Menge Zeit.

Scott Markewitz Auf der ersten Etappe vom nördlichen Polarkreis zum Dettifoss-Wasserfall: 45 Meter stürzt das Wasser hier in die Tiefe.


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