Europa: Abenteuerziele für Mountainbiker Europa: Abenteuerziele für Mountainbiker

Europa: Abenteuerziele für Mountainbiker

Wo Biker noch Entdecker sein können: 10 Abenteuerziele

Gitta Beimfohr am 06.07.2017

Auf heimischen Trails ist man König, auf den Gardasee-Trails vielleicht schon Kenner – und auf den Kapverden? Ein Entdecker! Abenteuerziele, die den Horizont um exotische Trail-Erlebnisse erweitern.

Hinterm Horizont: Von Rumänien bis zu den Kapverden – wo Biker noch Entdecker sein können. Das sind unsere Abenteuerziele:

Fotostrecke: Europa: 10 Abenteuerziele für Mountainbiker

Europa: Abenteuerziele für Mountainbiker

Schottland: Wo Bremsscheiben Urlaub und Kurvenradien selbst bergauf Spaß machen: Wer Trails liebt, muss den Flow durch die schottischen Mittelgebirge einfach mal in sich aufgesogen haben. Hinter den Trailcentern "7 Stanes" (sieben Steine), die südlich von Edinburgh warten, stecken die Forstbehörden. Sie wollen mit diesem Projekt mehr Menschen in Wald und Natur locken. Sieben Regionen starteten, mittlerweile pflegt jeder dritte Ort eine Trail-Runde im Hinterland. Das Prinzip ist immer das Gleiche: Auf einem zentralen Parkplatz löst man für drei Pfund ein Parkticket, wählt auf der Trail-Tafel einen Loop aus (leicht, mittel, schwer) und folgt einfach der lückenlosen Wegmarkierung. Bis zu 25 Kilometer lang wickeln sich die Trails durch Wiesen, moosige Wälder und Heidekraut. Geradeausfahrten gibt es nicht. Die Trail-Bauer haben jede Gelegenheit für spielerische Kurvenelemente genutzt. Zurück im Trailcenter warten Bike-Waschplatz, Coffee-Bar mit Scones und Hamburgern und manchmal auch ein Bikeshop. Unsere Favoriten: Innerleithen, Wolftrax und Glentress. | Flug nach Edinburgh und mit dem Leihwagen von einem Trailcenter zum nächsten cruisen (Linksverkehr!). Infos zu allen schottischen Trailcentern: www.ibikeride.com

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Madeira: Obwohl Madeira auf Portugiesisch Wald bedeutet, wird die Insel zwischen den Azoren und den Kanaren doch die Blumeninsel genannt. Gerade an der subtropisch-warmen Südküste blüht es tatsächlich das ganze Jahr über. Englands Biker wissen das längst, und so hat sich in den letzten 15 Jahren bereits eine lückenlose Infrastruktur entwickelt. Verleihstationen, Touren-Guides, Shuttleservice, Shops und vor allem gepflegte Trails werden hier rege genutzt. Mitbringen sollte man allerdings eine gute Fahrtechnik, und wer auf den Shuttleservice verzichten will, auch gute Kondition, denn Madeiras Vulkanberge sind richtig steil. | Flug: von Deutschland nach Funchal (FNC) ab 150 Euro, Flugzeit : 4,5 Std. Karte: Madeira Tour & Trail Map (1:40000), 7,49 Euro. Shuttle, Leih-Bikes, Touren: www.bikulture.com, www.lokolokomadeira.com, freeridemadeira.com

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Kapverden: Pflastersteine sollte man mögen, wenn man auf die 15 Inseln vor der westafrikanischen Küste fliegt. Die kapverdischen Straßen- und Wegebauer sind wahre Künstler im Pflastersteinelegen. Fast schon spiralenartig wickeln sich die Wege senkrechte Vulkanwände hinauf. Bergauf hat man hier mit dem Bike oft keine Chance – und bergab nur mit ordentlich Federweg, sehr guten Bremsen und filigraner Kurventechnik. Da die Vulkaninseln in der Sahelzone liegen, regnet es hier extrem selten, und die Temperaturen fallen nie unter 20 Grad. Dafür klebt in den bis zu 2000 Meter hohen Wüstenbergen gern dichter Nebel, und Stürme fegen um die Grate. Gesprochen wird Portugiesisch! | Flug: von Deutschland direkt nach Sal und Boa Vista (6 Std.) ab ca. 250 Euro. Dann per Inlandflug (TACV) oder Fähre nach Santo Antao, Santiago und Sao Nicolau. 

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Griechenland: In den Thronsaal des Olymps Bike-Urlaub auf einer griechischen Insel klingt immer ein bisschen nach Ziegenpfadrunden zwischen Strandliege und Hafenmole. Die Gebirge auf dem Festland aber umweht seit der Antike ein Heldenmythos. Egal, ob man sich an eine mehrtägige Überquerung des Göttersitzes am Olymp (2918 m) heranwagt, oder Apollon, dem Gott des Lichts, einen Erstbefahrungsbesuch am Parnass abstattet. Einsame und grobe Maultierpfade sind garantiert, Bären- und Wolfsbegegnungen möglich und Irgendwie-schon-mal-gesehen-Momente komplett ausgeschlossen. Wem das zu abenteuerlich ist: Wie wäre es mit der Anmeldung zum Team-Etappenrennen übers Pindos-Gebirge? | Infos zur Olymp-Überquerung und dem Bike-Odyssey-Rennen

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Madrid: Sierra de Guadarrama – schon mal gehört? Gut, das 2430 Meter hohe Gebirge türmt sich ja nicht gerade direkt vor unserer Haustür auf, aber doch vor den Nordtoren Madrids. Die Römer, Napoleon, Franco und jede Menge Banditen trieben hier über Jahrhunderte ihr Unwesen und haben dabei ein dichtverzweigtes Pfadnetz hinterlassen. Die Trails führen kurvenreich durch Kiefern- und Steineichenwälder, passieren mittelalterliche Burgmauern und Schützengräben aus Bürgerkriegszeiten. Als Biker kann man sich hier regelrecht verlieren. Schon deshalb sollten GPS-Gerät, Karte und Schlafsack im Gepäck nicht fehlen. | In einer der nächsten Ausgaben von BIKE erscheint eine Reportage des britischen Fotografen Dan Milner über die Sierra de Guadarrama. Wer jetzt schon mehr Infos braucht: www.blacktowntrails.com

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Menorca: Mallorcas kleine Schwester umrunden Menorcas 358 Meter hohen Gipfel könnte man nach einem Strandtag schnell noch erklimmen. Für die 180 Kilometer lange Umrundung der Insel sollte man sich dagegen besser vier Tage Zeit nehmen. Die Route folgt dem Cami de Cavalls, einem historischen Reitweg, der die Leuchttürme miteinander verbindet. Früher ritten hier die Wachposten, um Piraten rechtzeitig zu melden. Heute dürfen auf ihm Biker über Steilküsten, Sandstrände, Sumpflandschaften und durch uralte Eichenwälder touren. Das Auf und Ab über technische und teils einsame Pfade kostet erstaunlich viel Kraft! | Der Cami de Cavalls (180 km/3700 hm) startet in Sa Mesquida und ist ausgeschildert. Von Dezember bis April gibt es keine Direktflüge und geöffnete Unterkünfte sind rar. Infos: www.camidecavalls360.com

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Abruzzen: Etwa am Wadenansatz des italienischen Stiefels türmen sich die bis zu 2912 Meter hohen Abruzzen. Ein im Sommer sehr verlassenes, karstiges Teilgebirge des Apennin. Sehr unitalienisch verfangen sich hier gern Regenwolken. Daher ist es wichtig, dass man nur bei gutem Wetter und früh morgens aufbricht, um auf den Pfaden entlang der Berggrate zu balancieren. Bei Nebel oder Gewitter besteht in der baumlosen Gipfelregion Lebensgefahr. Unterschlupf bieten vereinzelte Rifugios, mit oft überraschend liebevoll geführter Küche. | Stefan Stuntz, alias "Der Alpenzorro", hat die Erfahrungen seiner Abruzzen-Durchquerung sehr informativ und lesenswert in BIKE beschrieben.

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Rumänien: 1300 Kilometer sind die Karpaten lang. Erstaunlich, dass sie noch kein Biker der Länge nach in Angriff genommen hat. Immerhin durchquert man dabei ein Stück Österreich, die Slowakei, die Ukraine, Polen, Rumänien und Serbien. Wobei das knapp 3000 Meter hohe Gebirge in Rumänien eine Kurve Richtung Südosten dreht und dort besonders spannend ist: Transsilvanien heißt diese Region. Berühmtester Einwohner: Graf Dracula. Unwahrscheinlich, dass man den Blutsauger rund um sein Schloss Bran antreffen wird. Dafür aber vielleicht Bären, Wölfe und Luchse. Und in jedem Fall Landbewohner, die mit Sense, Pferdekarren und noch in einer völlig anderen Zeit unterwegs sind. | Karten-Tipps geben www.karpatenwilli.com, www.transylvaniatravel.net und www.karpaten-offroad.de. Geführte Trans-Rumänien-Tour: Bike Alpin, www.bikealpin.de

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Marokko: Mit dem Bike über den Hohen Atlas bedeutet viel rotes Sandgestein, Pistenkurven bis auf knapp 3000 Meter Höhe, Wüstenhitze, Schluchten, Flussdurchquerungen und Rasten in mittelalterlichen Berber-Siedlungen. Ab Ende März etwa dürfte das 4000 Meter hohe Gebirge im Norden Marokkos wieder schneefrei und befahrbar sein. Da man sich in der Wüste aber komplett selbst verpflegen muss, sollte man einen Guide, mindestens aber ein Begleitfahrzeug zur Seite haben. Denn Schlafsack, Zelt, Wasser und Verpflegung im Rucksack zu schleppen, macht bei 35 Grad im Schatten weniger Spaß. | Gute Adressen: www.atlas-mountainbiking.com, www.freeridemorocco.com, www.bike-adventure-tours.ch . Eine Atlas-Überquerung als Etappen-Rennen gab es 2017 bereits: Titan Desert Race, www.titandesert.es

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Elba: Die kleine Insel der Toskana klingt erst mal nicht besonders abenteuerlich. Familien mit Kleinkindern machen hier bevorzugt Urlaub. Allerdings meist zwischen Strand und Gelati-Buden. Nur wenige Pedalumdrehungen von der Küste entfernt entführen die Schotterstraßen bereits ins einsame Inselgebirge, wo sie sich in ein dichtes Netz von Trails aufdröseln. So sind hier neben Tages-Touren auch eine mehrtägige Umrundung oder Überquerung der Insel möglich. Am spannendsten natürlich auf einer selbst zusammengestellten Route. Doch Vorsicht: In der Macchia lauern dornenreiche Sackgassen. | Wer es etwas weniger abenteuerlich braucht und Sackgassen meiden möchte, nimmt sich den neuen Elba-Guide von Andreas Albrecht zu Hilfe. Darin sind alle fahrbaren Abschnitte beschrieben. Infos: www.gps-bikeguide.com


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Gitta Beimfohr am 06.07.2017