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Hometrails Marcus Klausmann: Freiburg & Schwarzwald

  • Björn Kafka
 • Publiziert vor 5 Jahren

Marcus Klausmann ist Deutschlands erfolgreichster Downhill-Profi. Keiner hat mehr Trophäen im Abfahrtssport gesammelt als er. Jetzt hat er seinen Job an den Nagel gehängt – zumindest teilweise.

Marcus Klausmann hechelt am Limit, während Mara und Minza (beide 4) sich vor Lachen auf dem Boden kugeln. Es ist 7:15 Uhr. Klausmann tropfen die Schweißperlen von der Stirn. "Minza, komm bitte kurz, die Schuhe noch", versucht er seine Zwillingstochter zu überreden. Die findet das Gegenteil lustig. Sie zieht sich eine Socke aus, und schwupps, segelt sie im hohen Bogen durch den Raum. Klausmann, der 15fache Deutsche Downhill-Meister hechtet hinterher. 7:16 Uhr – in 14 Minuten müssen Mara und Minza im Kindergarten sein. Ein Stockwerk höher poltert der Große: Levin (7) sucht noch die letzten Schulsachen zusammen. "Oh nee, der ist auch zu spät dran", murmelt der 38-Jährige und klettet den Zwillingen die Schuhe zu. Dann rast Levin die Treppe runter, Marcus drückt ihm das Pausenbrot in die Hand und stürmt mit den Mädchen Richtung Kindergarten. Acht Minuten später kommt Klausmann wieder zur Tür hinein, lässt sich auf den Küchenstuhl plumpsen und schlürft am kalten Kaffee. Es ist Mittwoch und ein Hausmannstag für Marcus Klausmann. Er hat jetzt vier Stunden Zeit, seinem Job nachzugehen – Deutschlands bester Downhiller sein.

Andreas Dobslaff Paradies hinterm Haus: Marcus Klausmann auf seinem Pumptrack

Die Geschichte von Marcus Klausmann ist die des deutschen Downhill-Sports an sich. Dabei kam der geborene Albstädter zufällig zum Sport. "Mein Vater fuhr Motorrad-Trial, und als wir Richtung Freiburg zogen, sah er irgendwann mal ein Mountainbike-Trial. Da dachte er sich: Das ist genau das Richtige für meinen Sohn. Ich war damals fünf", lacht der 38-Jährige und schlurft in sein Büro. Danach lief es über Umwege weiter, wie Klausmann erklärt und setzt nach: "Trial fuhr ich im Sommer. Hans Rey war damals ganz groß, und ich eiferte ihm nach. Im Winter fragte mich mein Verein aus Denzlingen, ob ich nicht Cross-Rennen fahren wolle. Ehrlich, ich hatte keinen Plan davon. Ich wurde nach Hause geschickt, holte meine Kleidung, und der Club schob mir kurz vor Rennstart ein Rad hin. Ich wurde Vierter. Na ja, und wenn du in Denzlingen irgendwie zum Cross taugtest, sahen alle gleich den nächsten Mike Kluge in dir. Der war ja damals auch in dem Verein." Klausmann wirft seinen Rechner an, seufzt kurz und meint beiläufig "Die Gegend und der Verein machten mich zum Berufsradfahrer. Ich erzähle später aber mehr, jetzt erst mal Emails und dann Training."

Mit "Gegend" meint der gelernte Kaufmann den Schwarzwald. Klausmann wohnt in Mahlberg, das auf der Karte etwa zwischen Offenburg und Freiburg liegt. Ein Ort, wie aus einem Werbeprospekt. Knappe 5000 Einwohner leben im gassenreichen Dorf. Die CDU hat seit Jahren Oberhand, und die Fachwerkhäuser sehen aus wie Postkartendrucke. Es ist ein Stück Deutschland, so klischeebehaftet, dass man jeden Moment Doktor Brinkmann von der Schwarzwaldklinik erwartet. Ein Stück verdammt heile Welt – mit badischem Dialekt. Aber kann man hier Profisportler sein? Man kann, denn Christina Obergföll (Speerwurf-Silbermedaille in London) lebt hier und eben Klausmann. Die Region an sich gilt bundesweit als Schmiede für den Bike-Sport – allein der strukturellen Gegebenheiten wegen. Das sieht man auch vor Klausmanns Fenster, denn dort verläuft sein Pumptrack, mitten durch Schwiegerelterns Garten. Egal ob Freiburg, Todtnau, Denzlingen, Offenburg oder Mahlberg: der Schwarzwald, Deutschlands größtes und höchstes Mittelgebirge, zieht mit seinen Superlativen die Elite des deutschen Bike-Sports an. Allein 24000 Kilometer ausgewiesene Wanderwege, unendlich viele Trails, zwei Bikeparks und jede Menge große Marathons finden sich im südlichen Zipfel Deutschlands. Ach ja, das beste Wetter der Republik findet sich hier auch noch.

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Marcus Klausmann ist Deutschlands erfolgreichster Downhill-Profi. Keiner hat mehr Trophäen im Abfahrtssport gesammelt als er. Jetzt hat er seinen Job an den Nagel gehängt – zumindest teilweise. 

Nur heute nicht: In Mahlberg hängt der Himmel graumeliert über der Stadt. Es regnet, die Trails hat das feuchte Wetter in eine braue Pampe verwandelt. Egal, was man heute anzieht und wo man fährt, das Bike und die Klamotten werden danach ih-bäh aussehen. Das ist Klausmann herzlich egal, von Berufs wegen schon. Heute steht Fahrtechnik an. Der Deutsche Downhill-Meister hoppelt kurz im Stand auf dem Boliden rum. Die Dämpfer wiegen sanft mit, dann prescht er in den Trail hinein. Links und rechts flimmern die Baumstämme in seinen Augenwinkeln, Laubreste leuchten rotbraun am Boden. Klausmann presst sich in den Anlieger hinein und katapultiert weiter in einen Sprung. Kurz darauf sprintet er über einen Wurzelteppich, als wäre es eine glatte Landstraße. Die Physik hat sich eine Auszeit genommen – so erscheint es zumindest den Beobachtern, die den Wahnsinn aufs Handy bannen. Marcus steht derweil schon wieder am Ende der Strecke. Er keucht etwas und nuckelt an der Trinkflasche. Es ist 11:45, in 45 Minuten muss der Profisportler wieder Profipapa sein.


"Wer als Profisportler Kinder hat, braucht vor allem Eines: eine sehr verständnisvolle Frau, die viel stemmt – ohne die läuft nix."

Andreas Dobslaff Familienbande: Familie Klausmann (und Freund vom Sohn) beim Essen.

Dass Klausmann den Spagat zwischen Kindern und Profisport so gut schafft, hat er vor allem seiner Frau Karoline zu verdanken, wie Klausmann meint. "Also, ich bin sicher 150 Tage im Jahr nicht da. Haus bauen, Kinder erziehen – im Grunde schmeißt Karoline den Laden. Das ist kein Bürojob, wo morgens der Stapel Papier links und nachmittags rechts liegt. Wer als Profisportler Kinder hat, braucht vor allem Eines: eine sehr verständnisvolle Frau, die viel stemmt. Ohne den Einsatz meiner Frau und den Schwiegereltern würde das nicht laufen. Machen wir uns mal nichts vor: Jeder Bike-Profi mit Kindern muss das so machen." Aber klappt das immer so einfach: die Supermama, die alles schmeißt? Klausmann lächelt: "Also, die schlaflosen Nächte sind schon krass. Beim Levin ging das eigentlich. Da wurde man alle drei Stunde mal geweckt und gut war. Zwillinge kosten da mehr Energie. Ist ja nicht so, dass die alles gleichzeitig machen. Nö, da schläft die eine, wenn die andere wach ist. Der Schlafmangel zog mir teilweise den Stecker. Du fühlst dich wie ein Zombie. Aber hey, man will ja Kinder, und das gehört zum Elternjob dazu. Ich wäre auch kein besserer Biker ohne Kinder, im Gegenteil, mir würde etwas fehlen."

Die Nudeln dampfen. Familie Klausmann sitzt am Essenstisch. Es ist erstaunlich ruhig. "Alle müde vom Kindergarten", grinst Marcus und baggert sich eine Fuhre Spaghetti auf den Teller. Levin hat noch einen Kumpel mitgebracht, sie wollen später, wie kann es anders sein, biken gehen. "In seinem Alter war ich schon voll dabei", sagt Klausmann und holt weiter aus: Er sei dann ja Cross gefahren und das auch ganz gut (Deutscher Jungendmeister), und im Sommer kamen dann Straßenrennen dazu. "Ich war Sprinter und kein schlechter. Ich versuchte, auch bei Cross-Country-Rennen was zu reißen, aber da fuhren Leute wie Lado, Wolfram oder Bresser rum – da hatte ich echt null Chance. Aber ich knallte in den Abfahrten an allen vorbei. So viel schneller, dass mich der Nationaltrainer Klaus Jördens zum Downhill-Worldcup nach Monaco mitnahm. Das war ziemlich spannend, da ich mit Sondergenehmigung fahren musste (Klausmann war erst 14, Anm. d. Red.). Ergebnistechnisch kam nix rum – ich flog mehr in die Steine, als auf der Rennstrecke zu bleiben. Danach kam dann der Worldcup in Lillehammer, und dann ging es ab. Ich wurde dort Vierter", erklärt der Downhill-Profi und schaufelt sich eine Ladung Pasta rein. "Und dann?", ruft Sohnemann rein und schaut zu seinem Vater. "Ja, dann kamen viele Rennen, Siege und natürlich ihr", lacht Klausmann und schaut auf die Küchenuhr. Es ist 13:32. In knapp einer Stunde beginnt die zweite Trainingseinheit.


"Ich habe auf der Eurobike offiziell meinen Rücktritt vom Downhill verkündet, da mein Sponsor Ghost ausstieg. Das war ein Schock."

Andreas Dobslaff Blechsammlung: Kein deutscher Abfahrtssportler hat mehr Medaillen als Marcus Klausmann. 

Und die hat es in sich. Der 38-Jährige baumelt in einem Schlingentrainer und hebt das Gesäß an. "Das Ganze mache ich vier, fünf Mal und halte die Position über eine Minute", sagt er. Marcus Klausmann hat sein Training in den letzten Monaten massiv umgestellt. Der Grund: Er will im Enduro angreifen. "Ich habe auf der Eurobike offiziell meinen Rücktritt vom Downhill verkündet, da mein Sponsor Ghost ausstieg. Das war erst einmal ein Schock. Aber hey, eine Tür schließt sich, eine andere geht auf. Mit Nox Cycles habe ich eine neue Bike-Firma, bei der ich aktiv mitentwickle. Enduro ist eigentlich der Sport, der zu meinen Ursprüngen zurückführt. Ein Sport, der Ausdauer und Technik gleichermaßen fordert. Wenn man so will, schließt sich ein Kreis – Crossen und Downhill im Einklang." Klausmann hebt wieder sein Gesäß an. Die Beine zittern. "Ein paar Kilo muss ich verlieren", pustet der Biker und schiebt hinterher, dass er sonst nicht konkurrenzfähig sei. Im Hintergrund toben die Zwillinge. Klausmann blendet das aus, er starrt an die weiße Betondecke. Medaillen, Poster und Trophäen stapeln sich um ihn herum. Draußen prasselt der Regen gegen die Scheibe. Es dämmert in Mahlberg. Der Schwarzwald verwischt zu einem dunklen Band. Es ist 17 Uhr. In zwei Stunden bringt Marcus die Kleinen ins Bett. Danach ist Ruhe, auch vom Profi-Sein.

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    Marcus Klausmann - Trailbeschreibungen Freiburg und Schwarzwald
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