MTB Trails an der Deutsch-Deutschen Grenze

Deutschland: Grenz-Tour Teil 2

  • Henri Lesewitz
 • Publiziert vor 11 Jahren

Der Schrecken der ehemaligen innerdeutschen Grenze ist nur noch Hintergrundrauschen. Beim Mountainbike-Abenteuer entlang des einstigen Todesstreifens ist Nervenkitzel ständiger Begleiter.

Es war der 29. März 1982, ein Montag, als Heinz-Josef Große beinahe westdeutschen Boden betrat. Die Mutter habe vom Tod des 34-Jährigen aus der Zeitung erfahren, erzählen die Leute in Asbach-Sickenberg. “Tragischer Unfall”, hätten die SED-Verantwortlichen formuliert, weil sie ja schlecht “staatlich angeordneter Mord” schreiben konnten.

Es ist kurz nach 21 Uhr. Die Farbe weicht aus dem Tag, verbleicht zu Multiblau. Doch von meinem Zelt aus kann ich das Gedenkkreuz gut erkennen. Weiß und übergroß ragt es aus der beginnenden Nacht. Es ist der unwirklichste Ort, an dem ich je ein Nachtlager errichtet habe. Links, am Kopfende meines Zeltes vorbei, verläuft der Kolonnenweg, auf dem die DDR-Grenzer einst Patrouille fuhren. Das Fußende meines Zeltes berührt den berüchtigten “K6”-Streifen, ein mit Pflanzenschutzmitteln sauber gehaltenes Erdband zur Spurensichtung, jahrelang vermint. Direkt dahinter der 3,20 Meter hohe Grenzwall.

Ein Schuss reißt mich aus der Gedankenwelt. Ein lautes, schneidendes Peng, wie bei den Schießereien in “Western von gestern”. VERDAMMT! Das darf doch nicht wahr sein. Wer ballert da rum, hier, auf dieser Knospe des Friedens? “Oh, tut mir leid. Die Rehböcke sind seit Freitag zum Abschuss freigegeben. Wollen Sie mal sehen?”, erwidert die Dame und nickt mir Gott sei Dank nur freundlich zu. “Ich dachte eigentlich, hier wird nicht mehr geschossen”, starte ich einen dezenten Empörungsversuch. “Och, die Grenze, dafür hat man gar kein Auge mehr. Ist ja schon so lange her. Ich komme aus Moers, wissen sie”, lacht Frau Berger und gleitet zurück auf den Autositz. “Schöne Nacht!”, ruft sie herzlich winkend aus dem Seitenfenster. Dann kehrt die Stille zurück.


PDF-Download Teil 2:

Grünes Band Der ehemalige Grenzverlauf zieht sich 1378 Kilometer durch Deutschland. Teil 2 der Tour führt von Eisenach knapp 300 Kilometer weit nach Oebisfelde.


Teil 1 dieser Reise an der Innerdeutschen Grenze finden Sie hier ->

Teil 2 dieser Reise an der Innerdeutschen Grenze wird gerade angezeigt.


Teil 3 dieser Reise an der Innerdeutschen Grenze finden Sie hier ->

Abenteuer Deutschland: Beim Wildcampen auf dem Todesstreifen (u.) fallen plötzlich Schüsse.

Alle Wege führen an die Ostsee: vom hessischen Hitzelrode aus auch dieser.

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    Deutschland: Innerdeutsche Grenze Teil 2

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