Klassiker-Tour im Karwendel: Rund ums Karwendelhaus Klassiker-Tour im Karwendel: Rund ums Karwendelhaus Klassiker-Tour im Karwendel: Rund ums Karwendelhaus

MTB-Tour zu Karwendelhaus & Falkenhütte

Klassiker-Tour im Karwendel: Rund ums Karwendelhaus

  • Armin Herb
 • Publiziert vor 6 Jahren

Für viele Mountainbiker sind Touren samt Hüttenübernachtung der ideale Wochenendtrip. Wir stellen eine Klassiker-Tour im Karwendel vor – mit Karwendelhaus oder Falkenhütte.

Die Runde um die Karwendelspitzen ist ein echtes Bergerlebnis – eine Mountainbike-Traumtour, auch wenn dieser Begriff schon etwas überstrapaziert ist. Aber die Kilometer und Höhenmeter durch die bayrisch-tirolerische Felsbastion wollen bewältigt sein. Deshalb auch hier unsere Idee für Einsteiger und Genussbiker: sich zwei Tage Zeit zu nehmen und mitten im Karwendel in der Falkenhütte oder im Karwendelhaus übernachten, zumal wir uns für die etwas erweiterte Runde entschieden haben.

Der Auwald bringt die Muskeln auf Betriebstemperatur

Wenn es schon einen speziellen Mountainbiker-Parkplatz in Mittenwald gibt, dann nehmen wir dieses Angebot doch gleich an. So starten wir gemütlich an der Isar mit einem Zickzack durchs Geigenbauerdorf, vorbei an kitschig-schönen oberbayrischen Hausfassaden hinaus in den Riedboden auf dem Weg über die Tiroler Grenze nach Scharnitz. Die sechs flachen Kilometer Forstweg im Auwald der Isar bringen die Muskeln sanft auf Betriebstemperatur, bevor es hinauf geht ins lange Karwendeltal. Aber die Steigungsprozente bleiben auf den ersten Kilometern am Karwendelbach  überwiegend im angenehmen Bereich. So darf getrost der Blick schweifen in die traumhafte Felsenwelt, zu Wasserfällen, einsamen Almen und mächtigen Kalksteinmassiven. Leider ist die Larchetalm zur Zeit nicht bewirtschaftet. Dort war in früheren Jahren immer ein beliebter Mountainbiker-Treff.

Auf den letzten Metern zum Karwendelhaus.

Nun wird die Route bald spürbar steiler und schwieriger. Wenn das Karwendelhaus bereits wie ein Adlernest hoch oben am Fels ins Blickfeld rückt, warten noch einige Serpentinen. Die einzigartige Umgebung wiegt die Anstrengung auf. Vor allem, wenn man schließlich oben sitzt bei alkoholfreiem Weißbier und Speckknödelsuppe und ins Traumpanorama blinzelt.

Auf der Sonnenterasse des Karwendelhauses treffen sich Biker und Bergsteiger.

Auf dem höchsten Punkt: dem Hochalmsattel

Weiter geht’s zwischen den Karwendelmassiven. Noch einige ruppige Höhenmeter auf losem Schotter und bei ziemlich genau 1800 Meter hat man an der Hochalm einen der höchsten Punkte der Tour erreicht. Und wieder könnte man wie verzaubert minutenlang mit offenem Mund die Felswände und Bergwiesen anstarren. Aber der Karrenweg-Downhill zum kleinen Ahornboden und diverse Kuhfladen erfordern vom Biker die volle Konzentration. Direkt an der Bergwiese des kleinen Ahornbodens steht das Hermann von Barth-Denkmal, zur Erinnerung an den berühmten Karwendel-Bergsteiger.

Am kleinen Ahornboden nach der Abfahrt vom Hochalmsattel.

Die 26-Prozent-Rampe zwingt selbst manchen Crack zum Schieben

Der richtige Platz, um Unterarme und Bremsfinger auszuschütteln vor dem steinigen Trail hinauf zur Ladizalm. Das Weglein macht so richtig Spaß und ist selbst für weniger versierte Pfadfahrer kein allzu großes Problem. Das kommt etwas später. Die Ladizalm liegt zwar malerisch zu Füßen der Felswände, aber die folgende 26-Prozent-Rampe zwingt selbst manchen Crack zum Schieben. Nach drei Serpentinen lässt die Steigung zum Glück wieder nach, aber die letzten Höhenmeter zum Spielissjoch (1773 m) und weiter zur Falkenhütte (1848 m) sind alles andere als flach. Doch die Kulisse entschädigt für die Schinderei. Wie eine riesige Fototapete bauen sich hinter der Alpenvereinshütte die Laliderer Wände auf. Da möchte man selbst bei kühlem Wind seine Speckknödelsuppe draußen löffeln.

Die Falkenhütte ist die zweite Hütte auf der Tour, in der man übernachten kann.

Nur am Abend ziehen sich Wanderer und Mountainbiker dann doch gern in die gemütliche, warme Stube im altehrwürdigen Berghaus zurück. Am nächsten Morgen kommt dann meist alles zur Anwendung, was im Bike-Rucksack an Bekleidung zu finden ist: von Armlingen und Beinlingen bis hin zu Unterhelmmütze und Softshelljacke. Selbst im Sommer kann es dort oben klirrend kalt sein. So bremsen wir uns mit klammen Fingern hinunter auf den staubigen Schotterwegen über das Johannestal ins Rißtal.

Ein kleines Stück Outdoor-Abenteuer

Nach einem Abschnitt auf der Mautstraße dem Rißbach entlang bietet sich noch ein kleiner Kaffeestopp im Dörfchen Hinterriß an, bevor die Route wieder im Bergwald verschwindet. Ein steiler, aber meist schattiger Forstweg bringt uns zum kleinen Pass Vorderbachsau. Auf der anderen Seite kann man das Bike ins Bärnbachtal hinunterrollen lassen. Kraft sparen für die letzte Rampe! Aber zuvor kommt noch etwas Outdoor-Abenteuer. Bike und Biker müssen noch den „Grenzfluss“ zwischen Tirol und Bayern überwinden. Trockenen Fußes funktioniert das nicht immer. Ganz Coole nehmen gleich noch ein erfrischendes Bad im Wasserfall um die Ecke der Furt. Die letzten 300 steilen Höhenmeter fordern nochmals eine ordentliche Portion Restenergie. Zum Glück ist die Landschaft auch hier immer noch wunderschön. Rundherum stehen Karwendelfelsen Spalier. An der Fereinsalm ist das Werk quasi vollbracht. Das Höhenmetersoll ist fast erfüllt.

Die Krinner-Kofler-Hütte bietet die Gelegenheit zu einer weiteren Übernachtung im Karwendel.

Falls jemand seine Etappen noch gemütlicher einteilen und umso mehr die Bergwelt genießen möchte: In der benachbarten Krinner-Kofler-Hütte kann man nochmals im Karwendel übernachten. Vom Almplateau in Postkarten-Kulisse geht es fast nur noch bergab, zwar steil, aber auf festem Untergrund. Im Tal legen wir die letzten zwei Kilometer auf dem Isarradweg zurück, und Mittenwald hat uns wieder.

Fazit zum Karwendel-Klassiker

Die Tour durch das Karwendel hat einige Abschnitte, die es in sich haben. Dafür wird man mit einer traumhaften Aussicht belohnt. Wem das Karwendel gefällt, der kann die Tour um eine weitere Übernachtung verlängern. Eine Traumtour und ein wahrer Mountainbike-Klassiker!

Dieser Text wurde zuerst veröffentlicht in: "Die schönsten Hüttentouren für Mountainbiker"

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