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MTB-Reviercheck Hamburg

Deutschland: MTB-Guide Hamburg & Umgebung

Henri Lesewitz am 26.04.2010

MTB-Reiseabsicht für Hamburg und Schleswig-Holstein: Null Prozent. Das Ergebnis der großen BIKE-Leserumfrage hat unsere Abenteuerlust geweckt. Ist der Norden wirklich so platt wie sein Dialekt?

Beim Blick aus dem Fenster steht die Laune im Stau, seit Tagen schon. Wo normalerweise der Himmel ist, haben es sich Düsterfarben bequem gemacht. Hämatom-Blau. Mülltüten-Grau. Jeansjacken-Blau. Gerade wälzt sich mal wieder dickes, sabberndes Autobahn-Grau über die Stadt. Im Schlepptau ein miesepetriger Mix aus Lapislazuli und Blue Curacao.

Hamburg Spot Guide 2010

Vor ein paar Jahren noch wühlten sich Bundeswehr-Panzer durch den Nordteil der Harburger Berge. Nun nistet herrliche Ruhe im Regionalpark Rosengarten.

Hasserfüllt schaue ich zum gefühlten hundertsten Male aus dem Fenster. Die Menschen auf der Straße gehen unter Schirmen in Deckung, die aussehen wie Parabolantennen. Die Menschen haben nasse Socken und ziehen Flunschgesichter. Kein Wetter für einen wie mich, der in der Sauna den Duschschlauch mit dem kalten Wasser kurz gegen die Wandfliesen hält und das als Abhärtung durchgehen lässt. Ich lege mich zurück ins Hotelbett und starre pro forma in den Winzigfernseher. Ich bin angekommen am Ende der Welt, in der Mountainbike-Hölle. In Hamburg, der Millionenstadt, deren Wetterstatistik wie eine Reisewarnung klingt: ganzjährig feuchtes Klima! 52 Tage Nebel im Jahr! 195 Regentage!

Licht im Dunkel: Am Dienstag geht es in die finsteren Harburger Berge – und zwar ohne den Duisburger.

Licht im Dunkel: Am Dienstag geht es in die finsteren Harburger Berge – und zwar ohne den Duisburger.

Ich hätte es wissen müssen. Hamburg ist nichts für Aktivurlauber. Dabei haben mich die vermeintlich trüben Aussichten hergeführt. Mehr als 15.000 BIKE-Leser haben uns in unserer alljährlichen Umfrage ihre Reiseabsichten verraten – und kein einziger davon erklärte Hamburg oder Schleswig-Holstein zum Traumziel. So mies kamen ansonsten nur noch Berlin und das Saarland weg. Das hat die Abenteuerlust in mir geweckt. Kann es ein Mountainbike-Revier geben, das so mies ist wie sein Ruf? Das so wenig erwarten lässt, dass man sich nicht mal für einen Kurzbesuch aufraffen mag? Oder im Fall von Hamburg gefragt: Warum hängt das Image der Hansestadt so schief, obwohl sie seit Urzeiten gleichermaßen Hort der Rennszene und Heimat namhafter Zweirad-Schmieden ist? Wie kann das sein – trotz Stevens, Bergamont, Pirate und NielsPeter Jensen? Ein Teil der Antwort lässt sich aus jedem Faltplan lesen. Die besten Trails von Hamburg befinden sich gar nicht in Hamburg, sondern in Niedersachsen. In den sagenhaften Harburger Bergen, direkt auf der anderen Seite der Elbe.

Der Himmel zeigt sich zum ersten Mal seit Tagen trocken. Dazu im verhältnismäßig freundlichen Stahlbeton-Grau. Die Farbe der Hoffnung? Google weiß es besser. Die Hoffnung ist schwarz. Schwarz wie die Nacht. Heute ist Nightride-Tag in den Harburger Bergen.

MTB-Tour in den Harburger Bergen

Drei Autostunden sind es von hier bis zum Harz, doch in den Harburger Bergen erinnert einiges an das höchste Gebirge Norddeutschlands. Der Untergrund ist griffig. Die Wege wechseln unentschlossen die Richtung. Wurzeln und Steine spielen gutmütig mit der Federung. Die Anstiege sind zwar kurz, aber zahlreich. Sie erfordern kein spezielles Material, dafür umso mehr das, was Sportwissenschaftler Kraftausdauer nennen. Hamburg, Stadt der tausend Facetten. Liebe. Freiheit. Alles.

Die Fahrer:

Fotostrecke: Hamburg Spot Guide 2010

Mathias Faber Hamburg Spot Guide 2010

Mathias Faber, Team-Manager:  „Diese endlosen Anstiege in den Alpen finde ich öde. Dagegen ist Hamburg super vielseitig.“

Marcus Dheuten Hamburg Spot Guide 2010

Marcus Dheuten, Mechaniker:  „Ich brauche keine Berge, um eine gute Zeit auf dem Bike zuhaben.“

Christian Merkel Hamburg Spot Guide 2010

Christian Merkel, Entsorger: „Mein Spitzname ist Dropsau. In Malente kann ich mich richtig austoben. Die Strecke ist kurz, aber geil!“

Peter Bisping Hamburg Spot Guide 2010

Peter Bisping, Grafiker:  „Das besondere an Hamburg? Man muss die ganze Zeit treten, treten, treten!“

André Vogelsang Hamburg Spot Guide 2010

André Vogelsang, Azubi: „Hamburg ist voll mit guten Spots. Am liebsten bin ich auf dem riesigen Dirt-Areal in Klein Nordende.“

Schleusen-Tour im Norden Hamburgs

Rundkurs mit Start/Ziel Poppenbüttler Schleuse. Markante Punkte/Streckenabschitte: Mellingburger Schleuse – Quellental – Waldspielplatz – Duvenstedter Brook – Kupferteich – Wuksfelder Schleuse – Wohldorfer Wald

Startpunkt der Tour ist der Parkplatz Marienhof an der Poppenbüttler Schleuse (mit S 1 bis Bahnhof Poppenbüttel, über Saseler Damm, Marienstraße). Die Tour führt an der Alster entlang und über kleine Steigungen zur Mellingburger Schleuse. Am Kupferteich lohnt sich ein Picknick mit Fußbad. Weiter geht’s über den Duvenstedter Brook, einem ca. 1000 Hektar großen Naturschutzgebiet und den Wohldorfer Wald zurück zum Startpunkt. Die Tour lässt sich über viele Pfad-Abzweige beliebig variieren. Einkehrtipp: „Der Wanderer“, Ohlstedter Bahnhof.

Alles über den MTB-Revier-Check Hamburg und Schleswig-Holstein finden Sie unten als PDF-Download.

Henri Lesewitz am 26.04.2010