Mountainbiken 3.0: Die Trails der Zukunft Mountainbiken 3.0: Die Trails der Zukunft

Mountainbiken 3.0: Die Trails der Zukunft

8 MTB Regionen und ihre Konzepte im Vergleich

Gitta Beimfohr am 19.02.2018

Es gibt mehr Radfahrer als Skifahrer. Manche Reviere nutzen dieses Potenzial besonders gut. Acht verschiedene Beispiele aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Schottland und Kanada im Vergleich.

Sie haben das Geld, sie haben das Baugerät, und sie haben die Liftanlagen. Trotzdem hat es einige Jahre gedauert, bis die großen Alpen-Skiregionen die Einnahmequelle Mountainbiker für sich entdeckt haben. Doch jetzt greifen sie an und buhlen um die Gunst der attraktiven Sommerklientel. Allen voran: Sölden im Ötztal. Das Gletschergebiet dürfte im Vergleich zu anderen Skiresorts noch die geringeren Schneesorgen haben, und trotzdem setzen sie alles auf die Mountainbike-Karte. Und das mitten in Österreich, wo schon das Touren-Fahren auf der falschen Schotterstraße vor Gericht enden kann. Sölden hat sich von diesen alten Wegerechten freigestrampelt, in kürzester Zeit sieben Flowtrails in die Hochgebirgsflanken geschnitzt und die "Bike Republic" ausgerufen.

Aber auch in anderen Regionen wird fieberhaft an Konzepten getüftelt, um sich für Biker aufzuhübschen. So werden Bikeparks erweitert, um neben der Downhill-Klientel auch Trail-Biker und sogar Familien anzulocken. In Regionen wie dem Pfälzerwald wird Mountainbiken behutsam in bestehende Wandernetze integriert. Und insbesondere im deutsch-tschechischen Grenzgebiet sind Trailparks entstanden, die Abfahrts-Flow auch ohne Bergbahnen möglich machen. Von MTB-Tourismus-Experte Darco Cazin wollten wir wissen, welche dieser Konzepte Erfolg versprechen.

Darco Cazin

Darco Cazin, Allegra Tourismus, Schweiz

Darco, früher hat man sich einen Moser-Guide gekauft und ist damit schöne Touren gefahren. Warum brauchen die Regionen nun ein MTB-Konzept?
Aus zwei Hauptgründen: Erstens haben sich die Bedürfnisse und Ansprüche der Biker verändert. Das passiert auf jedem Markt. Zweitens ist es effizienter, wenn eine Region die Grundlagen für sich definiert, bevor sie ein Mountainbike-Angebot entwickelt.

Was genau beinhaltet denn ein spezielles Konzept für Mountainbiker?
Da gibt es viele Formen und Umfänge. Bei Allegra betrachten wir zuerst das Macro- und das Micro-Umfeld, die Entwicklung des Marktes und die bestehende Infrastruktur einer Region. Diese haben einen Einfluss auf das Geschäftsmodell einer Mountainbike-Region. Und das wiederum skizziert Zielgruppen, Kanäle, Werteversprechen, Maßnahmen und den ROI (Return of Investment). Von diesen Parametern leiten sich dann die drei Gestaltungselemente ab: Trails, Services und Identität.

Wie wird sich das Mountainbiken bis zum Jahr 2030 Deiner Meinung nach entwickeln?
Dem Mountainbike-Sport fehlt eine breite gesellschaftliche Basis. Für ein Wachstum des Marktes brauchen wir einfach zugängliche Erlebnisse – zum Beispiel leicht fahrbare Trails, Bikeparks, Trailcenter oder auch mobile Pumptracks. Der Sport muss viel mehr in den Großstädten installiert und damit zugänglich für die Bike-Jugend werden. Wenn bei denen erst einmal die Neugier geweckt ist, ist das der Nährboden für eine breitere Verankerung des Mountainbikens in der Gesellschaft. Einen Zusammenbruch des Marktes aber werden wir erleben, wenn sich die Bike-Industrie nicht aus ihrer Nische bewegt und nicht auf die veränderten Bedürfnisse der Biker eingeht. Dann, um es in Uli Stancius Worten zu sagen, "werden wir als arrogante Elite den gesamten Sport zerstören". Ich finde, der Satz bringt es extrem auf den Punkt. Biken muss viel mehr zum Sport für jedermann werden – unabhängiger von Alter, ökonomischen Möglichkeiten und Mobilität.

Aber wenn wir den Nachwuchs über Pumptracks und Bikeparks gewinnen – wird es den klassischen Touren-Biker oder Alpenüberquerer in Zukunft überhaupt noch geben?
Aber ja. Das Bedürfnis nach Naturerlebnis und Abenteuer wird in unserer Gesellschaft weiter steigen. Nur wird sich auch der Alpenüberquerer weiterentwickeln. Die Ansprüche an Touren-Angebot, Unterkünfte, Lifte und Komfort werden sich verändern. Darauf sollten sich die Bike-Regionen vorbereiten.

Welches ist Deiner Meinung nach das gelungenste Konzept der Alpen?
Ich würde sagen "Graubünden Bike". Da haben 150 engagierte, bikende Mitarbeiter schon vor Jahren Grundlagen erarbeitet, die es heute leichter machen, auf die Bedürfnisse der Gäste zu reagieren. 


"Für mehr Wachstum braucht unser Sport einfach zugängliche Erlebnisse. Wie zum Beispiel angelegte Flowtrails. Aber wenn sich die Bike-Industrie nicht aus ihrer Nische bewegt, werden wir einen Zusammenbruch erleben."  – Darco Cazin, Allegra-Tourismus.ch


Seite 1 / 9
Gitta Beimfohr am 19.02.2018