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Mountainbike-Touren Würzburg

5 MTB-Touren rund um Würzburg

Matthias Rotter am 16.02.2017

Seit 2015 kann Würzburg eine eigene „Supertrail-Map“ vorweisen. Höchste Zeit also, dass wir uns die Trails am Main von den Locals mal zeigen lassen. Hier die GPS-Daten der fünf schönsten Trailrunden.

Mountainbike Trails Würzburg

Würzburgs Trails sind oft verwinkelt. Ohne GPS ist man im Wald aufgeschmissen.

Nahezu jeder Biker kennt sie: die Feierabendrunde. Beliebt, belebend oder berüchtigt. Je nachdem, in welcher Verfassung man ist. Die Feierabendrunde folgt ihrer eigenen Dramaturgie, ihren eigenen Gesetzen und Ritualen. Das ist bestimmt in jeder Stadt so, und Würzburg macht da keine Ausnahme. Die Biker der RSG Würzburg treffen sich immer mittwochs um 18 Uhr zum gemeinsamen Training. Gewissenhaft wie ich bin, stehe ich bereits eine viertel Stunde früher am Start – und bin damit natürlich nicht der Erste. Mike Schramm, sportlicher Leiter der RSG, verrät sich mit seinem gelbroten Vereins­trikot. Kollege Thomas Geissel fällt eher durch sein künstlerisch lackiertes Bike auf. Die Liebe zur Heimat ist unverkennbar. Auf der Kettenstrebe seiner Carbon-Maschine hat ein Airbrush-Künstler die Festung Marienberg verewigt, eines der Wahrzeichen der Stadt am Main. Die Stimmung ist entspannt. Noch. Am Eingang zum Steinbachtal herrscht reger Verkehr. Radler aller Klassen flitzen vorbei, Jogger dehnen ihre Muskeln an einer Parkbank, Spaziergänger führen Hunde aus. Das Tal ist nicht nur ein Stadtteil von Würzburg, sondern auch Ausgangspunkt für die Bike-Touren durch den Stadtwald und den anschließenden Guttenberger Wald. Ein riesiges Revier, in dem man stundenlang seine Runden drehen kann. Und das in unmittelbarer Nachbarschaft zur Stadt. Namen wie Achterbahn, Wurzel- und Ninja-Trail klingen viel versprechend. Aber finden muss man sie erst einmal! Das gilt auch für die heute geplante Runde, die dem Main-Tal in Richtung Süden folgt. Laut der "Supertrail Map", einer speziellen Trail-Landkarte für Biker, die erst vor Kurzem veröffentlicht wurde, reiht sich auch hier ein Pfad an den anderen.

Um kurz vor sechs ist die Gruppe fast komplett. Alex Pscheidl rollt gerade dazu. Der Local hat mit seiner detaillierten Ortskenntnis viele Informationen zur Karte beigetragen. "Die Hauptarbeit hat aber mein ehemaliger Team-Kumpel Lukas erledigt", erzählt Alex, während er den Computer am Lenker auf Null stellt. "Du wirst es ja gleich erleben." Die Jungs um mich herum sind fit, das sieht man auf den ersten Blick. Enges Lycra spannt sich um sehnige Oberschenkel. Es dominieren schnelle, leichte Hardtails. Nur drei Mann fallen mit ihren legeren Klamotten und Enduro-Bikes aus dem Rahmen, denn außer mir sind noch Johann und Daniel als Gäste dazugestoßen. Die beiden waren bis vor Kurzem fürs Propain-Factory- Team auf Enduro-Wettkämpfen unterwegs. "Obwohl ich jetzt seit fast zwei Jahren in Würzburg wohne, kenne ich längst noch nicht alle guten Wege", sagt Johann. Aufsitzen! Der Tross setzt sich in Bewegung und nimmt unverzüglich Fahrt auf. Noch geht es flach am Main entlang, doch die ersten Hürden lassen nicht lange auf sich warten. Wer schon mal auf der A3 an Würzburg vorbeigerauscht ist, kennt die berüchtigten Autobahnrampen, wo Lastwagen im Schneckentempo die rechte Spur verstopfen. So ähnlich komme ich mir mit meiner Enduro-Maschine auch vor, als der Weg unvermittelt in die Vertikale kippt. Die Hinterräder meiner Vordermänner verschwinden zügig aus dem Blickfeld. Topographische Gemeinheiten wie diese werden in Rennfahrerkreisen eben einfach weggepresst.

Fotostrecke: Deutschland: Mountainbike Revierguide Würzburg

Oben dann eine typische Feierabendrundensituation. Und die heißt: "Weiter, wenn der Letzte da ist." Kaum habe ich mit Puls 180 im Hals zur plaudernden Gruppe aufgeschlossen, drückt die Spitze wieder auf die Tube. Wahrscheinlich um zu verhindern, dass ich als Gastfahrer unnötig auskühle. Dafür geht jetzt der Spaß mit den Singletrails los. Und wie! Das Tempo ist zwar unvermindert flott, aber im Surf-Modus kann ich einigermaßen gut mithalten. Mit Tunnelblick rauscht der RSG-Express durchs Gehölz. Jetzt weiß ich auch, warum viele Locals mit recht schmalem Lenker am Bike unterwegs sind. Einige Male bleibe ich fast mit meiner 70-Zentimeter-Reckstange an eng stehenden Bäumen hängen. Klar, dass mich die Jungs nur über die Sahneschnittchen der Region lotsen. Bereits nach wenigen Kilometern wird mir bewusst: Ohne die Guides würde ich an den meisten Trail-Abschnitten einfach vorbeirauschen. Denn manchmal ist es nur eine unscheinbare Lücke im Gebüsch, die den Eingang zum nächsten Pfad erahnen lässt. Wegweiser? Markierungen? Fehlanzeige. Wir arbeiten uns weiter am Main-Hochufer entlang, hin und wieder kann man einen Blick auf den Fluss hinunter erhaschen. In riesigen Schleifen zerschneidet das Wasserband hier die Landschaft.

Als Anführer der Trainingsausfahrten beherrscht Alex die Kunst perfekt, das Trail-Netzwerk zu einer zusammenhängenden Route zu verbinden. Kurze Verschnaufpause an einem alten, eingewachsenen Steinbruch. Während die Enduristen ihren Adrenalinpegel an ein paar Felsabbrüchen in die Höhe treiben, frage ich Alex, wie die ganzen Trails ihren Weg in die Landkarte gefunden haben. "Viele Strecken haben wir natürlich von unseren jahrelangen Ausfahrten her gekannt", erzählt Alex. "Den Rest hat Lukas im Trial&Error-Verfahren aufgespürt." Über mehrere Wochen hinweg hat sein ehemaliger Team-Kollege, der inzwischen für den Verlag der Supertrail Maps arbeitet, alle Wege in der Region abgefahren. "Und das meine ich wörtlich", bekräftigt Alex. "An machen Abenden hatte Lukas 4000 Höhenmeter und mehr auf der Uhr stehen!" Er entdeckte zudem auf seinen Erkundungsfahrten zig neue Trails, die selbst alteingesessene Locals noch nicht auf dem Plan hatten. Das nenne ich eine seriöse Arbeitseinstellung! Weiter geht die wilde Hatz. Das Einzige, was mir Sorge bereitet, ist die Tatsache, dass die Sonne gerade einmal noch eine Handbreit über dem Horizont steht, wir uns aber richtungsmäßig noch immer von Würzburg wegbewegen. "Nur noch die eine Abfahrt", ruft mir Alex gegen den Fahrtwind zu. "Die musst Du als Gast unbedingt erlebt haben, danach rollen wir auf dem Radweg locker zurück nach Würzburg." Locker? Schon wieder so ein irreführender Ausdruck aus dem Feierabendrunden-Fachjargon. Übersetzt heißt das nämlich so viel wie: Kette rechts und sich krampfhaft in den Windschatten des Vordermanns ducken. Bloß den Anschluss nicht verlieren, sonst tut’s noch mehr weh. Und was den Sonnenstand anbelangt: Zum Glück hat Mike wenigstens eine blinkende Rückleuchte im Notgepäck und sichert das Ende des D-Zugs. Denn als wir Würzburg nach knapp 50 Kilometern wieder erreichen, ist es stockfinster. Eine typische Feierabendrunde halt. Aber geil war’s! Szenenwechsel.

Deutschland: Mountainbike Revierguide Würzburg

Main-Brücke mit Blick auf die Würzburger Festung.
 

Wenn Würzburger Biker vom Käppele sprechen, meinen sie in der Regel nicht die doppeltürmige Wallfahrtskirche in der Nähe der Festung Marienberg. Nein, dann ist vom Erla­brunner Käppele die Rede, einer wirklich kleinen Kapelle nördlich der Stadt. Das Kirchlein Mariahilf thront hoch oben über dem Main, am Hang des markanten Volkenbergs. Es gibt sogar eine Erlabrunner Wallfahrt dort hinauf, die einmal im Jahr stattfindet. Mountainbiker pilgern hauptsächlich wegen der legendären Trails zum Käppele. Die Pfade schlängeln sich hier zwischen Eschberg und Volkenberg durch einen lichten Schwarzkiefernwald. Namen wie Zickzack-Weg oder Huber-Trail zaubern hier jedem ein Grinsen ins Gesicht. Diesmal bin ich zwar mit einer deutlich Freeride-lastigeren Gruppe unterwegs – zumindest, was die lässigen Klamotten und den Federweg betrifft. Aber was das sportliche Biken anbelangt, lassen die Jungs um Michael Herbig leider auch nichts anbrennen. Das Tagesprogramm ist straff: Zunächst geht’s auf dem sogenannten M-Weg dahin, ebenfalls ein lokaler Klassiker, der Main-abwärts bis nach Retzbach führt. Dort wechseln wir dann auf die andere Fluss-Seite und kurbeln über den besagten Berg­rücken am Käppele vorbei wieder retour. Selbstverständlich gleicht das Profil einem endlosen Sägeblatt, wir sind ja schließlich nicht in den Alpen, wo es fast schon langweilig einmal rauf- und wieder runtergeht. Beim Flugplatz am Schenkenturm steigt Michael ins Labyrinth der Pfade ein. Das Wäldchen in der Nähe von Veitshöchheim ist einer der Spots, in dem die Wege teilweise von den Locals angelegt werden. Zu den Aktiven zählt zum Beispiel Larry Westney, der wie Michael ein Urgestein der Würzburger Bike-Szene ist. Der US-Amerikaner dürfte so manchem Cannondale-Piloten auch unter dem Pseudonym "Mister Head­shok" bekannt sein. Denn zusammen mit Partner Markus Dellinger gründete er Ende der Neunziger Jahre den Shop Eighty Aid. Mit der Berufung, sich ausschließlich um den Service von Head­shok- und Lefty-Federgabeln zu kümmern. Längst ist Larry eine Koryphäe auf diesem Gebiet, und wer schon immer mal alle je in Serie produzierten Modelle sehen wollte, sollte unbedingt seinem kleinen Headshok-Museum einen Besuch abstatten. Aber dass Larry auch Ahnung davon hat, wie man einen Trail harmonisch um Baumstämme herumfädelt, können wir gerade in vollem Tempo genießen.

Deutschland: Mountainbike Revierguide Würzburg

Auf der Tour Main-Panorama 1 gilt es, an der Westseite des Mains ein paar Klippen zu überspringen.

Doch nicht genug der örtlichen Prominenz. Genau hier, auf den lauschigen Waldwegen nördlich von Würzburg, dürfte man des öfteren Bikes mit futuristischen Speichenrädern aus Carbon begegnen. Und manchmal sitzt sogar der Konstrukteur der leichten Propeller selbst im Sattel. Dann ist Christian Gemperlein, Chef von Bike Ahead Components mal wieder auf Testfahrt mit neuen Prototypen. Der Carbon-Spezialist hat in Würzburg Kunststofftechnik studiert und anschließend sein Hobby zum Beruf gemacht. In Veitshöchheim, wo heute die heiligen Produktionshallen stehen, kann er aus der Werkstatt direkt auf die besten Trails düsen. Aus rein beruflichen Gründen, versteht sich. Der Mann ist zweifellos zu beneiden, denke ich, als Michael schon wieder ins Unterholz abtaucht. So langsam wird mir bei dem Gekurve fast schwindelig. Hin und wieder sorgen jedoch Passagen durch die Weinberge für herrliche Panoramen übers Main-Tal. Kurz vor Retzbach schrauben wir uns schon wieder ganz nach oben, wo Windräder träge kreiseln und prallgelbe Rapsfelder die Hügel tapezieren. Dieser Kraftakt wäre gar nicht unbedingt nötig, denn wir könnten ja auch unten in die Trails einsteigen. Aber es geht ja um den Schwung, den wir von da oben in die lange Abfahrt zum Main hinunter mitnehmen. Abwechslungsreicher kann eine Bike-Tour wirklich kaum sein. Und dabei soll laut Michaels Versprechungen der beste Streckenabschnitt noch vor uns liegen. Am Eschberg empfängt uns ein mediterraner Wald aus knorrigen Bäumen, es riecht plötzlich nach Süden und Meer. Ein ganz besonderes Ambiente umgibt die Pfadspuren, die in Richtung Käppele mäandern. Letzte Kräfte werden mobilisiert, die Gruppe tollt mit Vollgas über die Dauerwellen. Ist das noch zu toppen? Eigentlich nicht. Aber die Locals haben noch ein weiteres Ass im Ärmel. Und das mitten in der Stadt. Wir steuern auf die alte Main-Brücke zu und gerade, als ich nach einem weiteren Trail Ausschau halte, entdecke ich die Menschen mit Kelchgläsern in der Hand. Nach dem gemeinsamen Trail-Ausritt treffen sich die Locals hier zum Chillen auf einen Fränkischen Schoppen mit Blick auf den Fluss. Auch das gehört zu den speziellen Feierabendritualen in Würzburg. Super Idee – es muss ja nicht immer ein Weißbier unter Kastanienbäumen sein.

Hier 5 der schönsten MTB-Touren rund um Würzburg

• Tour 1: Steinbachtal-Trails, 36,9 km, 650 hm
• Tour 2: Schwanberg, 25,1 km, 450 hm
• Tour 3: Main-Panorama1, 51,2 km, 850 hm
• Tour 4: Main-Panorama 2, 57,4 km, 820 hm
• Tour 5: M-Weg und Käppele, 52,6 km, 1120 hm

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Matthias Rotter am 16.02.2017