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Mountainbike-Reise mit Kind durch die Lüneburger Heide

Auf die sanfte Tour im hohen Norden: Biken mit Kind

  • Daniel Klawczynski
  • Dominika Klawczynski
 • Publiziert vor 5 Jahren

Der Traum war ein Bike-Abenteuer in den schottischen Highlands. Doch dann durchkreuzte die kleine Sophie die Pläne. In der Lüneburger Heide entdeckte die junge Familie jetzt ein lila Traumrevier.

Den Klassiker "Wuthering Heights" von Emily Brontë habe ich mehrmals gelesen. Die Szenen, in denen die Heldin durch die weiten, wilden Heideflächen läuft, sind legendär – und inspirierend. Und so hatten wir ursprünglich einen Bike-Trip nach Schottland auf dem Radar. Doch dann wurde ich schwanger, und Sophie stieß zu unserem Team. Mit einer 18 Monate jungen Tochter wollten wir dann doch nicht in die rauen Highlands. Es musste also eine sanftere, aber bloß nicht zu langweilige Alternative her: eine Gegend, die uns landschaftlich packt und die unseren recht hohen Ansprüchen als Trail-suchende Biker genügt; die sich aber auch perfekt für den ersten Trip mit Anhang – und Anhänger – eignet. All das fanden wir zu unserer eigenen Überraschung nah vor unserer Haustür: in der Lüneburger Heide.

Hamburg ist eine Millionenmetropole. Und das wird uns im dichten Verkehr um die Hansestadt deutlich bewusst. Hier geht es alles andere als einsam zu. Umso intensiver erleben wir den Kontrast, als wir von der A7 abfahren und uns nach nur wenigen Kilometern in der Abgeschiedenheit wiederfinden. Wir fahren die Fenster herunter und lassen den feuchtwarmen Duft des Waldes herein.

Das Kartenmaterial der Region wird von zwei Farben geprägt: Da ist das Grün der Waldgebiete und das Rosa der geschützten Heidelandschaft. Seit dem 19. Jahrhundert prägt sie den Nordosten Deutschlands, und gerade in den Monaten August und September zieht es die Menschen hierher. Die kleinen Blüten des Heidekrauts öffnen sich millionenfach und verwandeln die Gegend in einen riesigen, bunten Teppich.

Daniel Klawczynski Das Wegenetz um Overharbeck führt abwechslungsreich durch weite Heide und duftende Wälder. 

Inmitten dieses grün-violetten Mosaiks liegt das Dorf Oberhaverbeck samt Campingplatz. Idyllisch eingebettet zwischen zwei großen Heideflächen ist er der perfekte Stützpunkt. Wir haben zwar keinen Camper, aber Sophie liebt es, im Zelt zu schlafen. Komfort spielt keine Rolle, wenn man dafür in der Nacht hört, wie der Wald lebt. Hochmotiviert von der erfolgreichen Camping-Nacht mit Kind, brechen wir am nächsten Morgen zu einem zweitägigen Erkundungstrip auf.

Ein wenig unsicher sind wir schon. Wir wissen noch nicht, wie sich unser Nachwuchs auf einem längeren Trip verhalten wird. Generell ist unsere Ausrüstung sehr minimalistisch gehalten – auch was die Federung anbelangt. Mal sehen, wie sich das für uns alle auf den Wegen in den Hügeln anfühlen wird. Zum Auftakt peilen wir gleich mal den höchsten Berg der Lüneburger Heide an – und der ist zugleich auch der höchste Berg im gesamten Nordwesten Deutschlands. 169 Meter hoch ragt der Wilseder Berg empor. Geformt haben ihn in der Eiszeit die mächtigen Gletscher, und in dieser Endmoräne – so stellen wir bald fest – ist das Mountainbiken kein Zuckerschlecken mehr, sondern eine richtige Herausforderung. Zumindest für Daniel. Normalerweise würde er so einen Anstieg gar nicht spüren. Aber mit Anhang, so räumt er am Gipfel ein, "nimmt das Ziel schnell andere Dimensionen an". Dabei liegen die wirklichen Leckerbissen noch vor uns.

Die heimischen Biker haben in dieser Ecke ihre Kult-Routen, auf denen sicher keine Sonntagsradfahrer unterwegs sind. Wer wissen will, von was ich spreche, der sollte mal in der Gegend um Steingrund und Totengrund biken. Auch wenn es der Name nicht vermuten lässt: Der Weg, der am Grat entlangverläuft, legt den Blick auf ein ganz bezauberndes Tal frei. Doch wirklich genießen kann man die Aussicht nicht, denn, was vor dem Lenker passiert, sollte man nicht aus den Augen verlieren. Der Untergrund präsentiert sich ziemlich wechselhaft. Sophie schlummert friedlich im Hänger. Die sanften "Schwingungen" der Hängematte haben sie schnell einnicken lassen.

Mountainbike-Reise mit Kind durch die Lüneburger Heide

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Lila Sause: Der Traum war ein Bike-Abenteuer in den schottischen Highlands. Doch dann durchkreuzte die kleine Sophie die Pläne. In der Norddeutschen Tiefebene entdeckte die junge Familie jetzt ein neues Traumrevier: das lila Blütenmeer der Lüneburger Heide.

Wir legen eine Pause ein, weil wir unsere schlafende Tochter nur ungern über unebenes Off-road-Gelände chauffieren wollen. Wir haben nicht den Platz im Hänger, um Sophie hinzulegen. Und im Sitzen hat ihr Kopf keine Stütze und fällt immer wieder nach links und rechts und vorne. Die Zwangspause gibt uns aber endlich Zeit, die Farbenpracht um uns herum richtig aufzusaugen. Ich fotografiere fleißig die Blumen, und mein Mann befreit sich und sein Bike vom Gepäck. Jetzt ist seine Zeit gekommen. Daniel schwingt sich auf den Sattel, um sich auf den technischen Trails so richtig auszutoben. Er kommt komplett durchgeschwitzt und dauergrinsend zurück – und die gute Gattin reicht ihm eine Schüssel voller süßer Brombeeren, die von der Sonne noch ganz warm sind. Heide-Idylle.

Bis zum Spätnachmittag legen wir noch einiges an Strecke zurück, bevor wir uns auf den Rückweg zum Campingplatz machen. Das heißt, wir glauben, dass wir uns auf dem Rückweg befinden. Das Symbol auf der Karte kennen wir in ähnlicher Form von polnischen Karten. Und in Polen steht es für Unterkunft. In Deutschland nicht. Aber da wir kein Deutsch sprechen, hilft uns das Wort "Schafstall" nicht wirklich weiter. Vor Ort ahnen wir dann, dass wir womöglich etwas falsch interpretiert haben könnten. So stellen wir unser Zelt nicht zwischen Campern, sondern neben einem Schafstall auf – immerhin ist er leer. Die Einsamkeit ist überwältigend. Der Vollmond leuchtet väterlich auf uns herab. Ein Marder huscht vorbei, in der Ferne ruft eine Eule. Es ist magisch. Schließlich ziehen wir uns in unser kuscheliges Heim zurück und schlüpfen in die Schlafsäcke.

Zum Sonnenaufgang spitze ich aus dem Zelt. Über dem Heide-Teppich schweben dünne, grau-blaue Nebelschwaden. Normalerweise würde Daniel als leidenschaftlicher Fotograf nun losziehen. Aber der erste Tag off road mit Anhänger hat ihn wohl kaum weniger geschlaucht als ein Enduro-Ritt in den Alpen. Und außerdem haben wir ja Urlaub. Wir wollen alles entspannt genießen und die Eindrücke aufsaugen. Sophie sorgt für ganz neue Blickwinkel. Wir sehen die Dinge durch ihre Augen. Es geht zwar nicht mehr so sportlich zu, aber dafür haben wir Herausforderungen ganz anderer Natur. Schnell das Frühstück auf dem Kocher zubereiten, Kind waschen, Windeln wechseln. Dafür braucht es mehr Wasser, mehr Essen, mehr Ausrüstung. Unsere Kleine stellt sich ganz natürlich auf die neuen Situationen ein und beschwert sich überhaupt nicht über das spartanische Umfeld. Im Gegenteil. Sie freut sich, weil immer was los ist. Dort drüben ein Schaf, da ein Frosch im Gras oder ein Käfer auf Spaziergang. All die Dinge, die wir Erwachsenen nicht mehr beachten, sind für Sophie Spannung pur.

Daniel Klawczynski Die Natur bietet ausreichend spannende Unterhaltung.

Zurück auf der Strecke begegnen uns gegen 9 Uhr die ersten Touristen. Um die Mittagszeit wird es voller in den beliebten Ecken der Lüneburger Heide. Das überrascht nicht, schließlich ist Wochenende, und das Blüten-Barometer schlägt aus. Dazu kommen noch Festlichkeiten und Veranstaltungen. Jeder will das Naturspektakel erleben und die regionale Küche kosten.

Wir genießen wiederum, dass uns keine Autos begegnen, da das Kerngebiet des Naturparks eine autofreie Zone ist. Dafür gibt es Pferdekutschen. Irgendwie fühlen wir uns in die Zeiten vor der Industriellen Revolution zurückversetzt. Gerade in einem Dorf wie Wilsede, das von einer wunderschönen und vor allem wunderbar erhaltenen Architektur geprägt ist – ein wahres Open-Air-Museum. Nach Lüneburg, das ja ebenfalls berühmt ist für seinen historischen Stadtkern, schaffen wir es leider nicht. Doch auf unserem Weg liegen zig andere Attraktionen. Die Weite der Heide ist die eine Seite, die dichten Wälder die andere. Hier entdecken wir immer wieder Trails, auf die sich kein Tourist verirrt. Für unseren Anhänger wird es auf diesen Strecken zwar recht eng, doch Daniel manövriert mit seiner Fahrtechnik geschickt auf den Pfaden. Durch warm duftenden Kiefernwälder und üppige Moorlandschaften biken wir zurück und erreichen schließlich müde den Campingplatz – ja, er ist es tatsächlich.

Daniel Klawczynski Die einsame Weite liegt so nah: Die Lüneburger Heide überrascht die junge Bike-Familie aus Polen mit feinem Trail-Terrain. 

Es ist Ende August, und es ist heiß. In der Nacht ziehen Stürme auf, am Tag brennt die Sonne herab. Auf den Abschnitten ohne Schattenspender fühlen wir uns wie auf der Rallye Dakar. Die Hitze flimmert, der Sand knirscht im Getriebe und unter den Rädern. Unsere Hälse sind staubtrocken. Die dornigen Wacholderbüsche, die aus der trockenen Erde ragen, erinnern an Kakteen. Am Abend sind wir matt, vor allem Sophie und ich. Wir brauchen eine Pause, und so schnappe ich mir am nächsten Tag meine Kleine, und wir besuchen den Heide Park in Soltau. Daniel zieht wieder gepäckbefreit los, um auf den Trails zu spielen.

Am Abend studieren wir einmal mehr das Kartenmaterial und beginnen zu träumen. Mit kleinem Kind ist es zwar nicht machbar, aber wie schön wäre eine Bike-Route durch all die über 30 Heidegebiete zwischen Hamburg und Celle – ähnlich dem 223 km langen Heidschnuckenweg?! Die Gegend rund um Munster erstrahlt auf der Karte in verlockendem Heide-Rosa. Doch Moment, da steht "Truppenübungsplatz". Seit unserer Schafstall-Interpretation zwingen wir uns öfter dazu, deutsche Wörter nachzuschlagen. Gut, diesen Bereich würden wir auslassen. Aber es gibt noch zig andere Heide-Ecken, die uns ganz sicher noch mal zurückkehren lassen. Unsere Schottland-Pläne haben wir vor lauter Entzückung schon fast vergessen.



Der perfekte Anhang

Für Touren abseits des Asphalt-Netzes empfiehlt sich ein gefederter Kinderanhänger. Zum Beispiel der Chariot CX1 mit Hängematte und einstellbaren Blattfedern. Ab ca. 900 Euro. www.thule.com. Oder der Singletrailer von Tout Terrain mit 200 mm Federweg. 1350 Euro. Info: www.tout-terrain.de

Daniel Klawczynski Fahrradanhänger für Kinder: Thule Chariot CX1 

Daniel Klawczynski Fahrradanhänger für Kinder: Tout Terrain Singletrailer


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