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Hometrails: 3 MTB-Kurz-Touren im Schwarzwald

Hier trainiert die Deutsche Meisterin Helen Grobert

Björn Kafka am 06.06.2016

Helen Grobert gehört zu den Shootingstars der deutschen Cross-Country-Szene. BIKE hat die Deutsche Meisterin in ihrem Revier besucht – in Remetschwiel, Schwarzwald. Mit GPS-Tracks zum Download.

Viermal Deutsche Meisterin, zwei U23-Worldcupsiege und für die Olympischen Spiele in Rio das Ticket schon in der Tasche: Wer sich Helen Groberts Palmarès anschaut, der kann kaum glauben, dass sie erst 23 Jahre alt ist. Selbst Altmeisterin Sabine Spitz fährt derzeit nur in ihrer Staubwolke.

Fotostrecke: Hometrails – mit Helen Grobert im Schwarzwald

Noch ungewöhnlicher erscheint diese Leistung, wenn man sich Helens Heimatdorf Remetschwiel in Baden-Württemberg anschaut – zunächst zumindest. Die Zivilisation beschränkt sich auf ein paar Häuschen und eine kleine Brauerei. Wer einen Bahnhof sucht, um in die brummende Welt abzuhauen, muss nach Süden radeln und erreicht erst nach 14 Kilometern sein Ziel. Es ist ein Flecken Erde, so heimelig wie Omas gehäkelte Tischdecke, so öde, dass gleich die ganze Klischeewelt auf einmal passt: Hier steppt kein Bär oder tanzt kein Papst im Kettenhemd, nein, in Remetschwiel sagen sich Fuchs und Hase nur gute Nacht. 

Genau hier trainiert Helen Grobert – in Teilzeit sozuagen, denn eigentlich lebt sie in Freiburg. Aber egal, ob Freiburg oder bei ihren Eltern: Der Schwarzwald, Deutschlands größtes und höchstes Mittelgebirge, zieht mit seinen Superlativen die Elite des deutschen Bike-Sports an. Allein 24000 Kilometer ausgewiesene Wanderwege, unendlich viele Trails, zwei Bikeparks und jede Menge große Marathons bietet der südliche Zipfel Deutschlands.

Trails Freiburg Helen Grobert

Hometrails: Sowohl bei ihren Eltern als auch in Freiburg ist Helen zu Hause.

Biken als Ausgleich zum Reiten

"Hopp, einer noch", motiviert Vater Markus, während es Helen Grobert die Schweißperlen aus den Poren drückt. Seit 45 Minuten stemmt die 23-Jährige Eisen im Fitness-Studio. Eigentlich sollte es nach dem Bundesligarennen in Titisee Neustadt eine lockere Einheit werden. Aber locker … mit 40 Kilo auf der Langhantel? Helen wuchtet das Gewicht nach oben. Sie keucht, die Klimaanlage pustet. Aus den Boxen befeuert der Radiomoderator den Sommer: "35 Grad, liebe Leute, der Schwarzwald wird kochen. Also ab an die Badeseen!" Grobert seufzt, wendet ihren Blick vom Lautsprecher ab und schaut hinüber zur Fensterfront. Dahinter plantschen Kinder und Erwachsene im Schwimmbecken – diese Erfrischung hat ihr Arbeitstag nicht vorgesehen.

Krafttraining Helen Grobert

Kraft ist ein elementarer Bestandteil von Helens Training – mindestens zweimal in der Woche.

"Und hoch", spornt Markus Grobert seine Tochter erneut an, während er zur Sicherheit die Arme hinter ihr bereithält, falls sie das Gewicht doch nicht mehr stemmen kann. Die Knie zittern, Helen pumpt, presst in Zeitlupe die Eisenstange nach oben. Dann schlägt das Gewicht mit einem Krachen in die Halterung. "Klasse", klopft Markus auf Helens Schulter, "jetzt erst mal essen und später noch aufs Bike." Helen wischt sich die Schweißperlen von der Stirn und quetscht an der Trinkflasche, dann geht sie in die Umkleidekabine.

Dass sich seine Kinder so sehr in den Bike-Sport vertiefen, hatte Markus Grobert selbst nicht erwartet. "Anfangs wollten meine Frau und ich nur, dass Helen und Hannah einen Ausgleich zum Reiten haben. Uns war vollkommen egal, was. Sie begannen mit Rudern, einmal in der Woche. Das wurde den Mädels schnell fad und dann im Winter zu kalt. Tja, und plötzlich war das Bike da, das eine Reitkollegin fuhr. So fing es an", erklärt er und klopft auf die Hantel. "Als es mehr wurde mit dem Fahren, war mir die Athletik und Kraft dabei am wichtigsten. Helen hat erst dieses Jahr mal mehr Kilometer gemacht."

Essen stehen lassen? Nicht, wenn die Freundin kocht!

Dreißig Minuten später: frisch geföhnt, die Haare sitzen, der Kajal frisch nachgezogen. Helen hat Pause und geht über den heißen Asphalt zu ihrem SUV, den sie seit wenigen Wochen hat. "Hammerteil, die wollten mir den erst gar nicht geben", lacht sie und holt etwas weiter aus: Sie habe da mal angefragt, aber das Unternehmen habe abgelehnt. Dabei hätten die doch so eine Werbekampagne mit Outdoor-Sportlern. "Nach meinem DM-Titel fandes sie das dann doch spannend. Und jetzt hab ich den Wagen. Richtig cool, nur beim Aufladen des Bikes auf den Dachgepäckträger tue ich mich etwas schwer," sagt sie und dreht die Klimaanlage runter. "Jetzt erst mal richtig essen. Meine Freundin Christine hat mein Leibgericht gekocht."

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Ersehntes Wiedersehen: Helens Freundin Christine hat gekocht. 

Nach 20 Minuten Autofahrt erreicht Helen schließlich ihr Elternhaus. Draußen vor dem Fenster flimmert die heiße Sommerluft über der gelb vernarbten Grünfläche. Drinnen wartet Christine bereits mit dampfendem Risotto. Bussi links, Bussi rechts. "Wir sehen uns so selten", erklärt die 23-Jährige nach der Herzung und steuert den Tisch an. Überall hängen Bilder von ihr und den Geschwistern – meist auf Bikes. Dann deutet sie auf einen großen Zeitungsartikel, in dem sie und Sabine Spitz zu sehen sind: "Schau mal, sieht aus wie ein Vergleich von uns beiden", lacht Grobert ihre Freundin an.

Jetzt aber zu Tisch: Helen schaufelt eine heiße Portion Risotto mit Pfifferlingen auf den Teller. "Boah, hab ich einen Hunger!", sagt die Profisportlerin und langt noch beim Salat zu. "Ich kenne Bikerinnen, die so ein Essen stehen lassen würden, weil Sie Angst haben, zuzunehmen. Was für ein Leben", sagt die Deutsche Meisterin und schüttelt den Kopf. Einige Sportlerinnen gingen nur über das Gewicht, fährt sie fort, die reine Leistung würde nicht berücksichtigt. Das funktioniert mal, ließe sich aber über die Jahre nicht aufrechterhalten. Irgendwann steure man voll auf eine Essstörung zu, so Helen. Und überhaupt: Wer will sich schon den ganzen Tag Gedanken darüber machen, was, wie viel und wann man essen dürfe? Also Nachschlag. Heute sollen schließlich noch Kilometer abgespult werden.

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Björn Kafka am 06.06.2016
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