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The Munga – Lesewitz-Blog #1: Die Entscheidung

  • Henri Lesewitz
 • Publiziert vor 7 Jahren

1000 Kilometer auf dem Mountainbike. Nonstop. Jeder kämpft ums Überleben. Und um eine Million Dollar! Henri Lesewitz ignorierte alle Vernunft. Logisch!

Abenteuer-Rennen gibt es viele. Doch dieses hier ist einfach irre: 1000 Kilometer nonstop, Siegprämie eine Million Dollar! Das Munga Race durch Südafrika soll das spektakulärste Rennen der Mountainbike-Geschichte werden. Die Webseite warnt: Vor der Registrierung solle man noch einmal in sich gehen. Das Rennen könnte das Leben verändern. Oder es jäh beenden. Klar, dass BIKE-Reporter Henri Lesewitz bei diesem Irrsinn selbstverständlich auf der Starterliste steht. Seine Vorbereitungen schildert er in seinem Blog. Hier Teil 1.

"Dem Staunen folgte Faszination. Der Faszination folgte Grusel. 1000 Kilometer nonstop durch Südafrika. Fünf Tage Zeit. 10 000 Dollar Startgebühr. Die Schnellsten bekommen eine Million Dollar. Minutenlang starrte ich auf die Website, die erst wenige Stunden zuvor online gegangen war. Die Nachricht vom "härtesten Bike-Rennen der Welt" und der irrwitzig hohen Siegprämie hatte sich in einer einzigen Nacht in der weltweiten Extrem-Bikeszene verbreitet. The Munga – the toughest race on earth!

Henri Lesewitz Dünne Luft, beißende Kälte: Henri Lesewitz nähert sich dem 5414 Meter hohen Kulmunationspunkt des Yak Attack in Nepal.

1000 Kilometer! Nonstop! 10 000 Dollar Startgebühr! "Wer macht das?", grübelte ich – und ahnte es auch schon: Ich mache das! Es war nicht diese Großhirn-Entscheidungsebene, mit der man einen Sofa-Kauf plant oder die Anschaffung einer Wäschetruhe. Es war dieses subtile Drängen aus den rätselhaften Tiefen des Kleinhirns heraus. Gehirnforscher werden irgendwann herausfinden, warum das so ist: Ja, ich wollte da mitfahren. Unbedingt!

Das war der Moment, an dem der Grusel einsetzte.

1000 Kilometer durch Südafrika bedeuten 1000 Kilometer Nervenkitzel. Was, wenn eine hungrige Hyäne auftaucht? Was, wenn das Wasser ausgeht? Was, wenn man mit defektem Bike im glutheißen Funkloch havariert? Was, wenn Organhändler im Gebüsch lauern; wenn die Navigation misslingt; wenn man einen Fehler begeht, der verheerende Folgen hat? Und überhaupt: Ist es nicht bescheuert, 10 000 Dollar nach Südafrika zu überweisen, nur weil es auf einer mysteriösen Website so geschrieben steht?

Bis zum Aufflackern dieser Munga-Homepage hatte ich noch nie von dieser Veranstaltung gehört. Was ziemlich ungewöhnlich ist im Zeitalter von Facebook und WhatsApp. War die Homepage nur eine Finte, um das Geld gutgläubiger Ausdauerwilliger abzuzocken? Unglaublich, was das Kopfkino für Horrorfilme abspielen kann.

Zwei Monate lang taumelte ich zwischen Mitmachwillen und Höllenangst. Die Startgebühr war ziemlich bald nicht mehr das Problem. Michael Griffin, einer der beiden Organisatoren, hatte mir einen kostenfreien Presse-Startplatz zugesagt. Den einzigen, den es für einen europäischen Journalisten geben würde.

Henri Lesewitz Bierchen, Bratwurst, standesgemäße Bikes: Reporter Lesewitz und Kumpel Michi Veith (links) bei der Präparation für den legendären Grand Raid Cristalp.

Nach ausgiebigem, mehrwöchigem Mailkontakt schätzte ich das Rennen mittlerweile als seriös ein. Bart Brentjens, Olympiasieger von 1996, stand bereits auf der Startliste. Auch Karl Platt, Seriensieger von BIKE Transalp und Cape Epic, wollte sich anmelden. Damit war ich unter Druck. Eine Ausrede aufgrund der hohen Startgebühr war nicht mehr möglich. Wenn ich kneifen würde, dann wären die Gründe einzig und allein Selbstzweifel und Angst. Und vor solch einem Eingeständnis graute mir fast noch mehr als vor Hyänen und Wassermangel.

Ein Problem aber blieb zunächst: Das Rennen war als Zweier-Team-Wettbewerb ausgeschrieben. Ich hatte einige Kumpels angeschrieben. Doch genauso gut hätte ich wohl auch eine Woche Urlaub im Steinbruch in Aussicht stellen können. Alle winkten dankend ab. Bis auf Michi, meine zuverlässigste Adresse, wenn es um gepflegte Ausdauerschinderei geht.

Michi und mich verbindet eine zwei Jahrzehnte lange Freundschaft, die auf den Stützpfeilern Radsport und Punkrock basiert. Zusammen haben wir schon Abenteuer wie das Cape Epic und die Mongolia Bike Challenge durchgezogen. Es gibt nicht viele, mit denen man zum Sound von Suicidal Tendencies zwei, drei Bierchen schnorcheln kann, um sich am nächsten Tag auf der längstmöglichen Distanz eines Marathons die Kante zu geben. Den Grand Raid Cristalp aus Gründen der Reizsteigerung mit standesgemäßem Neunzigerjahre-Material? Na klar!

Henri Lesewitz Kurzes Nickerchen in der Jurte: Michi entspannt nach einer Etappe der Mongolia Bike Challenge.

"Steht das Munga-Bunga-Angebot noch? Habe die Süße weichgequatscht", erreichte mich an einem verregneten Freitag die SMS von Michi. "Ah, Du bist dabei?", tippte ich elektrisiert. "Na logo, nur labern bringt doch off Dauer keene street-dog-credibility!!!", kam unverzüglich die Antwort.

Wie geht das, 1000 Kilometer nonstop durch Afrika zu fahren?

Ich würde sagen, wir haben jetzt ein großes, großes Problem. 1000 Kilometer Wahnsinn, in fünf Tagen, mit Checkpunkten höchstens alle 200 Kilometer. Michi ist verheiratet. Er hat zwei Kinder und geht einem Vollzeitjob nach. Ich bin verheiratet. Ich habe zwei Kinder und gehe einem Vollzeitjob nach.

Sportograf Reporter Lesewitz und Kumpel Michi Veith heizten beim Cape Epic 2008 schon einmal gemeinsam durch Südafrika.

Nicht gerade die besten Voraussetzungen, um ausdauer-extremistisches Mountainbiken auszuleben. Bis zum Start am 3. Dezember sind es gerade mal zwei Monate. "Are you tough enough?", fragt die Veranstaltungshomepage jeden, der auf die Seite klickt. Ehrlich gesagt: Keine Ahnung.

Ich werde hier regelmäßig über die Vorbereitung, das Zusammenstellen der Ausrüstung und andere Neuigkeiten berichten. Nächste Woche melde ich mich wieder mit der Trainingsstrategie.

Bis dahin: Entspannt Vollgas!"


Infos zum The Munga gibt's auf der offiziellen Webseite: www.themunga.com

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The Munga – Lesewitz-Blog


  • The Munga – Lesewitz-Blog #1: Die Entscheidung

    26.09.20141000 Kilometer auf dem Mountainbike. Nonstop. Jeder kämpft ums Überleben. Und um eine Million Dollar! Henri Lesewitz ignorierte alle Vernunft. Logisch!

  • The Munga – Lesewitz-Blog #2: Wieso? Oder: Mentales Training

    02.10.2014Training nennt er es nicht, 600 Kilometer lang die deutsche Einheit auf dem Mountainbike zu feiern. Henri wuchs mit dem Radsport auf und lernte früh, sich genüsslich zu quälen.

  • The Munga – Lesewitz-Blog #3: Vorläufiges Ende

    22.10.2014Herbstregen trommelt gegen das Fenster. Seit Tagen dümpelt Henri in einer Gefühlsmischung aus Leere und fröhlicher Melancholie. Das The Munga ist abgesagt!

Themen: AbenteuerEtappenrennenMTBMunga RaceSüdafrika


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