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Ab vom Schuss: Überall auf der Insel finden sich karge Bauernsiedlungen. Ab vom Schuss: Überall auf der Insel finden sich karge Bauernsiedlungen.

Afrika: Kapverden

Steile Trails und Fahrspaß auf den Kapverdischen Inseln

Michael Gerber am 10.03.2011

Westlich von Afrika rösten fünfzehn Inseln in der Sonne. Wer die Kapverden mit dem Bike erkunden will, braucht eine gehörige Portion Abenteuergeist.

Die Pritschenwagen stehen Stoßstange an Stoßstange, als wären sie zu einem riesigen Blechknäuel zusammengewachsen. Das muss die Straße sein, die wir suchen. Schaurigkalter Schweiß schüttelt sich langsam unsere Rücken hinunter. Jetzt bloß nicht ins falsche Taxi setzen.

Ribeira de Paul: das grünste Tal der Kapverden.

Wir sind gerade erst auf den Kapverden angekommen. Aber wir haben schon viel vom berühmt-berüchtigten Fahrstil der einheimischen Sammel-Taxi-Chauffeure gelesen, der irgendwo zwischen verwegen und halsbrecherisch angesiedelt sein soll. Doch da müssen wir jetzt durch, wenn wir nicht den ganzen Tag mit schweißtreibendem Bergaufkurbeln vertrödeln wollen. Was jammerschade wäre, angesichts der epischen Abfahrten, die wir in der sonnenverwöhnten Vulkanlandschaft erwarten. Wir entscheiden uns für den Fahrer mit dem am meisten entspannten Gesichtsausdruck. Die Mundwinkel des Mannes heben sich zu einem vergnügten Lachen, als wir uns mit unseren Bikes nähern. Mit Händen und Füßen erklären wir, wohin wir wollen. Der Fahrer schüttelt ungläubig den Kopf. “Dangereux!” – Gefährlich! – wiederholt er immer wieder und versucht, uns das Vorhaben energisch auszureden.

Die Warnungen kitzeln unsere Ohren, verhallen aber im Trubel der Taxi-Meile. Ein bisschen Nervenkitzel darf es ruhig sein. Deshalb sind wir ja hergekommen: Touren-Guide Guy Lugrin, Rennfahrer Tobias Lonfat und ich.

Viele Wege, eine Richtung: das Meer.

Was uns erwartet, können wir zum jetzigen Zeitpunkt nur erahnen. Die wenigen Reiseführer verraten nur wenig über das Leben abseits der Touristen-Strände. Allein die Existenz von Wanderwegen lässt uns hoffen, dass die Inselgruppe auch etwas für Mountainbiker zu bieten hat. Die Kapverden: 15 Inseln, die mitten im Atlantik liegen, etwa auf der Höhe des Senegal. Nur neun davon sind bewohnt. Das Klima ist ganzjährig mild, trotzdem sind die Lebensbedingungen in der schroffen Landschaft hart. Noch nicht mal die Hälfte der Einheimischen wohnt auch auf den Kapverden. Die meisten leben im Ausland. Die Erschließung durch den Tourismus ist alles andere als flächendeckend. Selbst hier, auf Santo Antão, einer der Hauptinseln. Beste Bedingungen also für ein Abenteuer.

“C’est pas possible, no bicycle! Seulement pieds!” – unmöglich mit dem Rad! Nur zu Fuß! – ruft uns unser Fahrer eine letzte Warnung auf Französisch hinterher, als wir uns in luftiger Höhe schließlich mit den Mountainbikes die finalen Meter Richtung Gipfel schrauben. Schon nach den ersten Metern auf den holprigen Höhenwegen wird uns klar, was der Taxi-Fahrer meint. Die Trails sind steil und werden hauptsächlich von Bauern und ihren Tieren benutzt. Dem Fahrspaß tut das keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil. Endlose Serpentinen wechseln sich ab mit sanften Passagen hartgepressten, roten Sandes. Die Federungen schmatzen gierig, die Stollen krallen sich hungrig in den Untergrund. So geht es zurück bis auf Meereshöhe. Die folgenden Tage verlaufen im gleichen Stil.

Reichtum aus dem Meer

Michael Gerber am 10.03.2011