Workshop: Fahrwerkseinstellung Workshop: Fahrwerkseinstellung

Workshop: Mountainbike-Fahrwerk perfekt einstellen

Maximale Leistung aus Federgabel und Dämpfer

Christian Artmann am 18.01.2016

Moderne Federgabeln und Dämpfer sind hoch sensible Technikwunder. Doch wenn man sie falsch behandelt, können sie bockig werden. Wir zeigen den Weg zum optimalen Bike-Setup.

Die Zuschriften klingen wie Hilferufe. Und manche sind es auch. "Hilfe! Mein neues Fully, das in den Tests so gelobt wurde, rumpelt nur so über die Wurzeln." Oder: "Ich nutze bei meiner Gabel nur den halben Federweg aus, obwohl ich den Luftdruck genau nach Herstellerangaben eingestellt habe. Woran liegt das?" Solche und ähnliche Fragen erreichen die Redaktion unaufhörlich. – "Hast Du mal versucht, die Zugstufe etwas weiter aufzudrehen?", ist oft einer der ersten Expertenvorschläge. Die Antwort lässt den Grund für die Misere meist schon erahnen: "Zugstufe?!? Was ist das denn …?"

Die Federungstechnik von Mountainbikes hat sich in den letzten Jahren massiv entwickelt. Noch nie zuvor waren selbst große Federwege so vielseitig. Mit 160 Millimetern bergauf heizen und dennoch mit kompromissloser Performance bergab? Vor Jahren undenkbar. Heute sorgen aufwändige Ventil- und Shim-Konstruktionen in Federgabeln und Dämpfern, neue reibungsarme Dichtungen und Lager sowie unzählige weitere Details für maximale Sensibilität, voll nutzbare Federwege und Möglichkeiten, wie nie zuvor.

Stefan Herrmann

Sicherheit durch Sensibilität: Ein ganz wichtiger Aspekt beim Setup ist für mich das Ansprechverhalten. Nur ein sensibles Fahrwerk bringt optimale Traktion und damit Fahrsicherheit. Es ist aber wichtig, dass das Fahrwerk nicht zu weich und komfortbetont wird, denn sonst geht das Feedback vom Untergrund verloren. (Stefan Hermann, BIKE Fahrtechnikexperte)

Doch selbst der beste Dämpfer und die teuerste Federgabel können ihr Potenzial nur dann entfalten, wenn sie richtig auf den Fahrer, beziehungsweise die Fahrerin eingestellt sind. Erst dann spenden die Fahrwerke das Optimum an Traktion, Komfort und Fahrsicherheit. Egal, wie viel Aufwand der Hersteller in die Konstruktion und die Abstimmung des Bikes gelegt hat, wenn der Fahrer die Gabel und den Dämpfer nicht richtig einstellt, verpufft das erhoffte Aha-Erlebnis. Der Hightech-Bolide wird zum bockigen Esel. Schätzungen zufolge fährt mehr als die Hälfte der Biker mit einem falschen Setup und weiß es oft nicht einmal. Die Szene-Foren im Internet sind voll mit Kommentaren, in denen Bikes miese Fahrwerkseigenschaften angedichtet werden. In Wahrheit handelt es sich meist um Defizite beim Setup.

Viele Biker sind überfordert mit den zahlreichen, immer komplexeren Einstell­optionen moderner Federelemente. Sie überlassen das Thema deshalb gerne dem Fachhändler. Zugegeben, es gibt Hightech-Teile, die durch ihre Optionen tatsächlich nur für Technik-Cracks und absolute Spezialisten geeignet sind. Aber die allermeisten Gabeln und Dämpfer sind so gestaltet, dass die korrekte Einstellung nur Minuten in Anspruch nimmt. Dabei ist es gar nicht schwer, das kleine Ein-mal-Eins der Federung zu lernen und zu verstehen. Wie sich die einzelnen Verstellmöglichkeiten auf das Fahrverhalten auswirken, zeigen wir hier. In einfachen Schritten findet so jeder sein individuelles Ideal-Setup. Werfen Sie also Ihre Berührungsängste über Bord.

Zur perfekten Abstimmung braucht man nicht viel. Eine handelsübliche Dämpferpumpe (siehe Abbildung unten) sowie ein Lineal oder Messstab reichen. Und schon kann man sich dem ungetrübten Trail-Genuss hingeben, statt verzweifelte Hilferufe in die Computer-Tastatur zu tippen.

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Christian Artmann am 18.01.2016
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