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Schrauber-Mythos: Richtiges Drehmoment hat man im Gefühl! Schrauber-Mythos: Richtiges Drehmoment hat man im Gefühl!

Schrauber-Mythos: Richtiges Drehmoment hat man im Gefühl!

Gefühlssache: Drehmomentschlüssel ja oder nein?

Stefan Frey am 17.08.2019

Die Drehmoment-Lüge: Hat man Anzugsmomente wirklich im Gefühl? Wir lüften das Geheimnis und fragen unseren Schrauber-Experten Florian Ohnesorg.

Das Problem

Mal Hand aufs Herz: Wer benutzt schon einen Drehmomentschlüssel, um Vorbau, Lenker und Co. festzuschrauben? Das korrekte Drehmoment hat man doch im Gespür. Oder vielleicht doch nicht? Wir haben in der BIKE-Werkstatt die Probe aufs Exempel gemacht. Fünf Kollegen sollten einen Lenker am Vorbau mit 5 Newtonmeter klemmen. Das Ergebnis: Selbst unsere Schrauber-Profis lagen mindestens 1 Newtonmeter daneben. Das sind immerhin 20 Prozent. Dabei sind günstige Anbauteile aus robusten, schweren Materialien weniger das Problem. Hier spielt es meist keine große Rolle, ob fünf oder acht Newtonmeter anliegen. Jedoch hat schon Alu ein enormes Schadensgedächtnis. Wenn die Struktur einmal geschädigt ist, kann das betreffende Teil zum Sicherheitsrisiko werden. Richtig gefährlich wird es bei Carbon-Teilen: Kohlefaser reagiert besonders empfindlich auf Einschnürungen durch Klemmen. Ein beherzter Dreh, und der nagelneue Carbon-Lenker ist dahin – oder schlimmer: Er geht erst beim nächsten Downhill in die Knie. Auch ein zu geringes Anzugsmoment kann gefährlich werden, dann, wenn zum Beispiel der Vorbau am Gabelschaft zu schwach geklemmt ist – und das Bike in der nächsten Kurve geradeaus fährt. Auch bei der Klemmung der Armaturen darf das maximale Drehmoment auf keinen Fall überschritten werden.

Übrigens: Ab einem gewissen Anzugsmoment erhöht sich die Klemmwirkung nicht mehr wirklich. Dafür steigt die Belastung auf das Material um ein Vielfaches. Auch wenn das Material nicht direkt bei der Montage versagt, verringert sich die Lebenserwartung doch enorm. Das korrekte Drehmoment schont also nicht nur das Material, sondern ist gleichermaßen auch eine Schutzmaßnahme für den Fahrer. 

Fakt ist: Die meisten Schrauber liegen mit ihrem Gefühl weiter daneben als sie glauben. Ein Drehmomentschlüssel schafft professionelle Sicherheit!


DER RICHTIGE DREH

Schrauber-Mythos: Richtiges Drehmoment hat man im Gefühl!

Vorsicht bei Carbon! Druckstellen oder weiße Abdrücke sind ein Hinweis, dass sich der Lack löst, oder aber, dass sich bereits Kohlefaserschichten ablösen. Dann muss das Bauteil ausgetauscht werden. Montagepaste verringert das nötige Drehmoment und sorgt für einen sicheren Halt bei niedrigem Drehmoment.

Schrauber-Mythos: Richtiges Drehmoment hat man im Gefühl!

Sattelklemme zu fest angezogen: An der Sattelklemme ist das richtige Drehmoment besonders schwer abzuschätzen. Sitzt die Klemme zu fest, fährt unter Umständen die Teleskopstütze nicht mehr richtig aus oder ein. Rockshox empfiehlt für die Reverb beispielsweise 6,7 Nm. Verwenden Sie am besten eine geschraubte Sattelklemme.

Schrauber-Mythos: Richtiges Drehmoment hat man im Gefühl!

Loctite zur Sicherheit Mit der richtigen Schraubensicherung lösen sich Schrauben nicht mehr ungewollt und bleiben trotzdem demontierbar (falls gewünscht). Loctite gibt es in verschiedenen Festigkeiten – die straffsten sind nur mit Heißluftfön lösbar. Hier sollte man auf den Einsatzbereich achten.

Schrauber-Mythos: Richtiges Drehmoment hat man im Gefühl!

Werkzeug-Empfehlung:  Ein guter Drehmomentschlüssel ist Gold wert, aber deutlich günstiger. Das Syntace-Torque-Tool lässt sich im Bereich von 1 bis 25 Nm sehr präzise einstellen. Im Set mit dem passenden Bit-Satz mit den neun wichtigsten Einsätzen kostet das Profi-Werkzeug etwa 120 Euro. 


Diesen Artikel finden Sie in BIKE 11/2018. Die gesamte Digital-Ausgabe können Sie in der BIKE-App (iTunes und Google Play) lesen oder die Print-Ausgabe im DK-Shop nachbestellen – solange der Vorrat reicht:

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Stefan Frey am 17.08.2019

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