Europameister der Bike-Mechanikker: Florian Ohnesorg Tipps Europameister der Bike-Mechanikker: Florian Ohnesorg Tipps

MTB-Wartung: Tipps vom Europameister der Bike-Mechaniker

Profitipps zu Reifen, Schaltwerk und lockeren Schrauben

Henri Lesewitz am 19.05.2017

Störrischer Reifen, rasselndes Schaltwerk, Schraube locker? Schrauber-Europameister Florian Ohnesorg kennt tausend kleine Tipps und Tricks. Uns hat er verraten, welche jedem Selber-Schrauber helfen.

Mit diesen Meister-Tipps kommen Sie sicher vorwärts:

Fotostrecke: Europameister der Bike-Mechaniker: Florian Ohnesorg gibt Tipps

Europameister der Bike-Mechanikker: Florian Ohnesorg Tipps

1. Gut Geschmiert: Kaum etwas entscheidet so sehr über die Fahreigenschaften eines Bikes, wie die Federelemente. Kein Wunder, dass sich viele Biker mit Leidenschaft ihren Gabeln und Dämpfern widmen. Doch Achtung: Viele angebliche Wundermittel, die auf dem Markt sind, greifen das Gummi der Dichtungen an, was zu kapitalen Schäden führen kann. Bitte nur Produkte verwenden, die vom Hersteller empfohlen werden. Gabel und Dämpfer alle 12 bis 18 Monate vom Fachmann warten lassen. Wer seiner Federung zwischendurch etwas Gutes tun will, kann hin und wieder die Abstreifer schmieren. Jeder Hersteller hat dafür ein eigenes, spezielles Mittel. 

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2. In der Klemme: Wenn die Tretlagerschalen im Rahmen festgegammelt sind, kann man schier verzweifeln. Ich hing schon zu zweit mit einem Kumpel am Ausbauwerkzeug, und es hat sich nichts getan. Mein Tipp, wie es easy funktioniert. Den Abzieher mit Hilfe einer Schraubklemme fixieren, damit er fest greift. Anschließend ein Rohr als Hebelverlängerung auf den Schlüssel stecken. So bekommt man selbst störrische Schalen raus – und zwar allein.

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(zu 2.)   Anschließend ein Rohr als Hebelverlängerung auf den Schlüssel stecken. So bekommt man selbst störrische Schalen raus – und zwar allein.

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3. Runde Sache: Wer Naben von Shimano fährt, wird selten Probleme mit den Lagern haben. Ich empfehle dennoch regelmäßigen Service. Das funktioniert einfach, da Shimano normale Kugellager verbaut. Aufschrauben, Kugeln rausnehmen, säubern, fetten und alles wieder montieren. Bei der Gelegenheit kann man die Naben auch super tunen. 

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(zu 3.)   Für wenige Euro lassen sich selbst Deore-Laufräder ruckzuck auf XT- oder XTR-Niveau bringen, zumindest leichtlaufmäßig. Man muss nur hochwertige Kugeln einsetzen. Entscheidend ist das "G-Maß", das die Qualität von Lagern bestimmt. Deore-Naben haben Kugeln mit etwa G100, also mit einhundert Millionstel Zoll Toleranz. XTR-Naben haben G25-Kugeln. Ich verwende G10-Kugeln. Kosten pro Set: etwa drei Euro. Einfach Kugelgröße mit der Schieblehre ausmessen und im Internet bestellen. 

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4. Ende gut, alles gut: Jeder kennt das: Man stellt die Schaltung immer wieder ein, und trotzdem funktioniert sie nicht richtig. Das Schaltgefühl ist schwammig, die Kette rasselt. Die Ursache dafür ist meist simpel: Das Ende des Schaltzugs, das ja aus vielen geraden Stahlfäden besteht, ist aufgedröselt, was man wegen der Endkappe aber nicht sieht. Oft ist die Gummihülle beschädigt. Einfach das schadhafte Stück mit dem Seitenschneider entfernen. Und schon funktioniert die Schaltung wieder top.

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5. Die Biege machen: Unsauber funktionierende Schaltungen gehören zu den größten Problemen am Bike. In ganz vielen Fällen ist nicht die Einstellung schuld, sondern ein verbogenes Schaltauge. Nicht selten sind die Schaltaugen bereits schief, wenn man ein neues Bike aus dem Karton zieht. Das Geradebiegen ist einfach, erfordert aber ein Spezialwerkzeug und Fingerspitzengefühl. Wer keins hat, sollte eine Werkstatt aufsuchen und bloß nicht selbst dran rumbiegen. Das bringt meist gar nichts und birgt nur das Risiko, dass das Schaltauge abbricht.

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6. Unter Spannung: Neue Züge am Bike? Dann ist es sehr wahrscheinlich, dass die Schaltung nach den ersten Tagen plötzlich zu rasseln beginnt. Endkappen und Züge müssen sich erst setzen, was ein Nachjustieren erfordert. Man kann das Setzen beschleunigen. Einfach auf das kleinste Ritzel schalten, mit der Hand die Schaltung festhalten und mehrmals mit dem Hebel hoch- und runterschalten. Dann den Zug mit der Schraube am Hebel nachspannen, fertig. 

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7. In einem Rutsch: Mancher Reifen sitzt derart straff, dass man ihn kaum auf die Felge aufgezogen bekommt. Handelt es sich um eine hakenlose Felge, eiert der Reifen oft, weil er nicht von allein in die optimale Position flutscht. Schwalbe zum Beispiel bietet eine Art Schmiermittel namens "Easy fit" an, mit dem das Aufziehen super gelingt. Ein Fläschchen kostet etwa vier Euro. Ich nenne das immer scherzhaft das teuerste Spülmittel der Welt. Mein Tipp: Einfach etwas Spülmittel in Wasser geben, die Reifenwulst mit einen Schwamm oder einem Lappen einschmieren und den Reifen aufziehen. Anschließend einmal gut aufpumpen, bis der Reifen in die perfekte Position ploppt. Über Nacht trocknen lassen, fertig. 

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8. Schlüssel-Moment: Das hier ist jetzt eher ein allgemeiner Tipp, aber ein sehr wichtiger. Alu hat ein enormes Schadensgedächtnis. Wenn die Struktur des Materials einmal geschädigt ist, etwa durch einen Sturz oder durch eine zu fest angezogene Schraube, dann wird das betreffende Teil zum großen Sicherheitsrisiko. Jeder weiß, dass man Bauteile aus Carbon penibel mit dem Drehmomentschlüssel anziehen soll. Bei Aluminium aber macht sich kaum einer die Mühe, weil das Material als unverwüstlich gilt. Ich rate, nicht nur bei Carbon, sondern auch bei Alu die empfohlenen Drehmomente einzuhalten. Schlüssel gibt es ab etwa 30 Euro im Baumarkt. 

Henri Lesewitz am 19.05.2017