Geräusch-Analyse

  • Stefan Loibl
 • Publiziert vor 11 Jahren

Knacken, Klappern und Knarzen nerven seit der Erfindung des Fahrrades. Jetzt gibt es für geplagte Biker eine Lösung: eine spezielle Geräusch-Analyse für Fahrräder.

Der schlichte Plattenbau in der Nähe des Schweinfurter Hauptbahnhofs gleicht eher einem Umschlagbahnhof als einem Fahrradlabor. Lärmende Güterzüge rangieren wenige Meter hinter dem Gebäude. Vorne ein weißblaues Schild mit der Aufschrift “velotech.de”. Auch im Inneren der großen Haupthalle dominieren Maschinenlärm und Geschepper die Atmosphäre. Anders im Nebenraum: Dort horcht ein stattlicher Herr mit lichtem Haupthaar und Brille ruhig und konzentriert an einem Rad. Das ist eingespannt und festgezurrt in einem Prüfstand. Kräftige Maschinenarme drücken und ziehen wechselseitig an den Kurbeln. Am Kopf trägt der Mann ein Stethoskop. Er erklärt stolz: “Fast jeder Rahmen gibt beim Fahren Geräusche von sich.” Wie ein Arzt horcht er verschiedene Stellen ab. Einziger Unterschied zu den weißen Kittelträgern: Hinterbau, Dämpfer und Sattelrohr heißen die kritischen Stellen. Der Mann ist Ernst Brust, er untersucht Fahrräder – keine Menschen. “Mit unseren Prüfständen können wir alles simulieren und testen”, sagt Brust, Inhaber der Velotech GmbH und seit kurzem Geräusch-Doktor für Fahrräder.

Wer den Lärm abstellen will, muss wissen, wo er herkommt. Die Suche nach dem Geräusch kann Stunden dauern.

Unschönen Lärm gibt es seit der Erfindung des Fahrrades. Knackende Tretlager, quietschende Scheibenbremsen und knarzende Sättel sind lästige Begleiter und trüben den Fahrspaß beim Biken. Zudem sind sie oft Vorboten für anstehende Defekte oder Materialermüdung; also auch ein Warnsignal, das man im Hinterkopf behalten sollte. Aber meistens sind sie für den Fahrer und Begleiter einfach nur eines – nervig.

“Vergangenes Jahr haben mich Gerichte als Sachverständigen eingesetzt, um Gutachten dazu zu erstellen. Es ging um Knarzgeräusche bei einem 5000-Euro-Rad”, sagt Brust in seinem freundlichen, urfränkischen Dialekt. Das Ergebnis: Brust und sein Team haben an besagtem Rad das Geräusch gefunden. Allerdings erst nach einigen Tests: “Das Problem war, dass es erst bei höheren Geschwindigkeiten auftrat. Wir haben stundenlang gesucht.”

Die Möglichkeiten, die Brust in seiner Firma hat, sind vielfältig: Trommel- und Bremsenprüfstände, Laser-Vermessung und selbstgebaute Maschinen, die Wiegetritt- oder Lenkerkräfte simulieren. Doch spezielle Ausrüstung ist das Eine, die Erfahrung das Andere. Deshalb kommen auch viele Händler auf ihn zu, die ihren Kunden bei der Beseitigung von lästigen Geräuschen nicht selbst weiterhelfen können. Geräusch-Doktor Brust stellt sich dabei auf die Seite der Händler: “Sie werden von den Herstellern in diesem Punkt meistens im Stich gelassen: Bei einem Rad für 5000 Euro akzeptieren die Kunden kein Knacken. Das ist verständlich. Aber oft ist der Händler mit seinen Möglichkeiten am Ende.”

Materialtortur und keine Gnade: Testpapst und Geräusch-Doktor Ernst Brust vor einem seiner Trommelprüfstände.

300 Euro kostet eine Geräusch-Analyse bei Velotech. Doch bevor Sie Ihr Bike nach Schweinfurt schicken, können Sie oft selber für Ruhe sorgen. Bevor er zum Stethoskop greift, arbeitet auch Geräusch-Doktor Brust bei seinem Lauschangriff folgende Schritte systematisch ab:

Für die grobe Lokalisierung des Geräuschs benötigen Sie nur Ruhe. Als Erstes überprüfen Sie alle Schraubverbindungen an Ihrem Bike und ziehen sie mit einem Drehmomentschlüssel nach. Checken Sie, ob Ihre Schnellspanner korrekt geschlossen sind. Falls dann immer noch nicht Ruhe ist, zeigen wir Ihnen auf den nächsten Seiten vier einfache Tests, mit denen Sie die meisten Problemstellen entdecken sollten. Wenn sich auch hierbei kein Erfolg einstellt, dann achten Sie beim Fahren gezielt auf bestimmte Bereiche oder Teile. Erst bei der langsamen Fahrt, dann ohne in die Pedale zu treten und schließlich im Wiegetritt. Und wenn alles nicht hilft, dann müssen Sie vielleicht doch zum Geräusch-Doktor ...


Wie Sie selbst auf Geräuschsuche gehen können, erfahren Sie unten im PDF-Download (inklusive Tabelle mit FAQs "Wo, wann, warum es knackt und was hilft").

Themen: BremsenGeräuscheSchrauber-TippsServiceWartung

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