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Fahrwerks-Tuning: Federgabel & Dämpfer pimpen

Do-It-Yourself-Tuning für Gabel & Dämpfer

  • Christian Artmann
 • Publiziert vor 5 Jahren

Wenn ein gutes Standard-Set-Up alleine nicht mehr reicht, muss man in die Trickkiste greifen. Wir zeigen Schrauber-Kniffe, wie Sie Federgabel und Dämpfer tunen und mehr Leistung herausholen.

"Fahrwerkstuning" ist ein großes Wort. Dabei denkt jeder sofort an das aufwändige Innenleben der modernen Federelemente, Spezialwerkzeuge und klinisch saubere Arbeitsräume. Doch Tuning fängt nicht erst dort an, wo man sich nur noch in Fachinesisch unterhält, sondern oft schon bei ganz einfachen Dingen. Die grundlegende  Voraussetzung, um sich überhaupt an ein sinnvolles Fahrwerkstuning zu machen ist, dass man zuerst einmal die Funktionsweise einer modernen MTB-Federung verstanden hat und damit vertraut ist, am eigenen Bike ein für sich optimales Setup zu finden.

Die Grundbegriffe zu den Themen Federung und Dämpfung sowie das individuelle Fahrwerks-Setup wurden bereits mehrmals behandelt (siehe MTB-Fahrwerk richtig einstellen ). Wer das alles verstanden und an seinem Bike umgesetzt hat, kann sich sicher sein, das größte Potential seiner Federelemente bereits auszunutzen – dafür haben die cleveren Ingenieure der Federgabel- und Dämpferhersteller schon gesorgt.

BIKE Magazin Erst ein gut abgestimmtest Fahrwerk macht ein gutes Bike zu einem sehr guten. Wem das Werks-Set-Up nicht ausreicht, der kann selbst Hand anlegen und beispielsweise das Luftkammervolumen anpassen.

Doch selbst wenn man das alles eingehalten hat, kommt es vor, dass sich zum Beispiel nicht der gesamte Federweg ausnutzen lässt, dass die Federgabel trotz korrektem Sag bei Stufen zu stark abtaucht oder der Dämpfer auch frisch gewartet noch unsensibel anspricht. Alles Probleme, wegen denen wir täglich von Lesern kontaktiert werden. Und genau da geht Tuning bereits los! Je nach Umfang können die Maßnahmen zu leichten Verbesserungen bis hin zu einem ganz neuen Fahrgefühl führen.

Dabei gilt grundsätzlich: Änderungen an der Dämpfung, die über die Einstellfunktionen hinausgehen, sind viel seltener notwendig, als man annehmen möchte. Meist sind es nur sehr anspruchsvolle Biker (Rennfahrer zum Beispiel) und solche, die in die Extreme der Gewichtskurve fallen (unter 60 kg und jenseits 100 kg). Für diese Fahrer und Fahrerinnen reicht das Set-Up-Spektrum der Serien-Federelemente zum Teil wirklich nicht mehr aus. Doch solche Änderungen sollte man wirklich nur den Spezialisten überlassen.

Das größte Tuning-Potential liegt in der Federgabel

Anders bei der Federung. Die kann nämlich mit recht einfachen Maßnahmen bereits nachhaltig beeinflusst und verbessert werden. Nur leider werden selbst diese Kniffe von den meisten Bikern nur selten genutzt. Schade, denn oft haben die Hersteller ihre Gabeln und Dämpfer genau so konstruiert, dass man auch ohne vertiefte Schrauberkenntnisse und Spezialwerkzeug bereits spürbare Optimierungen durchführen kann. Wir zeigen nun einige Tuning-Tipps, welche erfahrene Schrauber selbst durchführen können.

1. Reibungsreduzierende Maßnahmen

Mit Ausnahme von Exoten wie den wenigen Parallelogrammfedergabeln funktionieren alle Federgabeln und Dämpfer nach dem Prinzip zweier ineinander gleitender Rohre – bei den normalen Federgabeln die oberen mit der Gabelkrone verbundenen Standrohre, welche in die größeren Tauchrohre abtauchen. Dazwischen liegen diverse Punkte, an denen Reibung entsteht. Und Reibung bremst bekanntermaßen Bewegungen ab, sei es die Luftreibung bei Gegenwind oder die Reibung einer schlecht geschmierten Kette. Und weil die Federelemente im Gelände ja im ständigen Wechsel aus zusammengedrückt werden und auseinander fahren sind, wirkt sich die Reibung vor allem negativ auf die Sensibilität der Federelemente aus. Um dieses Problem zu beseitigen, setzen die Hersteller auf aufwändige Oberflächenbehandlungen der Reibflächen – die goldene Kashima-Beschichtung von Fox ist da ein allseits bekanntes Beispiel.

BIKE Magazin Gerade bei älteren oder weniger hochwertigen Federgabeln kann ein Upgrade mit reibungsreduzierenden Abstreifern/Dichtungen der Fahrperformance gut tun.

Premium-Dichtungen einbauen

Doch man muss nicht gleich den teuren Weg neuer Bauteile gehen – oft hilft es schon einfach die oberen Abstreiferringe der Federgabel gegen leichtgängigere Tuningmodelle, etwa von Enduro, RacingBros oder SKF auszutauschen. Die Kosten hierbei halten sich in Grenzen (30-45 Euro) und gerade bei älteren oder günstigeren Gabeln ist die Wirkung sofort spürbar.
Achtung: Bei den aktuellen Topmodellen ist diese Maßnahme nur bedingt sinnvoll, denn dort sind bereits die Premium-Dichtungen verbaut.

Premium-Schmiermittel verwenden

Ebenfalls wenig bekannt ist der Einsatz von reibungsreduzierenden Schmiermitteln. Die meisten Hersteller bieten hierzu auf ihre Oberflächen und ihre Dichtungen speziell angepasste Premium-Schmierfette an, welche das Gleitverhalten positiv beeinflussen. Fox hat dafür das hochwertige Gold Oil entwickelt, Rock Shox ihr Butter und Magura das Fork Meister-Fett.

BIKE Magazin Sein eigenes Schmiermittel bietet jeder große Gabelhersteller an. Fox hat dafür das hochwertige Gold Oil entwickelt.

Zusätzlich gibt es diverse Drittanbieter wie Motorex oder R.S.P., bei denen man aber grundsätzlich vorher abklären sollte, ob die speziellen Schmierungen auch für die jeweiligen Federelemente geeignet sind. Denn im schlimmsten Fall greifen die Schmiermittel nämlich die Dichtungen an oder lassen sie aufquellen. Denn damit würde man dann genau das gegenteilige Ergebnis erzielen. Dennoch lohnt es sich beim nächsten Gabel-Service im Shop oder beim Händler des Vertrauens mal nachzufragen, um in eine hochwertigere Schmierung zu investieren.

BIKE Magazin So unauffällig und einfach die Maßnahme auch ist, so effektiv können moderne Schmiermittel die Reibung reduzieren und das Ansprechverhalten der Federelemente verbessern.


Nutzwert/Aufwand: 2,5 von 5

Fazit: Alles was die Reibung im System reduziert, wirkt sich positiv auf die Fahrwerks-Performance aus. Von dem Einbau hochwertiger Dichtungen profitieren besonders ältere und günstigere Modelle. Hier ist der Unterschied deutlich spürbar. Solange man darauf achtet, dass die Schmiermittel mit den jeweiligen Dichtungen und Oberflächen harmonieren, kann man auch damit einen spürbar positiven Effekt erzielen.


Tipp: Idealerweise kombiniert man die Maßnahme gleich mit dem alljährlichen kleinen Service der Federgabel. So funktioniert der kleine Gabel-Service bei Rock Shox-Gabel , für Federgabeln von Fox gibt's hier eine Anleitung .

2. Anpassen des Luftkammervolumens

In einer Zeit immer besserer Bikes und anspruchsvolleren Strecken verlangen wir unseren Federelementen immer mehr ab. Unterschiede in der Fahrweise, dem Fahrergewicht, der individuellen Gewichtsverlagerung auf dem Bike oder der Strecke werden bereits durch ausgeklügelte Federelemente ausgeglichen – aber eben nicht alle. Gerade in schwerem Gelände ist die Werksabstimmung von Federgabel oder Dämpfer nicht immer einfach. Das zeigt sich beispielsweise, wenn die Federelemente selbst bei korrektem Grundsetup über Stufen zu weit abtauchen oder zu häufig durchschlagen. Solche Dinge deuten auf eine zu lineare Federkennlinie bzw. zu geringe Progression hin. Viele Fahrer erhöhen dann kurzerhand den Luftdruck in Gabel oder Dämpfer bzw. man strafft kurzerhand die Druckstufendämpfung. Ein praktikabler Weg, der allerdings auch dazu führt, dass man in Folge an Sensibilität und Komfort einbüßt.

BIKE Magazin Mit den kleinen Kunststoff-Spacern (im Bild eine Gabel von Rock Shox) kann man die Progression von modernen Gabeln und Dämpfern einfach und effektiv tunen.

Der elegantere Weg ist es, die Progression der Federung zu erhöhen. Früher musste man dafür eine härtere Stahlfeder einbauen. Doch mit den heute üblichen Luftfedern geht das auch ganz einfach, indem man das Volumen der Positivfeder anpasst. Dabei gilt: Je stärker das als Federung zur Verfügung stehende Luftvolumen reduziert wird, desto stärker wird die Progression. In einem Kraft-Weg-Diagramm wird dabei die Federkennlinie nach hinten hinaus immer steiler (siehe Diagramm).

BIKE Magazin So sehen die Volumen-Spacer bei Fox-Federgabeln aus. Dabei gilt: Je mehr Spacer, desto kleiner wird das Volumen und desto progressiver wird die Gabel.

Georg Grieshaber Auch bei MTB-Dämpfern und Federbeinen wie dem Rock Shox Monarch DebonAir kann man das Volumen der Positiv-Kammer reduzieren.

Viele Hersteller (Fox, Rock Shox und Magura) bieten dafür eigene Kunststoffeinsätze an, die mit wenig Aufwand das Volumen der Positiv-Kammer reduzieren, andere (z. B. Formula) empfehlen einfach über Beigabe von Dämpfungsöl das Luftvolumen zu reduzieren.

BIKE Magazin In den Diagramm sieht man, wie sich die Federkennlinie bei Fox-Federgabeln je nach Spacer-Anzahl verändert.

Hersteller Je mehr Spacer man einbringt, also je kleiner die Positivluftkammer wird, desto progressiver wird die Federkennlinie. So bewahrt man sich ein feines Ansprechverhalten und  verbessert Durchschlagschutz am Ende. Andersherum: Durch Entnahme von Spacern nutzt man den Federweg leichter aus und erhält eine linearere Kennlinie.

Mit dem Tunen mit Volumen-Spacern kann man sich die Sensibilität am Anfang des Federwegs erhalten und dennoch den Durchschlagschutz erhöhen. Außerdem sorgt die steilere Federkennlinie dafür, dass die Gabel bei gleicher Kraft weniger weit einfedert, dementsprechend "höher im Federweg" steht. Gerade beim harten Anbremsen oder in technischem Gelände ist das von Vorteil. Leichtere oder besonders sanfte Fahrer, die im Werks-Set-Up nicht den gesamten Federweg nutzen, können auf dieselbe Weise durch Entnahme vorhandener Spacer die Progression reduzieren und so den gesamten Federweg nutzbar machen.

Während bei Rock Shox, Fox und Magura jeweils zusätzliche Spacer in der Gabel bzw. am Dämpfer angebracht werden, leistet das IVA-System von Manitou das Gleiche durch einfaches Umstecken bereits fest integrierter Spacer. Außerdem bietet Manitou das IRT-Kit ("Infinite Rate Tune") für die Mattoc, mit dem man zwei unabhängige Drücke für die Hauptkammer einstellen kann und somit die Federkennlinie im mittleren Federweg, unabhängig von der Endprogression, anpassen kann. Das IRT-Kit kostet um die 60 Euro, das IVA-System um die 40 Euro.

 

Federgabeln

Dämpfer

Anmerkungen

Fox

Über "Volume Spacer" bei 32, 34 und 36 ab Modelljahr 2016 (vorher nur bei der 36 möglich)

Über "Volume Spacer" bei allen Modellen ab 2008 möglich

Bei Gabelneukauf sind diverse Spacer schon  dabei. Als Zubehör ab 2 Euro pro Gabelspacer, Spacer-Kit für Dämpfer ab 47 Euro. Infos auf der Fox-Website

Rock Shox

"Bottomless Tokens" bis 2015 bei allen 32 und 35 mm Gabeln mit Solo-Air-Luftkammer, ab Modelljahr 2016 auch bei Dual Position Gabeln (nicht bei Gabeln mit Stahl-Standrohren)

Mit "Bottomless Rings" bei allen Monarch-Modellen mit High-Volume-Luftkammer möglich

Spacer-Kits um 15 bis 18 Euro. Infos auf der Rock Shox-Website

Manitou

"IVA" ("Incremental Volume Adjust") nur für die Modelle Magnum, Mattoc und Dorado

offiziell nicht möglich

Serienmäßig in Mattoc- und Dorado-Gabeln, sowie Magnum Pro (für Magnum Comp als Upgrade für 49,95 Euro.). Spannend ist auch das IRT-System*

Magura

Alle Modelle (z.B. Thor und Durin) ab 2009 und alles TS Gabeln (Spacer in 2 Größen)

bei allen Dämpfern möglich

Volume Spacer-Set Gabeln (2 Stk.) Preis: 19,90 Euro und Spacer-Set Dämpfer (3 Stk.) 23,90 Euro

DT Swiss

bis 2016 nicht möglich – seit Modelljahr 2017 möglich

offiziell nicht möglich

"Adaptable Progression Tune" nennt sich bei DT Swiss die Anpassung der Luftkammer über Volumenspacer


* Manitou bietet mit IRT ("Infinite Rate Tune") noch eine weitere Option mit zwei separat befüllbaren Positiv-Luftkammern für Mattoc Pro und Dorado Pro an, mit der man die Federkennlinie über den gesamten Federweg individuell einstellen kann.


Nutzwert/Aufwand: 5 von 5

Fazit:Das Anpassen des Positiv-Luftkammervolumens ist eine der effektivsten Methoden des Fahrwerkstunings. Deswegen haben viele Hersteller es recht einfach gemacht, die Federkennlinie auf diesem Weg den individuellen Bedürfnissen anzupassen. Und weil es so einfach geht: Sollte man den gewünschten Effekt nicht erzielen oder übers Ziel hinausgeschossen sein (zu viele Spacer eingebaut), lassen sich alle Änderungen genauso einfach wieder rückgängig machen. Also haben Sie keine Angst davor, es mal auszuprobieren!

BIKE Magazin Sonderfall Manitou: Links das IRT-Kit, mit dem man die Federkennlinie im mittleren Federweg feintunen kann. Rechts das IVA-System, das es für Mattoc- und Dorado-Gabeln gibt. Um verschiedene Federkennlinien zu erreichen, muss man die Spacer am IVA-System umstecken.

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    MTB-Fahrwerk mit Volumen-Spacern tunen

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Themen: DämpferFahrwerkFedergabelnFoxRockshoxSchrauber-TippsTuningWerkstatt


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