Reifen Plus-Formate Reifen Plus-Formate

MTB Reifen im Plus-Format: Standards und Marktübersicht

Plus-Formate: Alle Zahlen, Infos, große Übersicht - Das 1x1 der Plus-Formate

Peter Nilges am 01.06.2016

DAS 1X1 DER PLUS-FORMATE

Einfach einen dicken Reifen auf die alte Felge ziehen? Wenn es doch nur so einfach wäre! Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um B-Plus.

1. Was ist Plus eigentlich?

Plus steht für die Adaption breiterer Reifen (2,8" bis 3,25") und breiterer Felgen (30 bis 50 mm Maulweite) auf bestehende Laufraddurchmesser. Als Mittelweg zwischen dem klassischen MTB und Fatbike wird es auch als "Mid-Fat" bezeichnet. Das wichtigste Plus-Format ist 27,5+ (auch B+) mit dem gleichen Durchmesser wie 27,5 (ERD 584 mm) und einem Reifenaußendurchmesser nahe am 29er. Daneben existieren noch 29+ und zukünftig wohl auch 26+.

Reifen Plus-Formate

Reifenformat und Karkassenbreite

2. Kann man Plus bei bestehenden Bikes nachrüsten?

Der allererste B+Reifen, der WTB Trailblazer 2,8, war sehr wohl als Nachrüstoption für 29er konzipiert. Anders die neue Generation: Plus hat sich mittlerweile zum komplett eigenständigen Format entwickelt, das nur sehr eingeschränkt mit bisherigen Bikes kompatibel ist. Während es bei manchen Gabeln noch physikalisch möglich ist, Reifen in 2,8"-Breite zu fahren (Achtung: keine Freigabe der Hersteller!), sind die gängigen Hinterbauten fast nie breit genug, um Plus-Reifen und Laufräder aufzunehmen. Umgekehrt ist die neue Riege der Plus-Bikes problemlos auf "Normalformate" umrüstbar, ohne dass dadurch große Kompromisse eingegangen werden müssen – solange man die notwendigen Standards dabei berücksichtigt. Ein 27,5+ auf 29er umzurüsten, geht z. B. immer.

Reifen Plus-Formate

Fox-Nachrüstung

3. Für wen bringt Plus wirklich Vorteile?

Die für die Praxis relevanten Schlagworte sind Traktion, Überrollverhalten und Komfort – insbesondere auf losem Untergrund sind die Plus-Reifen deutlich im Vorteil. Zwangsläufig geht das aber mit einem höheren Gewicht einher, deshalb dürften es eher die Freizeitsportler sein, die davon profitieren, weil sie gelassener, sicherer und komfortabler unterwegs sind. Damit hat Plus im gesamten Bereich der Touren-Biker sein größtes Potenzial. Freuen dürfte sich auch die Enduro-Klientel. Plus-Reifen bieten gerade in schwierigem Terrain ein Plus an Sicherheit und Traktion, gerade auch bei feuchten, rutschigen Witterungsverhältnissen. In wiefern die Plus-Formate auch die Enduro-Rennszene erreichen, ist derzeit noch offen – die Teams und Fahrer sind am Experimentieren.

4. Plus-Hardtail oder -Fully?

Plus-Hardtails eröffnen durch ihre bessere Traktion und ihr fehlerverzeihendes Handling auch Trails und Einsatzmöglichkeiten, die vorher eher Fullys vorbehalten waren. Dennoch bleibt die Antwort ähnlich wie bisher: Wer auf Einfachheit und direktes Fahrgefühl setzt, nimmt ein Hardtail; wer eine Extraportion Komfort und Kontrolle durch die Heckfederung sucht, nimmt ein Fully. Nur die Grenzen sind mit den Plus-Reifen etwas verschoben.

5. 27,5+ – eher Fatbike-light oder eher Normal-Bike?

Erste Erfahrungen zeigen, dass die breiteren Plus-Reifen auch im Fahrverhalten ein wenig an leichte Fatbikes erinnern, während schmalere noch nahe an einem klassischen MTB sind. Das liegt zum einen an der größeren Auflagefläche aber auch am Gewicht, das die Fahrdynamik beeinflusst. Daher setzen viele Hersteller auch eher auf 2,8er bis 3,0er, die 3,25er bleiben die Ausnahme. Auch der konstruktive Aufwand, die Reifen in die Bike-Geometrie einzubinden, ist für die schmaleren Varianten geringer. Grundsätzlich gilt, dass mit wachsender Auflagefläche, das Profil und die Gummimischung auch immer mehr Einfluss auf das Lenkverhalten haben. Deswegen sind auch die Reifenhersteller gefordert, ihre Designs diesbezüglich anzupassen. Aber: Mit der Lücke zwischen dem bisherigen Maximalmaß 2,4" und 2,8" bleibt noch offen, ob mit 2,8" tatsächlich das Optimum erreicht ist.

6. Auch eine Frage der Breite – welche Felgen?

Auch bei den Felgenbreiten ist derzeit noch nicht sicher, wo die Reise hingeht. Während manche Hersteller ihre Plus-Reifen schon für Felgen ab 25 mm Innenweite freigeben, reicht das Spektrum der Plus-Felgen bis zu beeindruckenden 50 mm. Bei zu schmalen Felgen wird das Reifenprofil zu "spitz", und der Reifen braucht hohe Drücke, um nicht in Kurven wegzuknicken. Bei sehr breiten Felgen liegt der Reifen dagegen großflächig auf dem Untergrund, was zwar Traktion spendet, je nach Profil aber auch ein zum Teil Fatbike-artig, träges Lenkverhalten erzeugt. Das Optimum, was Fahrstabilität und neutrales Handling angeht, dürfte derzeit bei 35 bis 40 mm Innenweite liegen.

Reifen Plus-Formate

Durch die möglichen Felgen-Reifen-Kombis reicht das Plus-Spektrum von der "Schmalspur"-Kombi links (WTB Traiblazer 2.8 auf einer 35 mm Felge) bis hin zum 3.25er auf einer echten Breitfelge (Veetire Trax Fatty auf Sun Ringlé Mulefut). Dazwischen – der 3,0-Reifen auf einer 35–40-mm-Felge.

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Peter Nilges am 01.06.2016
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