Zecken im Gras Wiese Zecken im Gras Wiese

Zeckenschutz für Mountainbiker

Vorsicht Zecken!

Laurin Lehner am 09.03.2017

Sie lauern in Gräsern, Wäldern und auf Trails. Besonders Süddeutschland gilt als Zeckenhochburg. Mythen gibt es viele. Prof. Dr. Tomas Jelinek klärt auf. Zehn Fakten, die Sie wissen sollten.

BIKE: Kann man damit rechnen, dass es 2017 weniger Zecken geben wird, weil es im Januar eine längere Frostperiode gab?
Prof. Dr. Tomas Jelinek: Nein. Zecken bzw. deren Gelege befinden sich unter dem Schnee und bekommen vom Frost wenig mit. Viel relevanter für ein "gutes Zeckenjahr" ist ein feuchtes, warmes Frühjahr/Frühsommer.

BIKE: Es scheint so, als würden manche Menschen Zecken besonders anziehen. So hat ein Freund von mir zum Beispiel andauernd Zecken. Ich dagegen nie – selbst während meiner zwei Jahre als Soldat, als ich andauernd in Büschen und hohen Gräsern in Süddeutschland unterwegs war. Manche behaupten: Zecken suchen sich nur Schwache und Kranke aus. Ist da was dran?
Zecken werden abgestreift und wandern dann auf dem Körper umher, auf der Suche nach einer guten Stichstelle. Hierbei werden sie von Ausdünstungen des Wirtstieres angezogen, insbesondere auch von Pheromonen. Je länger eine Zecke umherwandert, desto eher stürzt sie ab, da der Mensch am Körper kaum Haare zum Festhalten bietet. Riecht ein Mensch aus Zeckensicht gut, wird er schneller und daher häufiger gestochen. Man kann es vielleicht ein wenig uncharmant auf den Nenner bringen: wenig Sexualduftstoffe = wenig Zeckenstiche. Schwache und Kranke: Diese Aussage trifft beim Wildtier zu, da kranke Tiere länger in der Vegetation liegen und daher leichter von Zecken befallen werden. Zudem streifen sie die Zecken nicht mehr aktiv ab. Beim Menschen stimmt das aber nicht, da wir nicht in der Landschaft herumliegen.

Prof. Dr. Tomas Jelinek

Prof. Dr. Tomas Jelinek, Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin (www.bcrt.de)

10 Fakten über Zecken, die Sie wissen sollten

1. Ganze 9 Monate dauert die Zeckensaison. Von März bis Oktober. Besonders Süddeutschland gilt als Risikogebiet.

2. Entgegen eines Irrglaubens lauern Zecken nicht auf Bäumen, vielmehr in hohen Gräsern oder Büschen. Was hilft? Geschlossene Schuhe, Hosenbeine in die Socken stecken und helle Kleidung, um die Zecken leichter zu entdecken.

3. Jede fünfte Zecke trägt Borrelien in sich. Borrelien sind Bakterien, die beim Menschen eine Lyme-Borreliose auslösen können. Die Bakterien können das Nervensystem, die Gelenke und Organe sowie das Gewebe befallen. Gegen diese Infektionskrankheit gibt es keine Impfung. Vor allem Biker sollten auf der Hut sein, da sie permanent im Reich der Zecken unterwegs sind.

4. Borrelien gelangen erst nach frühestens zehn Stunden in den Körper des Menschen. Die Zecke rechtzeitig zu entfernen, gilt somit zu den besten Methoden, sich vor der gefährlichen Borreliose zu schützen. FSME-Viren gelangen dagegen unmittelbar nach dem Zeckenbiss ins menschliche Blut. Mögliche Folgen: Hirnhaut- und Gehirnentzündung, die auch tödlich enden können. Hier empfiehlt sich die FSME-Impfung als wirksamster Schutz.

5. Lebensaufgabe: Zecken verbringen 99 Prozent ihres Lebens damit, auf einen Träger zu warten. Bis zu zwei Jahre können sie ohne Blutnahrung überleben.

6. Lieblingszonen: Besonders vier Stellen am Körper sind bei Zecken beliebt. 1. Zwischen den Beinen 2. In den Kniekehlen 3. Unter den Armen 4. Am Nacken

7. Dass Zecken am besten in Drehbewegungen rauszudrehen sind, ist ein gefährlicher Irrtum. Man sollte den Kopf der Zecke so nah wie möglich mit einer Pinzette greifen und sachte rausziehen. Sachte deswegen, weil der Kopf nicht abreißen sollte. Auf gar keinen Fall sollte man versuchen, die Zecke mit den Fingern zu entfernen. Denn die Gefahr, dabei den Zeckenkörper zu quetschen, wobei die Zecke ihren Darminhalt in die Wunde ausleeren könnte, ist dabei besonders groß.

8. Eine vollgesogene weibliche Zecke wiegt ungefähr 200 Mal so viel wie vor der Blutmahlzeit. Um diese Menge an Blut aufzunehmen, braucht die Zecke bis zu zehn Tage.

9. Von 295 deutschen Landkreisen gelten 145 als FSME-Risikogebiet (Stand Mai 2015). Der Süden ist ganz besonders stark betroffen.

10. Zecken durchlaufen drei Entwicklungsstadien: Larve, Nymphe und erwachsene Zecke. Schon Larven (0,5 Millimeter klein) können bereits kleine Säugetiere befallen.

Zecken_Risikokarte_EU

Hier eine Risikokarte, wo Zecken besonders häufig vorkommen.

Laurin Lehner am 09.03.2017