Bikeguide: Navigation mit dem Smartphone Bikeguide: Navigation mit dem Smartphone

Workshop MTB-Guide - Teil 4: Navigation mit dem Smartphone

Tourenführung per Smartphone: Tipps Karten und Apps

Gitta Beimfohr am 08.03.2016

Werden Sie Ihr eigener Bike-Guide und lernen Sie, wie Sie MTB-Touren planen und sicher nachfahren. Teil 4: Smartphone contra GPS-Gerät, Karten und Apps für Andoid und iOS.

OUTDOOR-NAVIGATION: GPS-GERÄT ODER SMARTPHONE?

Noch vor wenigen Jahren kam man für die Navigation auf Tour an einem "richtigen" GPS-Empfänger nicht vorbei. Sicher konnten Mobiltelefone schon länger GPS-Signale empfangen und verarbeiten. Doch die Darstellung von Karten und Tracks auf den Handy-Bildschirmen war lange Zeit weit davon entfernt, für die Praxis auf Tour tauglich zu sein. Seit dem Aufkommen moderner Smartphones hat sich dieses Bild gewandelt. Selbst die Bildschirme von Mittelklassegeräten bieten mittlerweile eine bessere Darstellung als die GPS-Flaggschiffe der Outdoor-GPS-Hersteller. Zudem haben sich bei hochwertigen Smartphones inzwischen Empfänger-Chips als Standard eingebürgert, die nicht nur die Signale der amerikanischen GPS-, sondern auch die der russischen Glonass-Satelliten empfangen können. In Sachen Empfangsgenauigkeit sind Smartphones den spezialisierten GPS-Geräten also zumindest theoretisch ebenbürtig.

In der Praxis wird die Empfangsgenauigkeit allerdings nicht nur durch den Chip, sondern mehr noch von der im Gerät verbauten Empfangsantenne beeinflusst. Was diesen Punkt angeht, sind die speziellen Geräte im Normalfall deutlich besser ausgestattet. Für die Navigation auf dem Trail ist dies bei guten Empfangsbedingungen nicht sehr relevant. Die Genauigkeit reicht dann in beiden Fällen aus, um die Tour zuverlässig zu finden. Bei schwierigen Bedingungen (dichter Wald, Steilhang oder Schlucht) ist man mit einem spezialisierten GPS-Gerät aber meist besser ausgestattet. Dies gilt auch für alle, die Touren nicht nur fahren, sondern die Tracks später auch korrigieren und archivieren möchten. Die Korrektur von Tracks aus einem Outdoor-GPS-Empfänger ist meist mit erheblich weniger Zeitaufwand verbunden. Ein weiterer Punkt, der für die Anschaffung von Outdoor-GPS-Empfängern spricht, ist deren deutlich längere Akku-Laufzeit. Selbst mit einer Akku-Ladung halten sie meist pro­blemlos einen kompletten Touren-Tag oder mehr durch. Wer dagegen sein Smartphone intensiv für die Navigation nutzt, kommt bei Touren mit über drei Stunden Länge nicht um einen zusätzlichen, externen Akku-Pack herum.

Last but not least: Outdoor-GPS-Empfänger sind deutlich robuster als Smartphones. Selbst Stürze überleben diese Geräte meist unbeschädigt. So lassen sie sich auch ohne großes Risiko am Lenker befestigen und sind so immer im Blick. Sicher geht das auch mit einem Smartphone. Aber möchte man ein 600-Euro-Gerät wirklich einem Sturzrisiko aussetzen? Wer mit Smart­phones navigiert, hat dies meistens irgendwo in der Tasche stecken. Der größte Vorteil der GPS-Navigation, nämlich die eigene Position in "Echtzeit" ständig im Blick zu haben, wird so aber wieder eingebüßt.

KARTEN FÜR OUTDOOR-GPS-EMPFÄNGER

Spezielle GPS-Geräte sind für die Nutzung mit Vektorkarten optimiert. Die Darstellung dieser Karten läuft flüssig, und auch freie Vektorkarten aus OSM-Daten lassen sich problemlos nutzen. Zumindest höherwertige, moderne Geräte können meist auch Rasterkarten darstellen. Allerdings muss man hier in Sachen Abbildungsleistung deutliche Abstriche machen. Selbst die Displays der besten GPS-Geräte bringen es nur mit Ach und Krach auf ein Viertel der Auflösung eines durchschnittlichen Smartphones. Rasterkarten werden hier tatsächlich sehr stark "gerastert" dargestellt. Das macht den eigentlichen Vorteil von Rasterkarten – den des deutlich schöneren Kartenbildes – wieder zunichte.

Wobei die von den gängigen Herstellern vertriebenen Rasterkarten ohnehin ziemlich teuer sind. Entweder man greift hier auf die deutlich günstigeren Vektorkarten zurück – die Gebietsabdeckung ist die gleiche und an die einfachere Geländedarstellung hat man sich schnell gewöhnt (siehe auch Bikeguide, Teil 3 in BIKE 3/16). Oder aber, Sie basteln sich Ihre GPS-fähigen Rasterkarten einfach selbst. Mithilfe der Software MOBAC (Mobile Atlas Creator) geht das kinderleicht und ist auch noch kostenlos (s. Kasten unten).

Darstellungsprobleme kennt das Smartphone dagegen nicht. Die Auflösung ist genial, und selbst bei Sonneneinstrahlung sind viele Displays noch bestens lesbar. Allerdings ist das auch der Grund, warum die Akkus der Smartphones so schnell leergesaugt sind. Der Stromhunger der Displays ist leider immens. 

MOBAC – OFFLINE-FÄHIGE RASTERKARTEN SELBST ERSTELLEN

Mit dem Mobile Atlas Creator lassen sich gerasterte Online-Karten problemlos für die Offline-Nutzung auf Smartphones konvertieren. Da MOBAC in der Programmiersprache Java geschrieben ist, funktioniert die Software unabhängig vom Betriebssystem auf jedem PC. Die Bedienung der Software ist denkbar einfach. Nach Auswahl der gewünschten Online-Karte und des Zielformats wird mit einem Auswahlrechteck per Mausklick der Kartenausschnitt festgelegt. Wenn das Zielformat es zulässt, kann die Karte auch mit mehreren Zoom-Stufen erstellt werden. Wenn die Einstellungen getroffen sind, lädt MOBAC die benötigten Kartenkacheln aus dem Internet herunter und packt sie in eine Datei, die auf der Festplatte des PCs gespeichert und von dort auf das Smartphone geladen wird.
mobac.sourceforge.net/

Bikeguide: Navigation mit dem Smartphone

Karten mit dem Mobile Atlas Creator selbst erstellen

OUTDOOR-KARTEN FÜR SMARTPHONES

Immerhin steht hier zur Abwechslung einmal keine Grundsatzentscheidung an. Wer sich für die GPS-Navigation per Smartphones interessiert, hat sein Gerät ja bereits gekauft. Und damit ist auch die Frage des Betriebssystems geklärt. Die Frage, ob Apples iOs, Googles Android oder gar Microsofts Windows das beste Betriebssystem für Smartphones ist, kann daher beruhigt Glaubenssache bleiben. Fakt ist: Was die GPS-Navigation angeht, hat das Betriebssystem des Suchmaschinenbetreibers Google ein ganzes Stück weit die Nase vorne. Ebenso praxistaugliche wie empfehlenswerte Apps finden sich für alle Betriebssysteme. Android-Nutzern stehen aber die mit Abstand meisten Ressourcen für den freien Karten-Download zur Verfügung. Ob Vektor- oder Rasterkarte ist in diesem Fall relativ egal. Alle hier vorgestellten Apps können mit Karten aus beiden Welten problemlos umgehen. Die meisten frei erhältlichen Digitalkarten liegen zwar auch für Smartphones im Vektorformat vor. Wer Rasterkarten nutzen will, kann sich diese aber wie gesagt dank der Software MOBAC recht problemlos selber herstellen.

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Gitta Beimfohr am 08.03.2016