Bikeguide: Wo sind wir? So liest man eine Karte richtig Bikeguide: Wo sind wir? So liest man eine Karte richtig

Workshop MTB-Guide - Teil 1: Karte lesen und Orientierung

Karte richtig lesen: Grundlagen der Outdoor-Navigation

Gitta Beimfohr am 05.03.2016

Werden Sie Ihr eigener Bike-Guide und lernen Sie, wie Sie MTB-Touren planen und sicher nachfahren. Teil 1: Karten richtig lesen lernen, Orientierung im Gelände und nützliches Wissen für unterwegs.

Die Einen fahren immer die gleichen Touren, weil sie da wissen, wo es langgeht. Die Anderen vertrauen sich lieber einem Guide an. In dieser Workshop-Serie zeigen wir Ihnen, wie Sie Ihre eigenen Touren finden, planen und sicher nachfahren können – alleine oder in der Gruppe, mit oder auch ohne GPS-Gerät. Sie müssen ja nicht gleich Ihr Geld damit verdienen. Aber wer die Fähigkeiten eines Guides besitzt, navigiert nicht nur sicher durchs Gelände, sondern erweitert auch seinen Touren-Horizont. Unser Workshop "Werden Sie Ihr eigener Guide" – Teil 1 befasst sich daher mit einem extrem wichtigen Thema: Karten lesen und Orientierung.

Braucht man das im GPS-Zeitalter überhaupt noch? Da lädt man sich doch einfach einen Track aus dem Internet runter und los geht’s! Dank Satelliten-Navigation weiß man immer, wo man sich gerade befindet, und im Falle eines Unfalls kann man die exakte Position an die Notrufleitstelle durchgeben. Perfekt – eigentlich.

Doch neulich am Berg wurden die Nachteile dieser Technologie wieder deutlich: Zwei junge Alpenüberquerer betraten gen Abend die Sesvenna-Hütte. Wo sie denn herkämen, wurden sie beim Bier auf der Terrasse gefragt. "Von Scuol rauf", lautete die knappe Antwort. Ah, durchs Val d’Uina! Die Jungs schauten sich kurz fragend an und zuckten dann halb nickend mit den Schultern. Offensichtlich hatten sie keine Ahnung, dass sie gerade eine berühmte Schlucht hinaufgeschoben haben. Nächste Frage: Und wohin fahrt ihr morgen weiter? Wieder hilfesuchender Blickkontakt, dann nuschelte der andere: "Keine Ahnung, wir fahren nach GPS." Gut, landschaftliches Desinteresse ist schade, aber noch nicht lebensbedrohlich. Sollte das GPS-Gerät dagegen unterwegs plötzlich ausfallen oder ein Notfall eintreten (schlechtes Wetter, Weg versperrt, Unfall o. Ä.), wird es schwierig, den schnellsten Weg ins Tal oder eine Alternativ-Route zu finden.

Ein guter Bergsportler hat das Gelände, in dem er unterwegs ist, immer grob im Kopf. Und diesen Überblick verschafft er sich durch eine topografische Karte. Trotz GPS gehört das Lesen und Navigieren mit der klassischen Karte zu den Grundfertigkeiten eines Touren-Bikers. Daher hier nun die Grundlagen dazu.

KARTEN-GRUNDWISSEN

Viele Biker stehen mit den Höhenlinien auf Kriegsfuß und haben daher Probleme mit dem Kartenlesen. Doch einmal in die Materie reingedacht, lesen sich Karten leicht wie Comic-Hefte.

Schon 35 Prozent der BIKE-Leser besitzen ein GPS-Gerät, Nimmt man die Navigation mittels Smartphone dazu, werden sich wohl rund die Hälfte unserer Leser mit technischen Hilfsmitteln im Gelände orientieren. Eine Karte sollte dennoch immer im Rucksack stecken – vor allem, wenn man sich in unbekannten Regionen bewegt. Das haben Sie bei der Karten-Navigation zu beachten:

Maßstab 1:50000

Diese Darstellung ist zwar nicht ganz detailgenau, reicht für die Routen-Findung aber meistens aus. 2 cm auf der Karte entsprechen 1 km in der Natur. Einfacher zu merken: Streichen Sie vom Maßstab einfach die letzten zwei Nullen, dann ergibt sich: 1 cm auf der Karte entspricht 500 m in der Natur.

Maßstab 1:25000

Vier Blätter dieses Maßstabes decken das Gebiet einer 1:50000-Karte ab. Entsprechend genauer ist die Darstellung der Landschaft (z. B. jedes einzelne Haus). 4 cm auf dieser Karte entsprechen 1 km in der Natur. Oder eben 1 cm auf der Karte entspricht 250 m in der Natur.

Höhenlinien

Für Biker die wohl wichtigste Information, denn Höhenlinien zeigen an, ob es bergauf oder bergab geht – und vor allem: wie steil. Die Linien verbinden alle Geländepunkte, die auf einer Höhe liegen und sorgen so für eine plastische Darstellung von Bergen. Je weiter die Höhenlinien auseinander liegen, desto flacher das Gelände, je dichter die Linien gestaffelt sind, desto steiler. Felswände werden schraffiert dargestellt. Die Abstände zwischen den Höhenlinien (Äquidistanz) hängen vom Maßstab der Karte ab (siehe Legende). Gängige Dis-tanzen sind 10, 20, 50 oder 100 Meter. In der Karte rechts zeigen die Höhenlinien 50 Meter Niveau-Unterschied an.

Bikeguide: Wo sind wir? So liest man eine Karte richtig

Die Legende

Die Karten-Legende befindet sich in der Ecke oder auf der Rückseite des Blattes. Die wichtigsten Angaben für Mountainbiker, z. B. in der Kompass-Karte, sind die Darstellungen der unterschiedlichen Wegarten:

Bikeguide: Wo sind wir? So liest man eine Karte richtig

...

Seite 1 / 2
Gitta Beimfohr am 05.03.2016