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Vergleich: Geometrie-Konzepte von Mountainbikes

Geometrie-Konzepte: Welche MTB-Geometrie überzeugt?

  • Christian Artmann
 • Publiziert vor 4 Jahren

Zahlen, Winkel, Werte: Wir haben drei aktuelle Trailbikes mit ausgefallenen Geometrien verglichen und getestet. Und wir erklären, was Geometriewerte über den Charakter eines Mountainbikes aussagen.

Neue Antworten auf alte Fragen Früher war alles einfacher. In den Anfangsjahren des Mountainbikes gab es in Sachen Geometrie nur wenig Diskussionsbedarf. Die jungen Geländeräder waren nicht viel mehr als robuste Kopien von Straßenrennrädern. Man war zurückhaltend und wagte kaum, von den etablierten Maßen abzuweichen. Ein Lenkwinkel von 70–71 Grad und ein Sitzwinkel von 72–73 Grad waren Gesetz. Auch bei den anderen Maßen gab es nur wenig Spielraum. Doch das änderte sich im Laufe der Zeit gewaltig. Bessere Fahrwerke, bessere Fahrtechnik, technisch immer anspruchsvollere Trails und die Diversifizierung der Mountainbikes nach Einsatzbereichen – in diesem Zuge wandelten sich auch die Geometrien der Bikes rasant.



Die Testbewertung der drei Geometrie-Konzepte finden Sie in der Linkliste unten im Artikel:

  • Canfield Bros. Riot
  • Ghost SL AMR X LC9
  • Nicolai Ion-G13


Eine Zeit lang glaubte man, verstanden zu haben, worauf es beim modernen Mountainbike ankommt. Doch dann kamen die 29er. Und auf einmal musste man auf alte Fragen neue Antworten finden. Vor allem ging es darum, die Vorteile großer Laufräder zu nutzen, ohne dass gleichzeitig die Bikes zu träge wurden. Einer der ersten Ansätze, um das oft schwerfällige Handling der frühen 29er zu verbessern, war Gary Fishers G2-Geometrie. Mit Hilfe eines größeren Gabel-Offsets (Erklärung s. rechts) wurde der Nachlauf verkürzt und die Lenkung damit agiler – 51 mm Gabel-Offset sind heute ein fester Standard bei den 29er-Gabeln. Gleichzeitig rückte auch die Kettenstrebenlänge in den Fokus der Entwickler. Der Ruf nach mehr Verspieltheit, die man mit kürzeren Hinterbauten erreichen wollte, brachte allerdings andere konstruktive Notwendigkeiten mit sich: Kürzere Kettenstreben bei gleichzeitig ausreichender Reifenfreiheit waren die Geburtshelfer für Einfach-Schaltungen und breite Boost-Naben.

Armin M. Küstenbrück,EGO-Promotion Auch im CC- und Marathon-Rennsport zeichnet sich ein Wandel bei den Bike-Geometrien ab – nicht zuletzt auch wegen der fahrtechnisch immer schwierigeren Rennkurse. Längere Rahmen und kurze Vorbauten sind schon jetzt im Kommen. Ob die Lenkwinkel auch hier flacher werden, bleibt abzuwarten.

Länge läuft Zeitgleich brachten moderne Fertigungstechniken mit hydrogeformtem Aluminium und der Werkstoff Carbon zusätzliche Freiheiten für die Konstrukteure. Und die wachsende Begeisterung für technische Trails und hohe Abfahrtsgeschwindigkeiten erforderten leistungsfähige Fahrwerke und flache Lenkwinkel. Die 2012 von Mondraker vorgestellte und von Downhill-Legende Fabien Barel mitentwickelte Fast-Forward-Geometrie war eine weitere Wegmarke der modernen Mountainbike-Entwicklung. Auch wenn das Konzept – wie viele innovative Ideen zuvor – erst mal über das Ziel hinausschoss, hat sich daraus ein weiterer anhaltender Trend entwickelt: Längere Oberrohre und kurze Vorbauten bringen Laufruhe und Sicherheitsreseven, erzeugen aber zugleich ein sehr direktes Handling. Bei den Trail-, All-Mountain- und Enduro-Bikes ist diese Idee mittlerweile stark im Vormarsch, und auch im Cross-Country- und Marathon-Bereich scheint sie immer mehr Fuß zu fassen.

Drei Archetypen Im Prinzip haben wir heute drei archetypische Geometriekonzepte, in denen die Entwicklungen der letzten Jahre in unterschiedlichem Umfang und mit unterschiedlichen Prioritäten eingeflossen sind. Repräsentativ für diese drei Geometriekonzepte stehen unsere drei All-Mountain-Test-Bikes: Das Ghost SL AMR X geht mit seiner modernen Mainstream-Geometrie einen Mittelweg in allen Bereichen und bleibt damit sehr vielseitig. Das von Nicolai entwickelte Geolution-Konzept hält sich an das Motto "Länge bringt Sicherheit und Speed". Kennzeichen: Oberrohr, Kettenstreben und Radstand fallen sehr lang aus, der Lenkwinkel extrem flach. Ursprünglich waren die Geometron-Bikes, die mit dem britischen Fahrwerksexperten Chris Porter entwickelt wurden, nur als Konzeptstudie gedacht. Doch die Fahreindrücke hatten Kalle Nicolai so begeistert, dass er daraus für 2017 eine komplette Baureihe ableitete. Freilich liegt das Ion-G13 mit seiner extremen Geometrie hart an der Grenze dessen, was man noch massentauglich nennen kann. Das Canfield Brothers Riot geht in die entgegengesetzte Richtung. Es will mit seiner ultrakompakten Geometrie beweisen, wie verspielt ein 29er sein kann, nutzt aber gleichzeitig einen flachen Lenkwinkel, um die Lenkung zu stabilisieren.

Drei Bikes, drei Konzepte – aber erst das Zusammenspiel aller Längen und Winkel bildet den individuellen Charakter eines Bikes. Denn jede Bike-Geometrie ist immer ein Kompromiss aus verschiedenen, zum Teil gegensätzlichen Fahreigenschaften. So erkennen wir heute zwar drei maßgebliche Geometrie-Trends, aber auch eine Vielzahl an individuellen Ausprägungen.


FAZIT von Christian Artmann, BIKE-Tester:
Länge läuft – bei Seglern eine alte Weisheit, im Mountainbiken eine noch recht neue Erkenntnis. Die extremen Geometrien, wie beim lang gestreckten Nicolai Ion-G13, ergeben zwar interessante Fahreigenschaften, aber auch eine gewisse Einseitigkeit. Da die Suche nach dem perfekten Bike oft auch die Suche nach dem idealen Kompromiss ist, wird das Gros der Biker eher zu gemäßigteren Geometrien tendieren.

Georg Grieshaber Christian Artmann, BIKE-Autor


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