Schmiermittel Guide

Ketten-Kur: Was schmiert wann am besten?

  • Stefan Loibl
 • Publiziert vor 24 Tagen

Spray oder Tropfflasche, Trocken- oder Nass-Schmiermittel, Öl oder Wachs: Der Markt für Ketten-Schmiermittel ist so unübersichtlich wie das Shampoo-Regal im Supermarkt. Wir klären auf.

Früher war alles einfacher. War die Kette trocken, träufelte man ein paar Tropfen zähes Nähmaschinenöl auf den Antriebsstrang und fertig. Heute dagegen klickt man sich in Online-Shops durch seitenweise Ketten-Schmiermittel für Fahrräder. Von einfacher Tropfflasche für fünf Euro bis zur High-End-Beschichtung für 130 Euro pro Fläschchen. Von Allzweck-Ölen bis zu speziellen Produkten für trockene und nasse Bedingungen. Von der Sprühflasche bis zum Kettenwachs. Wie soll man da den Überblick behalten und für den Alltag das passende Produkt finden?

In der Spraydose und als Tropfflasche erhältlich: das Allwetter-Schmiermittel Top-Kett von Brunox. Preislich ist kein Unterschied. Für 100 ml zahlt man bei Online-Shops 5-6 Euro.

Bei Bikern – aber auch bei Herstellern – herrschen völlig unterschiedliche Meinungen zu Schmiermitteln: Einige Hersteller wie Muc-Off *, WD-40 * oder Atlantic * bieten spezielle Produkte für trockene und nasse Bedingungen an. Die Schmiermittel von Tunap *, Sonax * oder Brunox * dagegen gibt's nur in einer Allwetter-Ausführung. Genauso gespalten sieht es beim Design der Flaschen aus: Hersteller wie Motorex * bieten ihr Schmiermittel-Sortiment ausschließlich in Sprayflaschen an, Brunox dagegen bietet sein Top Kett sowohl in der klassischen Tropfflasche als auch als Spraydose an. Und um die Verwirrung perfekt zu machen, kommen im Schmiermittel-Dschungel auch noch Kettenwachse dazu. Am bekanntesten sind hier die Produkte von DryFluids * und Squirt Lube *.

Andreas Pscheidl – Cannondale Team-Mechaniker im Interview


BIKE: Nass- und Trockenschmierstoffe, Allwetteröl und Kettenwachs: Braucht man wirklich für jedes Wetter ein passendes Schmiermittel?
Andreas Pscheidl: Aus meiner Sicht nicht. Ich würde das Schmiermittel nach den Bedingungen auswählen, in denen man am meisten fährt. Fährt man zum Beispiel hauptsächlich bei trockenen Bedingungen, würde ich mein Schmiermittel darauf abstimmen. Für die Ausnahme im Nassen ist es dann ein kleiner Kompromiss, spart aber jede Menge Arbeit und Geld. Zudem kommt man mit den modernen Schmiermitteln auch im Nassen ziemlich weit.


Was davon würdest du empfehlen, wenn man nur ein Produkt in der Garage haben will?
Definitiv ein Schmiermittel auf Wachsbasis à la Squirt Lube oder Smooth. Diese bieten meiner Meinung nach den besten Kompromiss aus Haltbarkeit und Effizienz. Gleichzeitig bleibt der Antrieb schön sauber und man muss sich nicht mit fettverschmierten Fingern rumärgern. Einziger Nachteil hier ist das erste Aufbringen. Dazu muss die Kette komplett entfettet werden.

Hält als Team-Mechaniker die Worldcup-Bikes von Maxime Marotte, Manuel Fumic und Henrique Avancini in Schuss: Andreas Pscheidl.


Sprüh- oder Tropfflasche, was ist besser und warum?
Tropfflasche. Das Schmiermittel kann gezielt auf die Rollen der Kette aufgebracht werden und man kann es wesentlich besser dosieren.


Speziell nasse, matschige Bedingungen sind hart für den Antrieb. Lohnt es sich hier, zum Wachs zu greifen?
Wachs ist ziemlich aufwändig aufzutragen. Das macht nur Sinn, denke ich, wenn man auf der Suche nach dem letzten Watt ist. Fährt man viel in solchen Bedingungen, würde ich zu einem dickeren Schlechtwetter-Öl greifen. Das verhindert am besten Korrosion und wäscht während der Fahrt nicht so schnell aus. Aber hier gilt: Antrieb direkt nach der Fahrt ordentlich reinigen und neu abschmieren. Ansonsten funktioniert auch hier ein Mittel auf Wachsbasis sehr gut.


Wie vermeidet man eine schwarze, ölverschmierte Kette?
Mit der richtigen Pflege, einem Trockenschmierstoff auf Wachsbasis und darauf achten, dass man nicht zu viel schmiert. Ich schmiere immer erst, wenn ich höre, dass die Kette anfängt, trocken zu laufen. Vor dem neuen Schmiergang die Kette unbediengt reinigen (Baumwolllappen mit etwas Bremsenreinger und Kette damit abziehen), damit Dreck und andere Rückstände nicht mit eingebunden werden.


Nach welcher Faustregel empfiehlst du, seine Kette am Bike zu schmieren?
15 Tropfen auf der Kette verteilen, 15 Sekunden pedalieren und nach weiteren 15 Sekundnen Kette mit einem trockenen, sauberen Tuch abziehen. Zusätzlich sollte man einen Blick in die Herstellerangaben werfen.

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Schlagwörter: Cannondale Factory Racing Interview Kettenpflege Öl Schmiermittel Schmierstoff Schrauber-Tipp


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