Wenn die Bremse schleift: Beläge abschleifen? Wenn die Bremse schleift: Beläge abschleifen? Wenn die Bremse schleift: Beläge abschleifen?

Schleifende Scheibenbremse und giftiger Bremsstaub

Wenn die Bremse schleift: Beläge abschleifen?

  • Sebastian Brust
 • Publiziert vor einem Jahr

Weil nach dem Belagwechsel an seiner Scheibenbremse die Bremsbeläge an der Scheibe streiften, schliff ein BIKE-Leser die Beläge etwas ab. Geht das nicht auch anders? Und: Ist der Bremsstaub giftig?

BIKE-Leser Nico Schweiger hatte ein Problem mit seiner Scheibenbremse, das jeder Biker kennt: Die Bremsbeläge streiften an der Scheibe. Er behalf sich kurzerhand selbst und warf dabei eine interessante Frage auf.

"Ich habe kürzlich bei meinem MTB die Bremsbeläge getauscht (Avid-Bremsbeläge Elixir X0 organisch). Beim Einbau der neuen Bremsbeläge mit zurückgedrückten Kolben habe ich immer das Problem, dass der Spalt zu gering ist und ich die Beläge nicht montiert bekomme bzw. diese noch stark streifen. Habe die Bremsbeläge daraufhin abgeschliffen. Nun die eigentliche Frage: Darf man die Bremsbeläge abschleifen? Besteht da durch die Inhaltsstoffe ein gesundheitliches Risiko? Und wenn ja, gehen Sie mit dem Abrieb in der Werkstatt oder beim Test besonders um?"

Die Bremse wird beim Mountainbiken extrem belastet, hier beim Härtetest auf unserem Prüfstand. Die Bremsbeläge haben einen echten Höllenjob.

Schleifende Bremse und giftiger Staub: BIKE antwortet

Organische Bremsbeläge bestehen aus einer Vielzahl von Inhaltsstoffen, die genaue Zusammensetzung ist stets unterschiedlich und ein meist unbekanntes, weil vom Produzenten streng gehütetes Betriebsgeheimnis. Zu den Bestandteilen zählen neben den Metallen Eisen oder Kupfer auch Carbonfasern (PAN), Graphit, Petrolkoks oder der "Kleber" Epoxidharz. [Breuer, Bill (Hrsg.): Bremsenhandbuch – Grundlagen, Komponenten, Systeme, Fahrdynamik. 4. Auflage. Springer Vieweg. 2013]

Obwohl organische Bremsbeläge heutzutage kein nachweislich krebserregendes Asbest mehr enthalten dürfen, ist der Bremsstaub mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in größeren Mengen gesundheitsgefährdend.

Von einer grundsätzlich gesundheitsgefährdenden Wirkung ist also auszugehen. Es gilt natürlich auch hier: Die Dosis macht das Gift, nicht nur bei allerhand Stäuben. In diesem Fall, also bei einmaligem Abschleifen von einem oder zwei Paar Bremsbelägen in der Werkstatt, wird die Menge eingeatmeten Staubs hoffentlich nicht so groß gewesen sein.

Hier ein paar Links zur möglichen gesundheitsgefährdenden Wirkung, in dem Fall für Bremsbeläge von Kraftfahrzeugen.


https://de.wikipedia.org/wiki/Bremsstaub
https://www.autobild.de/artikel/giftiger-metallstaub-aus-bremsbelegen-5094885.html
https://www.deutschlandfunk.de/ungesundes-zubehoer.697.de.html?dram:article_id=72660

Wenn Sie sich vor Bremsstaub schützen möchten, zum Beispiel in der heimischen Werkstatt, gilt dasselbe wie bei anderen Schleifstäuben auch. Besteht die Gefahr, dass der Staub in die Luft gewirbelt wird, sollten Sie Handschuhe, eine Sicherheitsbrille und eine geeignete Filtermaske für Feinstaub tragen. Dasselbe gilt dann streng genommen auch für Reinigungsarbeiten an trockenen Bauteilen.

An der Oberfläche von Bauteilen haftender Staub ist weniger kritisch, da er in der Regel in dünnen Fettschichten gebunden ist und nicht so leicht eingeatmet werden kann. Beim Abspülen mit Wasser sollten nur sehr geringe Mengen davon in die Luft abgegeben werden. Wischen Sie den Staub aber nicht mit bloßen Händen ab, und waschen Sie sich anschließend gründlich die Hände.

Was tun, wenn die Scheibenbremse schleift?

Aber gerne gehe ich noch auf das Kernproblem der nicht ganz zurückstellbaren Bremskolben bzw. des zu geringen Spalts ein. Hierfür kommen mehrere Ursachen in Betracht.

  1. 1.    Die neuen Bremsbeläge könnten natürlich minimal dicker sein als die vorherigen Beläge. Zugegeben, ein eher theoretisches Problem, aber es können bei dem geringen Spalt schon wenige Hundertstel mehr reichen, und die Bremse schleift. Außerdem sollte sich natürlich kein Schmutz zwischen Bremskolben und Belag befinden.
  2. 2.    Wahrscheinlicher ist, dass die Bremse schlicht überfüllt ist. Das kann wieder verschiedene Ursachen haben. Möglicherweise ist sie zwischenzeitlich bei nicht ganz zurückgestellten Kolben oder nicht neuen Belägen entlüftet bzw. nachgefüllt worden.
  3. 3.    Oder die Bremsflüssigkeit hat im Laufe der Zeit an Volumen zugenommen. DOT-Bremsflüssigkeit ist hygroskopisch und altert durch Wasseraufnahme. Zusätzlich sammeln sich im Fahrbetrieb Staub, Metall- und Gummiabrieb in der Bremsflüssigkeit. Beides kann das Volumen vergrößern, sodass die Bremse schleift oder sogar ganz blockiert, z. B. wenn sich die Temperatur im System deutlich erhöht.
  4. 4.    Bei älteren Bremsen können die Dichtgummis, die die Bremskolben zurückziehen, mit den Kolben verkleben. Erkennbar ist das, wenn die Kolben beispielsweise nicht gleichmäßig von beiden Seiten herausgedrückt werden. Dasselbe gilt auch in die andere Richtung, sodass sich die Kolben nicht mehr vollständig in die Dichtungen zurückschieben lassen. Hier hilft in einem ersten Schritt die Reinigung (s. verlinkte Tipps unten), ansonsten der Tausch von Kolben und Dichtungen. Letzteres ist jedoch verhältnismäßig teuer, wenn man es nicht selber macht, da die Bremse dafür zerlegt werden muss. Die Ersatzteile selber kosten bei Sram lediglich ein paar Euro.

Der Spalt zwischen Bremsbelägen und Bremsscheibe ist winzig. Schleifende Bremsen gehören deshalb zum Biker-Alltag. Ursachen gibt es viele. Eine Möglichkeit: die Bremskolben lassen sich nicht vollständig zurückdrücken. 

In jedem Fall gilt: Wurde die Bremse also schon längere Zeit nicht gewartet, sollte auf jeden Fall die Bremsflüssigkeit gewechselt und die Bremse entlüftet werden. Und zwar bei komplett zurückgedrückten Kolben. Sram gibt an, die DOT-Bremsflüssigkeit mindestens einmal jährlich zu wechseln. Auf Nummer sicher geht, wer die Herstellerhinweise beachtet. Wichtig: die richtige Bremsflüssigkeit benutzen! In Bremsen von Sram/Avid kommt DOT 5.1 zum Einsatz, andere Bremsenhersteller (z. B. Shimano oder Magura) verwenden Mineralöl. DOT und Mineralöl darf nie gemischt oder verwechselt werden.

Wenn die DOT-Bremsflüssigkeit noch nicht älter als ein Jahr ist, würde es genügen, kontrolliert eine winzige Menge Bremsflüssigkeit abzulassen. Wenn Sie sich hierbei unsicher sind, wenden Sie sich bitte an eine Fachwerkstatt. Aber die Frage stellt sich ja ohnehin nicht mehr, die Beläge sind ja schon abgeschliffen. Beim nächsten Mal dann :-)

In unserem Artikel " Sram/Avid Bremsen-Workshop für Schrauber " finden Sie nützliche Tipps zum Service der Avid Elixir X0. Noch viel mehr Wissenswertes zu MTB-Bremsen und Bremsbelägen finden Sie weiter unten unter der Überschrift "Mehr zum Thema".

Schlagwörter: BIKE 9/2019 Bremsbeläge Bremsen Geräusche Schrauber-Tipps


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