Was bringt der Boost-Standard? Was bringt der Boost-Standard? Was bringt der Boost-Standard?
Seite 2: Mountainbike-Wissen: Boost

Teil 2: Was ist Boost? Der neue Standard einfach erklärt

  • Christian Artmann
 • Publiziert vor 4 Jahren

Boost gehört zu den großen Trends der Saison. Doch was genau steckt hinter dem neuen Standard? Und was bringt Boost 148 wirklich?

1. Was ist Boost 148 überhaupt?

Hersteller Naben und Kurbel betrifft der neue Boost-Standard am meisten. Doch auch die MTB-Federgabel und der Hinterbau müssen zu den breiteren Einbaumaßen passen.


Etwas breiter bitte: Der neue Boost-Standard betrifft Naben und Kurbel und lässt sich nicht an einem herkömmlichen Bike nachrüsten. Hinterbau und Gabel müssen für die gewachsene Einbaubreite vorgesehen sein. Mehr Steifigkeit und Reifenfreiheit sind das Ziel.

Hersteller Boost kurz erklärt: Die Hinterradnabe (Mitte) wächst auf 148 Millimeter, die Vorderradnabe (rechts) auf 110 mm Breite an. Bei der Kurbel verschiebt sich die Kettenlinie um drei Millimeter nach außen.

Boost an sich ist nicht viel mehr als ein für alle offener Standard, den Sram und Trek zusammen entwickelt haben. Dabei wächst die Hinterradnabe in ihrer Baubreite von 142 auf 148 mm und die Vorderradnabe von 100 auf 110 mm Breite an. Gleichzeitig wandert die Kettenlinie weiter nach außen, weshalb Boost gleichzeitig Anpassungen an Kurbeln bzw. Kettenblättern notwendig macht. Die Kurbelbreite (Q-Faktor) bleibt jedoch unverändert.

2. Was hat Boost mit Plus zu tun?


Für viele Biker sind "Boost-Standard" und "Plus-Reifen" austauschbare Begriffe. Warum?
Es ist kein Zufall, dass Boost als Standard und Plus-Bikes zeitgleich aufgetreten sind und deswegen oft gleichgesetzt werden: Mit Boost schafft man an vielen Plus-Bikes erst den notwendigen Platz für die drei Zoll breiten Plus-Reifen. Es gibt aber auch plusfähige Bikes, die zumindest hinten ohne Boost auskommen (z. B. Last Fast Forward). Deswegen: Beim Antrieb ist Boost durch den gewonnenen Platz prädes­tiniert für Plus-Bikes. Es ist aber keineswegs der einzige Weg. An der Gabel ist Boost allerdings ein echtes Muss für die Plus-Bikes. Nur die junge Generation der Federgabeln mit 110 mm Achsbreite bieten genug Raum zwischen den Holmen für die bis zu drei Zoll breiten Reifen. Die bisherigen Gabeln bauen dafür einfach zu schmal.

Markus Greber Die BIKE-Tester beim Testen: Mit den Plus-Bikes hielt auch der Boost-Standard bei Mountainbikes Einzug.

BIKE Magazin

3. Welchen Nutzen hat Boost 148?


Boost will gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Steifere Laufräder und mehr Platz im Tretlagerbereich, wo es vorher extrem eng wurde. Wie viel macht das aber wirklich aus?
Durch die breiteren Naben kann man die Laufräder steifer und – wenn man den Herstellern glaubt – auch haltbarer bauen. Die Steifigkeit beruht in erster Linie auf dem größeren Flanschabstand der Naben, mit dem man den Speichenwinkel vergrößert. Unsere Vergleichsmessung an einem Sram-Roam-40-Laufradsatz (siehe Grafik unten) bestätigt das. Mit Boost erreichen die zum Teil als zu weich kritisierten 29er-Laufräder nur vorne das Steifigkeits-Niveau vergleichbarer 27,5er-Laufräder. Hinten erhöht sich die Steifigkeit zwar um zehn Prozent, hinkt aber trotzdem noch hinter den Werten des 27,5er-Pendants hinterher. Der zweite Vorteil ist, dass durch die größere Kettenlinie an der Kurbel im chronisch beengten Tretlagerbereich mehr Platz zur Verfügung steht. Der kann auf unterschiedliche Weisen genutzt werden: Einmal, um die Hinterbauten kompakter zu konstruieren, siehe Beispiel rechts. Oder, um die Reifenfreiheit zu maximieren, wie etwa für Plus-Bikes, siehe Punkt 2. Zusätzlich kann man den durch Boost gewonnenen Bauraum auch nutzen, um den Hinterbau steifer zu machen – etwa durch den Einsatz größerer Lager oder eine breitere Abstützung.

Hersteller Kompakte Hinterbauten Von Anfang an standen 29er-Bikes in der Kritik, dass sie sich wegen der langen Hinterbauten träge fahren würden. Mit Boost konnte Trek den Hinterbau ihres Remedy-29ers um 15 mm kürzen, bei besserer Reifenfreiheit.

4. Wo ist Boost überhaupt relevant?

BIKE Magazin Mit Boost erreichen 29er-Laufräder zumindest vorne die Steifigkeitswerte von 27,5-Zoll-Laufrädern.

Anders als beim Umstieg von Schnellspanner auf Steckachse sind Boost-Rahmen und -Komponenten nicht mehr mit den bisherigen Standards kompatibel. Eine Umrüstung aktueller Rahmen auf Boost-Laufräder ist nicht oder nur mit einem neuen Hinterbau möglich. Erste Adapterlösungen erlauben es zwar auch, Standardlaufräder auf Boost-Rahmen/-Gabeln zu fahren, der Nutzwert ist hier allerdings fraglich. Daher: Wer sich ein Bike mit Boost aufbauen will, braucht neue Laufräder bzw. Naben und muss die Kurbel anpassen. Ansonsten ist Boost weniger ein Umbauthema als eines, das vor allem beim Bike-Neukauf und dort vorerst fast nur bei All-Mountain-29ern wichtig ist.

5. Was unterscheidet die Boost-Maße vom Downhill-Standard 150x12?

Der auch 150x12 genannte Downhill-Standard hat in Wirklichkeit einen Achsabstand von 157 Millimetern. Um die gegenüber der bisherigen 142 mm breiten Nabe zusätzlichen 15 mm im Rahmen unterzubringen und auch weiterhin eine praktikable Kettenlinie zu erhalten, müsste man auch Kurbeln mit einem breiteren Q-Faktor einsetzen. Gerade für die CC- und Ausdauerfraktion unter den Bikern ein sensibles Thema, weshalb der unveränderte Q-Faktor ja auch eine der Zielvorgaben für Boost war. Nach Aussage von Sram stellt die 52-mm-Kettenlinie von Boost die breitest mögliche Nabenkonstruktion dar, bei der man noch ohne eine Änderung des Q-Faktors auskommen kann.

Boost – einmal anders interpretiert

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    Teil 3: Boost – Alternativen von American Classic und Liteville/Syntace

Themen: BoostEinbaumaßNabenStandard


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