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Mit Kinder auf Tour. Mit Kinder auf Tour.
BIKE Wissen

Kids-Special: Biken mit Kindern

Matthias Dreuw am 10.09.2009

Kaum sind Kinder im Haus, verstaubt das Bike im Keller. Doch das muss nicht sein! Die eigene Leidenschaft kann man mit dem Nachwuchs sehr wohl teilen. Doch Vorsicht: Stolperfallen und Spaßbremsen lauern überall. Wir haben die Experten zu den wichtigsten Themen befragt.

Wenn Kinder Fahrradfahren lernen, dann ist das für Bike-begeisterte Eltern wie Geburtstag und Weihnachten an einem Tag. Der erste Zahn, die ersten Schritte, die ersten Worte. Alles schön und gut, aber Fahrradfahren, das ist ein riesiger Evolutionsschritt in Richtung: Bike-Tour im Familienverbund, Siegerpodest beim Nachwuchs-Rennen, Familienurlaub im Bike-Hotel. Aber Vorsicht! Wer solche Erwartungen und Träume erzwingen will, kann den Kindern den Spaß am Radfahren verleiden. Wichtigste Voraussetzung für Bike-Vergnügen im Familienformat: geeignetes Material und dosierte Motivation.

Spielend Spaß am Biken gewinnen - so geht es leicht.

Im 11-Seiten Kinder-Special aus BIKE 9/2009 finden Sie alle wichtigen Informationen

• zur richtigen Rahmengröße für die jeweiligen Altersgruppen

• zu Kinderanhängern und Laufrädern

• zum Kindersitz auf dem Elternrad

• zur Kind gerechten Motivation

• zu stylischen Bike-Klamotten

• zum dosierten Training

• und zum Bike-Urlaub

Das gesamte Kinder-Special finden Sie unten als gratis PDF-Download.

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Und hier noch die Interviews der Experten zum Thema "Kids on Bike":

Stephan Hahn - Development Engineering, S'cool Bikes.

Stephan Hahn, Development Engineering

Thema: Die speziellen Anforderungen an Kinderbikes

Worauf ist bei der Geometrie des Rades zu achten?

Das Problem ist, dass fast alle Parameter von denen der Erwachsenen in Relation abweichen. Hinzu kommt, dass im Gegensatz zum Erwachsenenfahrrad (bei dem alle Grunddaten über Laufzeit unverändert bleiben) Kinderfahrräder mit variablen Daten (das Kind wächst kontinuierlich) konfrontiert sind. Sprich, man muss durch smarte „Tricks“ ein für viele (bzw. wachsende Kinder passendes Fahrzeug entwickeln. Downsizing (auch wenn es gerade in anderen Branchen in Mode ist, ;-) ) ist komplett falsch, das ist auch der Grund, warum selbst die renomiertesten Fahrradhersteller nicht unbedingt gute Kinderräder bauen.

Wo weicht die Konzeption ganz von der bei Erwachsenenrädern ab?

a.    Sich verändernde Fahrerdaten
b.    Gewichtsverhältnisse (Fahrer zu Fahrzeug)
c.    Fahrverhalten (geringerer Geschwindigkeitsbereich, geringere Fahrzeugbeherrschung, komplett anderer Einsatzbereich
d.    Jede Fahrradgröße hat eine komplett unterschiedliche Zielgruppe/Fahrerverhalten (ein bischen wie DH-Freeride-ATB-Marathon)

Welche Rolle spielt das Gewicht? Wie lässt es sich optimieren?

Das Gewicht spielt DIE entscheidende Rolle! Ziel ist es ja,
a.    den Kindern sicheres Fahren und Handhaben zu erlernen
b.    den Kindern Spaß am Fahrradfahren zu vermitteln.
c.    Wie unsere Vergleichsrechnungen einmal klar machen (siehe Anhang), müssen Kinder in Relation zu ihrem Körpergewicht ein Vielfaches an Fahrzeug handlen, was sowohl der Sicherheit als auch dem Spaß abträglich ist. Aus diesem Grund hat deVELOpment mit der neuen Scool XXLite Serie eine für Kinder optimale Gewichts-/Leistungsrelation entwickelt.

Was für einen Preisspielraum gibt es dafür am Markt?

KEINEN! Es gibt feste Eckpreislagen, die zementiert sind wie sonst kaum etwas. Geht man darüber hinaus, bricht die Käufergruppe bis auf ein paar Fans komplett ein. Es ist nicht erklärbar, warum Eltern sehr viel Geld für viele in der Kinderentwicklung irrelevante Dinge ausgeben, beim gesündesten Kinderprodukt und wichtigsten Kinderprodukt (nie mehr wird ein Kind in Relation mobiler und sportlicher als beim Aufsteig aufs Rad) aber zu vielen Kompromissen bereit sind. Eventuell liegt es daran, dass man weder geringes Gewicht noch gute Ergonomie und passende Geometrie erkennen kann und der Laie denkt das ist odch alles nur Geldmacherei...).
Den Eltern ist offensichtlich nicht klar, dass z. B. ein bereits verlorengegangener Speichenreflektor im Ernstfall nicht die Sicherheit bietet, die ein (wenige Euro teurerer) Reflexstreifen auf den Reifen hat (alle S´cool Fahrräder sind nach unserer eigenen SQS Standard mit Reflexreifen ausgerüstet)!

Peter Voitl, Voitl Bikes

Peter Voitl, Voitl und Carver Bikes

Thema: Kinderbikes und Anbauteile müssen cool sein und passen.

Was sind die kritischen Punkte bei Kinderrädern?
Zuerst einmal sind Kinderbikes durch die Bank zu schwer, was aber eine Frage der preislichen Vorgaben ist. Bei den psychologischen Preisstaffelungen von 249, 399 und 499 Euro ist es für die Produzenten schwierig, ein gutes und leichtes Bike zu bauen. Es gibt allerdings Dinge, die man vermeiden könnte.

Was sind das für Dinge?
Vor allem unergonomische Griffe aber auch zu lange Kurbeln und bleischwere Anbauteile wie Sättel und Pedale. Außerdem gehört die Kabelverlegung bei einem Kinderrad unter das Oberrohr. Welches Kind schultert schon sein Rad?

Wie sieht es bei Federungen, Bremsen und Schaltungen aus?
Da geht es natürlich viel um den Coolnessfaktor der Teile. Die Kiddies wollen am liebsten mit der optischen Ausstattung der Erwachsenen fahren. Dabei gibt es kaum eine vernünftige Federgabel für Kinder. Auch 27 Gänge braucht kein Kind. Man müsste versuchen, die Getriebenabe cool zu machen, damit alle sie haben wollen.

Michi Grätz, Liteville

Michi Grätz, Liteville

Thema: Kinderbikes, Gewichte und Federung

Es gibt Gerüchte, dass Liteville ein Kinderrad konzipiert. Ist da was dran?
Ja, es gibt ein Gemeinschaftspojekt für einen Kinderradrahmen mit Cube, den beide Hersteller dann unterschiedlich ausstatten.

Wie kam es dazu?
Als ich ein Bike für meinen Sohn gesucht habe, musste ich feststellen, dass die bestehenden Modelle nicht richtig passen. Bei Cube gab es Leute mit ähnlichen Erfahrungen. Mittlerweile haben wir zusammen einen Prototyp entwickelt.

Was muss man bei der Konzeption eines Kinderrades besonders beachten?
Eigentlich sind es die gleichen Faktoren wie beim Erwachsenenrad. Nur das die Anbauteile oft nicht passen. Da ist die Regel, dass die Armlänge sowie der Q-Faktor der verbauten Kurbeln viel zu groß ist und das Tretlager zu hoch sitzt. Wenn ein Kind auf einem solchen Rad fährt, schaut das grausam aus.

Ein weiteres Problem ist häufig das hohe Gewicht von Kinder-Bikes. Wo sehen Sie die Schmerzgrenze?
Wir planen für unser 20-Zoll-Bike mit einem Maximalgewicht von sieben Kilo. Selbst das entspricht noch gut 30 Prozent des Fahrergewichts, wenn das Kind zwischen 20 und 25 Kilo wiegt. Das muss man sich mal für einen Erwachsenen vorstellen.  

Wie sieht die Ausstattung aus, die ein solches Gewicht möglich macht?
Die Federung soll ein 2,4-Zoll-Reifen übernehmen, der mit wenig Luftdruck gefahren werden kann. Kinder fahren meist nur Schotterpisten, außerdem sind sie so leicht, dass Federelemente gar nicht richtig funktionieren können.

Was für Bremsen und Schaltungen sind verbaut?
Bei den Bremsen sprechen Gewichts-, Kosten- aber auch Sicherheitsgründe für V-Brakes. Eine Disc erfordert einfach mehr Erfahrung. Außerdem genügen 7 bis 9 Gänge. Kinder brauchen gar nicht so viel Bandbreite.

Martina Ottmar, Sozialpädagogin und Mutter von drei Kindern

Martina Ottmar, Sozialpädagogin

Thema: Motivation auf der Tour

Mit Kindern auf Radtour – worauf sollten Eltern achten?
‚Fordern aber nicht überfordern’ das ist oft der Schlüssel zu einem gelungenen Familienausflug. Die Tour muss für die Kinder überschaubar bleiben, Zwischenziele dürfen nicht zu weit auseinander liegen und natürlich muss die Tour auch zu schaffen sein. Eltern die mit dem Nachwuchs auf Tour gehen müssen ihre eigenen Ansprüche stark senken.
 
Welches Terrain bietet sich an?
Wer mit Kindern loszieht, sollte die Umgebung und die Strecke gut kennen. Wo sind Anstiege und wie lang, gibt es irgendwo interessante Rastpunkte, Wasserfälle oder ähnliches. Ganz wichtig sind auch Notausstiege an denen man die Tour bei Problemen abbrechen kann. Wer sich nicht auskennt, sollte vorher Karten studieren. Längere Anstiege sind Gift - kein Kind radelt gerne eine Stunde nonstop bergauf.
 
Welche Distanzen kann man mit Kindern fahren?
Das ist sehr unterschiedlich und hängt auch stark vom Alter ab. Nach meiner Erfahrung spielt auch die Tagesform eine große Rolle. Ich war schon mit Kindern unterwegs, die werden überhaupt nicht müde, andere fragen nach zwei Minuten: „Wie lange noch?“ Da kann ich wirklich keine Zahlen nennen. Aber ich habe festgestellt, dass viele Eltern ihre Kinder da gut einschätzen können.

Erik Becker, Fitnessexperte von Beckercoaching

Erik Becker, Beckercoaching

Thema: Training und Schutzmechanismen

Worauf sollte beim Radeln mit Kindern geachtet werden?
Es geht immer um dasselbe: In jedem Fall sollte Sport mit Kindern spaß- und altersbezogen sein. Dabei ist es wichtig, kalendarisches und biologisches Alter zu unterscheiden. Es gibt Früh- oder Spätentwickler.

Welche Streckenlängen kann man Kindern zumuten?
Auch dafür gibt es keine Faustformel. Die Angst, dass die  Kinder Schaden nehmen könnten, ist jedoch unbegründet. Kinder haben einen ausgeprägten Selbstschutzmechanismus, der eine Überlastung  kaum zulässt. Voraussetzung ist, dass kein Leistungsdruck aufgebaut wird.

Wie sollte man Kinder motivieren?
Wichtig ist, das Ziel der Tour klar zu benennen und Pausen einzuplanen. Etwa: „Wir fahren bis zur Eisdiele im Nachbarort“, da ist die Belohnung schon enthalten. Manchmal sind Kinder sogar übermotiviert, so dass man sie etwas einbremsen muss. Die Kunst ist, als Eltern ein Gespür dafür zu entwickeln.

Was ist zu tun, wenn sich das Kind trotzdem verausgabt hat und nicht weiter will?
Für den Fall sollte man eine Art Notfallprogramm parat haben. Wichtig ist, das man das Abschleppen oder Anschieben spielerisch verpackt. So kann die  Unterstützung dann wieder motivierend wirken.

Wenn nun alles gut gelaufen ist und die Kids Bike-begeistert sind, ab welchem Alter dürfen sie richtig trainieren?
Das hängt vom biologischen Alter ab. Bei leistungsorientiertem Training kann ein Elfjähriger zum Beispiel schon 1500 Kilometer im Jahr fahren, sollte im gleichen Zeitraum jedoch zusätzlich 70 Einheiten Athletiktraining machen. Auch die sollten spielerisch sein und möglichst koordinative Übungen enthalten: eine halbe Stunde Frisbeespielen wäre so eine Einheit.  

Peter Brodschelm, Fahrtechnikexperte und Tourenguide

Peter Brodschelm, Fahrtwind

Thema: Fahrtechnik für Kinder

Wie kann ich mit meinem Kind Fahrtechnik trainieren?
Ganz wichtig ist, dass jede Übung in ein Spiel verpackt ist. Das klappt am besten in einer Gruppe von Kindern. Da kann man sie richtig beim Ehrgeiz packen.

Ab wann sollte man damit beginnen?
Ab sechs Jahren macht Techniktraining für die Kinder Sinn, da sind sie körperlich ausreichend entwickelt.

Wie sollten die ersten Ziele aussehen?
Vor allem vorausschauendes Fahren und die richtige Bewegung auf dem Bike sind wichtig. Dazu sollten Eltern unbedingt darauf achten, das ihr Kind auch lernt, im Stehen zu fahren.

Was mache ich, wenn mein Kind keine Lust dazu hat?
Am besten sollte man den Kindern die Vorteile aufzeigen, indem man die Bewegung vormacht. Dann ist die Einsicht meist groß. Wenn mein Kind aber Angst hat, muss ich versuchen zu verstehen, warum. Das liegt häufig am Rad, rutschigen Pedalen oder Schuhen.

Wie kann man sonst noch üben?
Indem man mit dem Kind einfache Wege im Gelände fährt - und das regelmäßig. Man kann aber auch kleine Aktions- oder Geschicklichkeitsspiele wie Slalom auf einem kurzen Rundkurs machen, wenn man einen geeigneten Platz dazu findet.
 

Matthias Dreuw am 10.09.2009