Gewitter – größte Gefahr eines Alpen-Bikers Gewitter – größte Gefahr eines Alpen-Bikers Gewitter – größte Gefahr eines Alpen-Bikers

Gewitter – größte Gefahr eines Alpen-Bikers

  • Gitta Beimfohr
 • Publiziert vor 13 Jahren

Blitzableiter – Gewitter gehören zu den größten Gefahren eines Alpen-Bikers. Rechtzeitiges Erkennen und Handeln kann daher Leben retten. So entkommen Sie dem Unwetter.

Zuerst die gute Nachricht: wurden im 19. Jahrhundert noch 300 Menschen in Deutschland vom Blitz erschlagen, sind es heute „nur“ noch drei bis sieben pro Jahr. Der Grund: Standen die Menschen früher oft schutzlos auf weiten Feldern, erreichen sie heute deutlich schneller Unterschlupfmöglichkeiten wie Autos oder Häuser. Und nun die schlechte Nachricht: Wer heute bei Gewitter in hochalpinem Gelände unterwegs ist, hat praktisch die gleichen Bedingungen wie die Menschen im 19. Jahrhundert. Die nächste Schutzhütte in den Bergen wartet nämlich eventuell erst hinter dem nächsten Passübergang und das Auto steht sowieso im Tal. Dazu kommt, dass sich Gewitter im Gebirge durch die Hanglage deutlich schneller entwickeln und man sie hinter dem nächsten Berg oft nicht heranrollen sieht. Plötzlich wachsen die schwarzen Wolkentürme bereits über die Felsgrate hinaus und das Unwetter schlägt blitzartig zu.

Gewitter zählen bis heute zu den größten Gefahren im Gebirge. In der Schweiz prasselten im Jahr 2006 allein 900 Gewitter nieder. Und wer inmitten einer einsamen Felslandschaft schon mal in solch ein Unwetter hineingeraten ist, weiß, wie dramatisch Blitz und Donner in den Bergen wüten können. Nicht selten knistert sogar die Luft – so geladen sind die Wolken. Blitze zucken im Sekundentakt und die Donnerschläge wummern von den Felsen wider. Kleinere Bäche können durch den einsetzenden Regen und Hagel schnell zu reißenden Strömen heranwachsen und an steilen Hängen besteht Erdrutschund Steinschlaggefahr. Wer sich jetzt falsch verhält, riskiert sein Leben. So können Sie sich am besten schützen:


1. Früh aufstehen
Die besten Alpen-Touren-Monate fallen leider genau in die Gewitter-Hauptsaison. Von Mai bis August muss man im Gebirge beinahe täglich mit Wärmegewittern rechnen. Sie treten lokal auf und lassen sich daher nur schwer vorhersagen. Dennoch sind sie einigermaßen berechenbar, denn sie schlagen meist erst am Nachmittag zu. Starten Sie Ihre Tour also möglichst früh, damit Sie bis 16 Uhr wieder zurück sind oder während einer Alpenüberquerung bereits das nächste Etappenziel erreicht haben.


2. Wetterbericht studieren
Wer durch die Alpen touren will, sollte spätestens am Abend vorher die Wetterkarte studieren. Kündigt sich eine Kaltfront mit Gewittern an, planen Sie Ihre Tour entsprechend oder verschieben Sie sie. Alpenüberquerer sollten immer den Hüttenwirt oder Hotelier nach dem aktuellen Wetterbericht fragen und die Route eventuell auf Talnähe und damit sichere Wege verlegen.


WENN DAS GEWITTER BEREITS IM ANMARSCH IST


3. Schutz suchen
Erstes Gebot, wenn man in den Bergen ein Gewitter heranziehen sieht: Suchen Sie in der Karte nach der nächst gelegenen Schutzhütte.
• ERRECHNEN Sie die ungefähre Entfernung des Gewitters wie folgt: Zählen Sie die Sekunden zwischen Blitz und Donner, teilen Sie das Ergebnis durch drei und Sie erhalten die ungefähre Entfernung des Gewitters in Kilometern. (Lichtgeschwindigkeit: 300.000 km/s, Schallgeschwindigkeit 330 m/s) Entscheiden Sie dann, für welche Fluchtmaßnahmen die Zeit noch reicht. Beträgt die Zeitspanne zwischen Blitz und Donner weniger als zehn Sekunden, ist das Gewitter bereits gefährlich nah. Schnell noch über den nächsten Pass kurbeln, sollten Sie nicht mehr riskieren. Ziel ist es jetzt, nicht mehr den höchsten Punkt im Gelände und damit einen potenziellen Blitzeinschlagort darzustellen. Die richtige und schnellere Richtung bei einem drohenden Gewitter ist also immer bergab. Geeignete Unterstellmöglichkeiten:
• HÜTTEN: möglichst mit Blitzableiter (eine Art Antenne, die den Blitz an der Außenseite der Hütte zum Boden ableitet)
• HÖHLEN: Gehen Sie so weit wie möglich hinein, halten Sie aber guten Abstand zu den eventuell nassen Felswänden (Blitzleiter)
• DICHTER WALD: Niemals am Waldrand stehen bleiben. Gehen Sie etwa 50-100 Meter in den Wald hinein, halten Sie aber Abstand zu den einzelnen Bäumen, für den Fall, dass diese getroffen werden!
• MULDE: Wenn partout nichts Schützendes in der Nähe ist, suchen Sie sich zumindest eine Geländemulde. Legen Sie Ihr Bike und sämtliche metallene Gegenstände mindestens 50 Meter entfernt ab, stellen Sie alle elektronischen Geräte ab (GPS, Handy) und ducken Sie sich (über den Rucksack) in die Mulde. Beine eng zusammen halten und die Arme nicht aufstützen, sondern dicht am Körper halten. So halten Sie die Schrittspannnung möglichst klein.


DIESE ORTE UND SITUATIONEN SOLLTEN SIE BEI GEWITTER UNBEDINGT VERMEIDEN:


• EINZELN STEHENDE BÄUME mit ausladenden Ästen
• WASSERLÄUFE
• FELSGRATE, GIPFEL
• METALLENE GEGENSTÄNDE
(Gipfelkreuz, Eisenseile in Schluchten, Metallzäune)
• STEILE HÄNGE, wegen Erdrutsch- und Steinschlaggefahr
• IN DER GRUPPE dicht zusammenstehen – halten sie untereinander mindestens drei Meter Abstand!


DIE BEIDEN HÄUFIGSTEN GEWITTERARTEN


Wärmegewitter
Sie können in den Sommermonaten täglich aufziehen, treten lokal auf und lassen sich nur schlecht vorhersagen. Aber in der Regel schlagen sie erst nachmittags ab 15 Uhr zu. Gerade in Regionen mit hohem Felsanteil, weil dort die Sonneneinstrahlung am intensivsten ist. Die feucht-warme Luft steigt auf und kühlt sich dabei ab. Dadurch entstehen bis mittags erste Wolken. Brauen sie sich zu einer Art Amboss (Cumulonimbus) zusammen, ist ein Gewitter nicht mehr fern. Dennoch lösen sich Wärmegewitter meistens schnell auf und danach scheint wieder die Sonne.


KALTFRONTGEWITTER
Wenn sich kalte Luftmassen unter die warme Luft am Boden schieben, türmen sich ebenfalls schnell Wolken auf. Dabei bildet sich eine oft kilometerlange Gewitterfront, die zu allem Unwetter auch einen Temperatursturz und anhaltend schlechtes Wetter mit sich bringt. Der Vorteil bei dieser Gewitterart: Sie ist einige Tage vorher zu sehen und man erkennt sie gut am raschen Fallen des Barometers.

Wenn das Gewitter abgezogen ist, bleibt für Biker noch eine Gefahr: die rutschigen Trails.

Kaltfront im Anmarsch – wenn die Wetterkarte diese Konstellation zeigt, ist im Gebirge Vorsicht geboten.

Themen: Gewitter


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