Gebrauchtkauf – Bikes und Teile Secondhand

MTB aus zweiter Hand: Profi-Tipps zu Kauf und Verkauf

  • Henri Lesewitz
 • Publiziert vor 9 Jahren

Bike, Gabel, Kurbel: Es muss nicht immer neu sein. Der Second Hand-Markt ist voll mit tollen Schnäppchen. Damit sie im Wust des Angebotes nicht den Überblick verlieren, hier die wichtigsten Tipps.

Es muss nicht immer ein neues Bike sein. Der Second Hand-Markt ist voll mit tollen Schnäppchen. Auch Zubehör-Teile des aktuellen Modell-Jahres wechseln oft zum Bruchteil des Neupreises den Besitzer. Doch Achtung! Gebrauchtkauf ist nicht ohne Tücken. Schnäppchen oder Blender? Der Grad dazwischen ist oft äußerst schmal. Damit sie im Wust des Angebotes nicht den Überblick verlieren, hier die wichtigsten Tipps.


Neu oder gebraucht?

Es ist die Grundsatzfrage: Lieber ein gebrauchtes Bike, oder ein reduziertes Auslaufmodell? Die Antwort ist schwierig und hängt vom jeweiligen Angebot ab. Fakt ist: Sobald sich der Sommer dem Ende neigt, werden die Restposten des aktuellen Modell-Jahres gnadenlos verramscht. Ein Drittel Preis-Ersparnis ist das ohne weiteres drin. Für Neu-Ware sprechen zudem die volle Garantie sowie der Händler-Service. Auf der anderen Seite verlieren gebrauchte Bikes selbst bei liebevollster Benutzung so rasant an Wert, dass man ein ursprünglich sündteures Bike plötzlich für 30 Prozent des einstigen Neupreises bekommt. Vergleichen lohnt in jedem Fall.

Eine Frage von Budget, Gelegenheit oder Überzeugung: Soll ich ein MTB lieber gebraucht oder neu kaufen?


Wo kaufen oder verkaufen?


Kleinanzeige:
Die einfachste Art ein Bike oder ein Teil anzubieten. Meist sogar kostenlos. Kein Risiko für den Verkäufer. Doch braucht man meist etwas Geduld. Käufer sollten sich nicht scheuen zu feilschen, denn die Preise sind oft überzogen hoch angesetzt. Tipp: www.quoka.de


Fahrradhandel:
Wegen der heiklen Gewährleistungsfrage nimmt kaum ein Shop Räder oder Teile in Zahlung. Und wenn, dann zu lächerlichen Preisen. Spezielle Secondhand-Shops sind eine gute Adresse für Verkäufer, die schnell Geld brauchen. Und für Käufer, die Wert auf Service legen. Die Preise sind aber oft höher als bei privaten Verkäufen.


Ebay:
Hier findet alles einen Käufer. Die Frage ist nur, zu welchem Preis. Verkäufer sollten immer auch an die nicht unbeträchtliche Ebay-Gebühr denken. Käufer dagegen an die Versandkosten. Weiteres Minus: Probefahrten sind aufgrund der räumlichen Distanz von Artikel-Standort und Interessenten-Wohnort meist nicht möglich.


Tipps und Tricks beim Kauf


Unbedingt den Neupreis checken!
In Kleinanzeigen werden oft Fantasie-Ladenpreise angegeben, um das Angebot günstig scheinen zu lassen.

Probefahrt!
Niemals ein Rad ohne Probefahrt kaufen! Selbst wenn das Angebot ein einmaliges Superschnäppchen zu sein verspricht. Das schönste Rad nutzt nichts, wenn Größe und/oder Fahreigenschaften nicht passen.
Sich Zeit nehmen! Schauen Sie jedes Detail an. Fragen Sie nach Stürzen, Vorschäden, Mängeln. Im Zweifel: Finger weg!


Vertrag!
Worte sind flüchtig, Buchstaben bindend. Besiegeln Sie den Kauf in jedem Fall mit einem schriftlichen Vertrag.


Tipps und Tricks beim Verkauf


Sachlich bleiben!
Beschreiben Sie das Bike (oder das Teil) in der Anzeige ehrlich. Übertriebene Werbe-Floskeln wie „absolut top!“ provozieren schnell Ärger.


Mängel beseitigen!
Auch wenn es erst mal ein paar Euro kostet: Nur ein einwandfreies Bike oder Teil wird einen hohen Preis erzielen.
Limit setzen! Jeder Interessent wird feilschen. Das ist okay, aber Sie sollten sich von Anfang an ein unteres Limit setzen.


Nachfrage abwarten!
Im Frühjahr boomt die Nachfrage, im Winter geht nichts. Warten Sie mit dem Verkauf bis zur warmen Jahreszeit.


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Die Rechtslage

Rechtsanwalt Michael Albert kennt die Tücken beim Secondhand-Kauf. Darauf sollten Sie achten:

Rechtsanwalt Michael Albert


Gewährleistung:
Auch wenn es sich um einen privaten Verkäufer handelt, hat der Käufer die vollen gesetzlichen Gewährleistungsrechte. Hat das Bike – oder das Teil – irgendwelche Mängel, muss sie der Verkäufer beseitigen.


Garantie:
Sobald eine solche versprochen wurde, muss sie der Verkäufer auch einhalten. Das gilt auch, wenn Mängelfreiheit zugesichert wurde.


Mängel:
Auf Mängel muss hingewiesen werden. Allerdings muss der Verkäufer nicht auf alle ungünstigen Eigenschaften hinweisen, wenn er nicht danach gefragt wird.


Gewährleistungsfrist:
Wenn ein Mangel erst Tage, oder Wochen nach dem Kauf auftritt, wird es schwierig. Rein rechtlich kommt es darauf an, ob das Rad am Tag des Kaufes einen Mangel hatte, und das muss der Käufer nachweisen. Was nicht immer einfach ist. Beim Kauf in Secondhand-Shops ist es genau umgekehrt. Tritt innerhalb der ersten sechs Monate ein Mangel auf, muss der Händler nachweisen, dass das Rad beim Verkauf fehlerfrei war.


Das sagt der Schnäppchen-Spezialist

Stephan Flatau (Second hand Sports München) über den gewerblichen Handel mit gebrauchten Bikes und Zubehör.

Stefan Flatau, Second hand Sports, München, beantwortet unsere Fragen.


Wie legt man den Wert eines Gebraucht-Bikes fest?
Da gibt es keine Tabellen, oder festen Regeln. Das hat man mit den Jahren quasi im Gefühl. Pi mal Daunen, sozusagen. Es gibt da extreme Unterschiede zwischen den Rädern, selbst der Herstellername kann entscheidend sein. Wie viel Geld ein Rad wert ist, hat man als Händler irgendwann ganz gut raus. Steht ein Rad mal einige Woche im Laden, ist es offenbar zu teuer. Ist es nach zwei Stunden weg, war es wohl zu günstig. Grob kann man sagen: Ein gutes gebrauchtes Rad gibt es ungefähr für die Hälfte vom Neupreis.


Wie groß ist die Nachfrage?
Im Frühjahr und den Sommermonaten riesig. Da werden Bikes innerhalb von Tagen umgeschlagen. Manchmal dauert es vom An- bis zum Verkauf auch nur ein paar Stunden. Die Nachfrage ist so groß, dass wir sie gar nicht bedienen können.


Welche Bikes sind besonders gefragt?
Simple, zeitlose Räder. Ein gutes XT-Hardtail ist auch in zehn Jahren noch ein gutes XT-Hardtail. Der Premium-Bereich ist da weitaus schwieriger. Gerade im Bereich von Fullsuspension geht die technische Entwicklung so schnell, dass sogar relativ neue Räder schon wieder ein alter Hut sein können. Die Nachfrage danach ist dann gleich Null. Der Preisverfall vom Highend-Bikes ist enorm. Bei Preisen ab 2000 Euro überlegen sich die Leute ohnehin eher den Kauf eines neuen Bikes.


Wann ist die beste Zeit für Schnäppchen?
Im Herbst. Die Nachfrage ist aufgrund der Jahreszeit gering. Gleichzeitig trennen sich viele Leute am Ende der Saison von ihren Rädern, weil sie sich im Frühjahr ein aktuelles Modell zulegen möchten. Manche brauchen auch einfach nur Geld für die Weihnachtseinkäufe. Für Schnäppchenjäger eine gute Zeit.


Kauft man von privat nicht günstiger, als im Second Hand Shop?
Das kann man so nicht sagen. Wer privat ein Bike kauft, spart vielleicht erst mal ein paar Euro, wird unter Umständen aber wenig Freude mit dem Rad haben. Bei uns wir jedes Rad gründlich durchgecheckt. Defekte Teile tauschen wir aus. Zudem bieten wir ein paar Monate lang einen Gratisservice für bei uns gekaufte Bikes.


Was sind Ladenhüter?
Alte Fullsupension-Bikes mit rustikaler Technik. Alte Eingelenker. Räder mit komischen, schrillen Lackierungen und eigenwilligen Anbauteilen. Aber auch die sind verkäuflich. Als Kneipenrad zum Beispiel.


Henri Lesewitz hat sich aller Mittel und Wege bedient, um sich ein marathontaugliches Race-Bike aus gebrauchten Einzelteilen auzubauen. Was unser Reporter dabei erlebt hat, lest Ihr in BIKE 6/2012.


Ihr habt auch schon so Eure Erfahrungen beim Gebrauchtkauf oder -verkauf gemacht? Lasst uns teilhaben und postet Eure Erlebnisse direkt unten ins Kommentarfeld!

Themen: GebrauchtkaufRechtslageSecond Hand


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