Riff Raff: Es gehört zu den großen Rätseln der Menschheit, welchem ästhetischen Empfinden die Mode in den frühen Neunzigern zugrunde lag. Eine mögliche Erklärung wäre diese: Ein zu schriller Extravaganz neigender englischer Graf mit asymmetrischer Frisur schloss mit dem Boss der damals ultraangesagten Szene-Schneiderei Riff Raff einen Pakt. Man wolle mal austesten, in welche modischen Randgebiete sich Menschen treiben lassen würden, wenn man ihnen nur penetrant genug erklärt, dass es cool und angesagt ist. Und tatsächlich: Das Experiment gelang. Die Biker hüllten sich voller Vergnügen in quietschbuntes Lycra und machten selbst vor psychedelischen Farbkombinationen nicht halt. Sie ließen die Träger ihrer Lycra-Leggins jauchzend auf die Schultern schneppsen. Manche zogen sich sogar badekappenartige Überzüge über den Helm. Irgendwann entdeckte ein Biker den Grafen und den Riff-Raff-Boss, wie sie den Irrsinn hinter einer Spiegelwand feixend beobachteten. Tja, das war’s dann. Irgendwie so muss es sich zugetragen haben.

zum Artikel